§77 Chariten (Kultus)
'i, B. Theokr. Id. 1, 150 von einem künstlichgeschnitzten Becher heilst, er sei getaucht inden Born der Horen; die Chariten aber lassenauch Rosen sprossen ( Andkreont. 44, 1 Bergk )und stehen in Beziehung zum Reiz des Früh-lings. Überhaupt wo Lenz und Liebe, frischeLebenskraft und Lebenslust herrschen, da sinddie Chariten nah, Stesich. fr. 34 Bergk. Ari-phron p. 984. Bergk. Horat. Garm. 1, 4,. 5.1, 30. 4, 7, 5. Ov. Fast. 5, 215 ff. Ihnen ver-danken wie die Götter so auch die sterblichenJünglinge und Frauen ihre frische, anmutigeSchönheit, sie heifsen Xaoixow tpvxöv, ffcilos;ihre Schönheit wird verglichen mit der derChariten, Theokr. Id. 28, 7. Lykophronides 2.Bergk. Athen . 15 p. 670 E. F. 1les. fr. 52. 67.167. Lehrs. Quint. Sm. 6, 152. Tzetz. Ante-hom. 125; vgl. Mus. H. et Leand. 63ff. 100.Anakreont. 15, 28 Bergk.
Kultus. Ein uralter Kultus der Chari-ten war in dem boiotischen Orchomenos derMinyer, schon vor der Minyerherrschaft ge-stiftet von dem König Eteokles oder Eteo-klos, dem Sohn des Kephissos (oder des An-dreus). Ihre ersten Bilder waren rohe Steine,die dem Eteokles vom Himmel gefallen waren;erst zu des Pausanias ’ Zeit wurden danebenkünstlich gearbeitete Statuen aufgestellt. Eswurden drei Chariten zu Orchomenos an-genommen; doch wufste man die Namennicht, welche ihnen Eteokles gegeben. Prel-ler vermutet, dafs es die gangbaren NamenEuphrosyne, Thalia· und Aglaia gewesen, mitwelchen Pindar Ol. 14 sie anruft, „die san-geswerten Königinnen des prangenden Orcho-menos, der altgebornen Minyer Schutzgotthei-ten, die an den Wassern des Kephissos woh-nen in rossereichem Sitz“, Paus. 9, 35,1. 38, 1.Theokr. Id. 16,104 („die göttlichen Jungfrauendes Eteokles, dem minyeischen Orchomenos ,hold“), Schol. Find. Ol. 14, 1. Stral·. 9 p. 414.Pinä. Pyth. 12, 26. Serv. Aen. 1, 720. Bergler z.ATkiphr. 3,1. Meinehe ad Euphor. p. 135. Hock,Kreta 2. S. 85. Der Tempel der Chariten standin der Nähe der Stadt in dem fruchtbarenThale des Kephissos, und in der Nähe befandsich ein Tempel des Dionysos und ein derAphrodite geheiligter Quell, welche beiden Gott-heiten hier mit den Chariten in enger Ver-bindung standen, Müller, Orchom. S. 178. Prel- ;ler, Gr. Mythol. 1. S. 395. Bursian, Gr. Geogr.1. S. 210. Vischer, Erinnerungen aus Griechen-land S. 584 f. Gonze e Michaelis rapporto p. 79etc. Von den reichen Feldern an dem Flufsbrachten die Periöken oder Ackerbauer vonOrchomenos einen priesterlichen Zehnten zudem Tempel, Ephoros bei Schol. II. 9, 381.Müller, Orchom. S. 183. Der Charitenkultblieb in Orchomenos immer der vornehmste.Man feierte ihnen ein altes Fest, die Charite- isien, mit musischen Agonen, worüber uns nochUrkunden erhalten sind, G. I. 1. n. 1583. 1584.c. explic. Boeckh. Beide, aus etwa 01. 145stammend, nennen die Sieger in den Agonen,Trompeter und Herold, einen epischen Dich-ter , Rhapsoden, Flötenbläser, Kitharspieler,Tragöden und Komöden u. s. w., die ausden verschiedensten Städten zusammenkamen.
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Aufserdem wurden die Charitesien mit nächt-lichen Tänzen begangen, nach deren Beendi-gung Kuchen von geröstetem Weizen undHonig und anderes Backwerk ausgeteilt wur-den, Eustath. Horn. p. 1843, 25. Müller, Or-chom. S. 181, 2. In diesem uralten Kultuswaren die Chariten ohne Zweifel Naturgott-heiten, Gottheiten der Fruchtbarkeit, Spende-rinnen der erfreulichen Gaben der Natur; undi auch die andern Gottheiten, die häufig mitihnen vereint sind, mögen ursprünglich zumTeil wegen ihrer Naturbezüge mit ihnen inVerbindung getreten sein; erst allmählich istwohl die Vorstellung, welche wir bei Pin-dar finden, die herrschende geworden, ohnedafs man jedoch die alte Naturbeziehung ganzwird vergessen haben. Auch anderwärts trittnoch die Naturbedeutung der Chariten hervor.In Athen verehrte man zwei Chariten, Auxoi und Hegemone, die „Förderin des Wachstums“,und die „Führerin “ der wachsenden Pflanzezum Licht, zu Blüte und Frucht; sie wurdenmit Helios, den athenischen Horen Thallo undKarpo (Blüte und Frucht) und der TaugöttinPandrosos angerufen, Paus. 9, 35, 1, nachPollux 8, 106 im Eid der Epheben, Stob.Serm. 41 n. 141; vgl. Hygin f. 183. Am Ein-gang zur Akropolis stand die angeblich vonSokrates gearbeitete Gruppe der Chariten, undan dieser Stelle hatten die Athener einen Ge-heimkult , Paus. 1, 22, 8. 9,35,1. Schol.Aristoph. Nub. 773. l)iog. Laert. 2, 19. Plin.36, 32. In Aristoph. Thesm. 300 werden siein Verbindung mit agrarischen Gottheiten an-gerufen. An den Eleusinien erhielten sie mitHermes ein Opfer, Mommsen, Heortol. S. 257.In betreff der Bildwerke siehe unten. Auchdie Spartaner hatten nur zwei Chariten,Kleta und Phaenna (Schall und Schimmer),Namen, die, obgleich vom Naturleben ausge-hend, doch mehr als die attischen Charitenin das Menschenleben hineinspielen; Lakedai-mon hatte ihnen am Flufs Tiasa einen Tem-pel gegründet und die Namen gegeben, Paus.3, 18, 4. 6. 7. 9, 35, 1. Ein Tempel der Cha-riten und Dioskuren zu Sparta , Paus. 3, 14, 6.In Paros hatte Minos den Chariten geopfert.Während des Opfers erhielt er die Nachrichtvon dem Tode seines Sohnes Androgeos (s. d.) ;da warf er den Kranz vom Haupte und liefsdie Flöte schweigen. Deshalb wurde bis inspäte Zeiten dort den Chariten ohne Kränzeund Flöten geopfert, Apollod. 3,15, 7. Auch zuThasos, einer Pflanzstadt von Paros , war Cha-ritenkult, s. Michaelis, Benkm. u. Forsch. 1865,4 ff. t. 217. Alter Dienst der Chariten in Ky-zikos, Welcher, Anh. zu Schwencks Andeutun-gen S. 289. In Elis hatten die Chariten einHeiligtum, und daneben standen Bilder desHelios und der Selene, Paus. 6, 24, 5. Siewurden im Frühling von den eleischen Frauenmit Dionysos angerufen, Flut. Quaest. Gr. 36.In Olympia gehörten die Chariten mit Diony-sos vereint zu dem dortigen Zwölfgöttersystem,Schol. Find. Ol. 5, 5 (10); vgl. Paus. 5, 14, 8.Petersen, das Zwölfgöttersystem d. Gr. Ham-burg 1853. S. 19. Zu Hermione Tempel derChariten neben einem Tempel des Helios, Paus.