Band 
Erster Band, erste Abteilung. Aba - Evan.
Seite
875-876
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875 Chariten (Mythus )

Gelage die Menschen sich vereinen, da er-scheinen die Chariten leicht und frei und lösendie beengenden Bande; heitere glänzendeFreude giefsen sie aus; doch wehret ihr sin-nig ordnendes Walten der Mafslosigkeit undder tobenden Lust. Sie lieben die Gesellschaftdes Dionysos , der zum heiteren Feste denherzerfreuenden Wein giebt; doch sie fordern,dafs Mafs gehalten wird. Darum sagt Panya-sis: der erste Trunk beim frohen Mahl gehörtden Chariten, den Horen und dem Dionysos ,der zweite der Aphrodite und wiederum demDionysos ; das ist für Männer die schönste Artzu trinken. Wenn einer aber unenthaltsames treibt bis zum dritten Gang, dann kommenHybris und Ate und bringen Leid. Darumhalte Mafs. Athen . 2. p. 36 D (fr. 6 Hübner).Ygl. Horat. Od. 3, 19, 15. Die Chariten ( as -f ivai, yeläaca, aßqai, ßgodo7id%i£s, ctyvul Aibgnogai, Sappho fr. 65 Bergk) sind Freundinnendes Gesanges und des Chorreigens und ver-kehren daher gern mit den Musen, mit denensie auf dem Olympos zusammen wohnen, Hes.Theog. 64; vergl. Eurip. Here. für. 673. DieMusen begeistern den Dichter zum Schaffender Gesänge, während die Chariten diese zurVerherrlichung der Feste aufführen im Chor-tanz und im Aufzug. Sie geben den Chorfüh-rern und sonstigen Wettkämpfern den Ruhmdes Siegeskranzes, Find. Ol. 14. 4, 9. 6, 76.Nem. 5, 54. 6, 38. Pyth. 5, 48. fr. 67, 182Bergk. Simonid. 150. 166 BergTc. Den Chor-reigen ordnen und tanzen sie selbst zugleichmit andern Göttinnen, mit den Musen, Aphro-dite, den Horen u. s. w. Im Olymp spieltApollon die Kithara ; die Musen singen, dieChariten aber mit den Horen, Aphrodite undandern jugendlichen Göttinnen tanzen den Rei-gen, Hom. H. in Ap. Pyth. lOtf. Artemis gehtnach Delphi zum Tanz der Musen und Chari-ten, Hom. Hymn. 27, 15. Die Chariten tanz-ten bei der Hochzeit des Peleus, Quint. Sin.4, 140, sie sangen mit den Musen bei derHochzeit des Kadmos die schönen Worte, dieihr eignes Wesen bezeichnen:was schön ist,ist lieb, was nicht schön ist, ist nicht lieb,Theogn. 15. Sie werden zusammen mit denMusen angerufen von Sappho fr. 60. Als aus-gezeichneter Tänzer unter den Göttern (Find,fr. 75) ist auch Pan den Chariten lieb, Find,fr. 71. Auch dem Kitharspieler Apollon ,dem Genossen der Musen, sind die Chari-ten eng verbunden, sie haben neben dempythischen Apollon ihre Throne, Pind. Ol.14, 10, nach den Schol. z. d. St. haben siezu Delphi ihre Throne zur Rechten des Got-tes. Das Bild des delischen Apollon trug diedrei Chariten auf der Hand, Paus. 9, 35, 1.Preller, Gr. Myth. 1 . S. 235, 2. Der Aphrodite (s. d.) stehen die Chariten besonders nahe.Die Göttin der Schönheit bedarf der Chariten,weil ohne den Reiz der Anmut die Schönheitkeine dauernden Erfolge zu erlangen vermag.Sie umgeben die Aphrodite (die Königin derChariten, Koluth. B. Hel. 16) als Begleiterin-nen und freundliche Dienerinnen. Sie badenund salben die Liebesgöttin, sie fertigen ihrschöne duftige Gewänder und schmücken sie

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zu den Festen der Liebe, erheitern sie durchTanz und Spiel, Hom. II. 5, 338. Od. 8, 362 ff.18, 192 ff. Hom. Hymn. 4, 61. Athen . 15p. 682E.F. Sappho bei Himer. 1 , 4 (BergJc z.fr. 93). Hes. Opp. 72. Paus. 6, 24, 5. Mosch.Id. 2, 71. Quint. Sm. 5, 72. Dafs auch Erosoder die Eroten hier nicht fehlen, ist natür-lich. Auch andern Göttern wirkten die Cha-riten schöne Gewände, wie dem Dionysos , Ap,Eh. 4, 424ff. Die schönsten Werke der Kunstheifsen Werke der Chariten; ohne sie vermagnichts die Geschicklichkeit und kalte Regelder Kunst; erst durch die Anmut erhält sieihre wahre Weihe; deshalb sind die CharitenGenossinnen der Musen, ist Charis die Gemah-lin des Künstlers Hephaistos . Aus den Ge-dichten mufs der Hauch der Chariten wehen,Simonid. Anth. Pal. 7, 25. Vgl. Plato b. Tho-mas Mag. Vita Aristoph. p. 14. Simmias Anth.Pal. 7, 22. Melea.gr. Anth. Pal. 7, 417. Pini.Ol. 9, 25. Theoler. Id. 16, 6. Die Charitenhelfen selbst der Athene als der Göttin derernsten Studien, die ohne Anmut gleichfallsnichtig sind, und auch die Weisheit wirddurch sie verschönert; deshalb rät Platon demXenokrates: opfere den Chariten. Auch mitHermes sind die Chariten befreundet, derdurch die Gabe anmutiger Rede seine schön-sten Triumphe feiert und mit Anmut jeglichesDing zu gutem Ende führt. Hermes Xughmήγεμών, Eudoc. p. 153. Uber die häufige Ver-bindung der Chariten mit Hermes s. Benndorf,Arch. Zeitg. 1869, 58 u. O. Jahn, Entführungder Europa. Wien 1870. 3243. Preller, Gr.Myth. 1 . S. 397, 1 und unten S. 882, Z. 52ff.Deshalb ist auch die freundliche Peitho, dieGöttin der Überredung, oft in ihrer Mitte(Hes. Opp. 73. Pind. fr. 100, 10. Ibyk. δBergk)·, ja sie wird sogar von Hermesianax selbst eine der Chariten genannt, Paus. 9,35, 1. Schol. Anth. Graec. 1 , 27 p. 52 ed.Frankf. (1600), der den Pausanias ausgeschrie-ben, hat Πυρώ statt Πει&ώ, indem vorausge-nannt sind Helios und Aigle, nach Antimachosdie Eltern der Chariten. Ganz besonders häu-fig findet man mit den Chariten die Horen(s. d.) vereint (in alten Kunstwerken, Paus, i,17, 4. 3, 18, 7. 5, 11, 2), die im Kreise derNatur sind, was die Chariten im geselligenLeben, obgleich die Chariten ursprünglich nurNaturgottheiten und von gleicher Bedeutungmit den Horen waren; später aber haben sichChariten und Horen so von einander geschie-den,dafs die Chariten den letztem geradeso entgegenstehen, wie menschliches Lehenund Ordnung der Natur. Diese zeitigen denWein, den jene geniefsen helfen (Athen . 2p. 38C); während bei Hesiod (Opp. 73) dieHoren das Götterkind Pandora mit Frühlings-blumen kränzen, schmücken es die Charitenmit goldnen Halsketten. Jene pflücken oderstreuen Blumen, diese winden sie und giefsenBalsam aus (Apulej. Met. 6, 24): Dichterbil-der, in denen sich immer noch alte Vorstel-lpngen fortpflanzen. Müller, Orchom. S. 181.Übrigens blieben die beiderseitigen Gebietedoch nicht so streng geschieden. Die Horengreifen hinüber in das der Chariten, wenn es

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