Chariten (in d. Kunst) 882
genossen zu haben ( Änthol. Pal. 6, 342; vgl.Jahn, Europa S. 37); ein solches mit der In-schrift Taig Xagiaiv Asovziog ist in jedenfallssehr interpolierter Abbildung aus BoissardsSchriften bekannt ( Montfauc . 1 , 109 = Clarac632E, 1427B, G. I. Gr. 5971); anderein Athen ( Mitt. d. I. 195). Nicht selten sind sie in derWeise mit der ihr im Kulte sehr nahe stehen-den Artemis-Hekate verbunden (Mitt. d. I. 3,
881 Chariten (in d. Kunst)
links, sich die Hände gebend; die vordersteund die letzte fassen mit der einen, leerenHand das Gewand. Fünf genau übereinstim-mende Exemplare dieses Relieftypus sind er-halten: zwei in Rom ( Arch. Ztg. 1869, 55.
1870, 83) und drei in Athen (Mitt. d. Inst. 3,
181), wovon 2 auf der Akropolis selbst, 1 amsüdlichen Abhang derselben gefunden wurden.
Die auf der Burg gefundenen waren gewifsVotivgaben an die dort am Eingänge verehr- io 193). — Auch die um den Altar des Apollonten Chariten. Eben hierbei den Propyläen befandsich aber nach der Tradi-tion das die Chariten dar-stellende Relief des So-krates (Schol. Aristoph. nub.
773. Plin. 36, 32. Paus. 1,
22, 8. 9, 35, 3. 7). Da auchder Stil der erhaltenen Re-liefs zu dem jugendlichenSokrates sehr wohl pafste,so*ist ctie Vermutung, dafsdas Werk desselben ebeneins jener Reliefs, oderein verlorenes gleichartigeswar, nicht ganz abzuwei-sen. Derselbe Typus wardin Athen indes auch fürden Charitenkultus in derUnterstadt gebraucht, wosie mit dem Demos zusam-men verehrt wurden; einkleines Relief und einPiombo sind Zeugnis da-von (Mitt. d. Inst. 3, 192).
Derselbe kehrt ferner wie-der auf athenischen Tetra-drachmen und Drachmenals Beizeichen (schlechteAbbildung bei Beule, Monn.d’Ath. p. 297, wonach Ar-chäolog. Zeitung 1869, 22,
4);. die von mir untersuchten 9 BerlinerOriginale zeigen deutlich die langbekleide-ten , nach links schreitenden, sich an derHand fassenden Gestalten; doch hält die vor-derste Charis in der Rechten jeweils einenrunden, für einen Apfel etwas grofsen Gegen-stand. Der auf diesen Münzen mehrfach er-
mm
Die Chariten, Relief (vgl. oben S. 881, Z. lff.).
tanzenden Mädchen auf archaischen Reliefsmögen Chariten sein ( Stephani, ausruhenderHer alles 250).
Häufig wurde späterhin, besond. im 4. Jahrh.unser Charitentypus, dessen wesentlicher Grund-zug das nach links Schreiten dreier sich dieHände gebender Gestalten ist, für die Darstel-
scheinende Beamtenname So krate s wird viel- 50 lung der ihnen von Anfang an so nahe ste-leicht die Deutung des Beizeichens enthalten: henden Nymphen verwendet, die zumeist mit
wie z. B. ein Beamter Namens Themistokle3in Erinnerung an den grofsen Ahnen eine Prora mit Tropaion auf das Tetradrachmon setzenläfst, so mochten die Chariten durch jenenSo krate s veranlafst worden sein, der damit anden grofsen S okra tes erinnern wollte. (Vergl.auch ein Relief in Athen , wo nach Bull. 1876,109 der Kopf des Sokrates mit einer Inschrift
Hermes und Pan zusammen dargestellt wur-den (s. Ann. 1863, 312ff.; Mitt. d. I. 3, 199ff.5, 214, wo mit Recht statt der von mir auchhier früher vermuteten Chariten die Nymphenwieder eingesetzt werden; vergl. auch Furt-wängler, S. Sabouroff, Text zu Taf. 27. 28).
Der besprochene Typus hatte ausschliefs-lich in Denkmälern des Kultus und Weihge-
der Chariten verbunden sein soll, G. I. A. 3, :;o schenken seine Geltung; anderwärts wie aut224bc). In statuarischer Kunst besitzen wir Vasenbildern, wo man sie beide in Gemein-
keine so alten Charitentypen; doch scheintman sie zuweilen an einem Pfeiler oder einerSchale herum tanzend gebildet zu haben, inähnlicher Weise wie man die drei Gestaltender Hekate in der statuarischen Kunst aneinem Pfeiler vereinigte. In Kyzikos scheintein derartiges Bild der Chariten Verehrung
Schaft mit Aphrodite nicht selten vermutenmöchte (vergl. das Bild des Nearchus, Plin.35, 141 Venus inter Gratias et Cupidines) las-sen sie sich schwer feststellen, da sie sichäufserlich in nichts von andern langbekleide-ten Mädchen unterscheiden.
Bevor wir nun zu dem 2. Haupttypus, dem