879 Chariten (Kultus)
2, 34, 10. Als Göttinnen der Geselligkeit hat-ten sie ihre Tempel häufig auf Märkten, Mül-ler, Orchom. S. 182. Dorier 1. S. 353 Anm. 3.— Die Chariten wurden gedacht als blühendeJungfrauen in mädchenhafter Unbefangenheitvon schlanker Gestalt und freundlicher Ge-Sichtsbildung, in älterer Zeit von der Kunstbekleidet dargestellt, später nackt, gewöhnlichdie drei zusammen in der bekannten engver-schlungenen Gruppe, Paus. 9, 35, 2. Zenob.1, 36. Senec. de benef. 1, 3. Weiteres s. unten.Über den Streit der Chariten mit Aphro-dite um die Schönheit auf der Hochzeit desPeleus, vgl. Sostratos b. Eustath. Hom. p. 1665,58). Ihre Attribute waren Rosen, Myrten,Würfel {Paus. 6, 24, 5), musikalische In-strumente , Apfel und Salbenfläschchen, auchÄhren und Mobnbüschel, je nachdem sie ent-weder als Umgebung der Aphrodite oder desApollon und der Musen oder des Dionysos und der Fruehtgöttinnen gedacht wurden. —Vergl. im allgemeinen Manso, Versuch übereinige Gegenstände aus der Mythol. d. Gr. u.JRöm. S. 425—462. Müller, Orchomenos S. 177—183. Osann, Ausg. d. Cornutus p. 270ff.Urlichs, Eeisen u. Forsch, in Griechenl. S. 180.Schoemann de Oceanidum et Ner. catalogis p. 15= Opusc. Ae. 2 p. 161. Welcher, Anhang zuSchwenchs Et.-myth. Andeut. S. 288 ff. Griech.Götterl. 1. S. 371. 373. 696. Gädechens, Hall.A. PJncycl. Sekt. 1, 88, 423 ff. Preller, Griech.Mythol. 1 . S. 394ff. Gerhard, Gr. Mythol. 1 .§ 563f. E. Braun, Gr. Götterl. § 375ff. En-gel, Eypros 2. S. 415. Jacobi, mythol. Wör-terbuch. F. H. Krause, Musen etc. 1871. [Stoll.]
Die Chariten in der Kunst.
Der Dreiverein der Chariten ward schonfrüh dargestellt; eine selbständige Gruppe der-art war, wie es scheint, die des Bupalos , diezur Zeit des Pausanias oder seiner Quelle imeinstigen Palaste des Attalos zu Pergamon bewahrt wurde {Paus. 9, 35, 6), ferner die desE ndoio s vor dem Poliastempel in Erythrai ,Paus. 7, 5, 9; die aqxata ayülyaxa im Pro-naos des Heraion bei Argos, Paus. 2, 17, 3;die von Bathykles gefertigten und selbst ge-weihten, Paus. 3, 18, 9; endlich die vergol-deten i;6ava in ihrem eignen tsgov zu Elis,Paus. 6, 24, 5. — In enger Verbindung mithöheren Gottheiten und ihnen untergeordnetfanden sie sich vor allem in Delos , nämlichauf der Hand des Kultbildes des Apollon vonTektaios und Angalion {Paus. 9, 35, 3; Flut,de mus. 14); ferner in Smyrna vn'sq xäv uyotX-fidrcov der Nemesis von der Hand des Bupa -los, Paus. 9, 35, 6; noch mehr untergeordnet,als Stützen des Thrones, den Ba thvkle s demAmykläischen Apoll machte, Paus. 3, 18, 10,den Horen entsprechend (vgl. Hymn. hom. inAp. P. 16). Die grofsen Götterbilder des5. Jahrh. folgten hierin der alten Tradition.Polyklets Hera hatte auf ihrem Stephanos dieChariten und Horen, Paus. 2, 17, 4, und Phei-dias bildete als Krönung des Zeusthrones hierdrei Chariten, dort drei Horen, Paus. 5, 11, 7.Wie die Bilder aussahen, wissen wir ungefähr,nämlich nicht anders als andere archaische weib-
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liehe Gestalten, ln langer, zierlicher Ge-wandung standen sie wohl steif nebeneinander;jedenfalls darf mannoch nicht aneine eigentlicheverbundene Gruppe denken; die des DelischeaApollon hielten alle drei verschiedene Attribute,die eine die Leier, die andere Flöten, die drittedie Syrinx am Munde (vgl. die Kalliope dersog. Franfoisvase); die Bilder zu Elis hieltenRose, Astragal und Myrtenzweig; sie fafstensich also noch nicht bei den Händen. Ein ar-chaisches Relief von Thasos, dem Apollon , denNymphen und Chariten geweiht {Arch. Ztg.1867. Tf. 217. S. 4ff.; O. Bayet, mon. de Tart,ant.), stellt die letzteren ebenfalls noch ein-zeln neben, resp. hinter einander gereiht dar;auch ist kein Versuch gemacht, sie von denNymphen zu unterscheiden, die Attribute sindallgemeiner Art und beiden gemeinsam (Tänie,Blume, Frucht).
In Athen jedoch begegnen wir nun einemwohl in der 1. Hälfte des 5. Jahrh. ausgebilde-ten Typus für den Dreiverein der Chariten, der,ohne zu äufseren Attributen zu greifen, das We-sen sowohl wie die Vereinigung derselben durchHandlung zum Ausdruck bringt, indem er sie,sich bei den Händen fassend, in feierlichemTanzschritte bewegen läfst; die Richtung istdabei immer nach links. Das älteste Beispielist gegenwärtig ein echt archaisches Relief-fragment aus dem Peiraeus {Mitt. d. I. 3, 189),jetzt in Berlin ; noch fallen lange Locken derreichbekleideten Göttinnen auf die Schulternund hohe Diademe zieren sie. In archaistischerNachahmung sehen wir denselben Typus aufdem bekannten Borghesischen Zwölfgötteraltar(auf der Seite des Zeus und der Hera ^ P. «■K. 1, 43). — Es folgt darauf eine Serie vonReliefs, die dem Übergangsstile angehören,nicht mehr archaisch, doch noch etwas ge-bundenen und strengen Stiles sind; die langenLocken und Diademe haben einer wenigerfeierlichen, mädchenhafteren Haartracht Platzgemacht; auch das Gewand ist einfacher; dochdie Motive sind in allem Wesentlichen die-selben geblieben; leicht schreiten sie nach
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