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Erster Band, erste Abteilung. Aba - Evan.
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883-884
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883 Chariten (in d. Kunst)

nackten übergehen, der wenigstens zwei Jahr-hunderte später als der des Sokrates geschaf-fen wurde, müssen wir ein Ubergangssta-dium erwähnen, auf das wir freilich nur durchlitterarische Nachrichten schliefsen: Seneca debenef. 1 , 3 beschreibt die drei Chariten mani-bus implexis solutaque ac perlucida veste undin einer bekannten Ode des Horaz (1, 30)erscheinen die Gratien solutis zonis ; nochhaben sie also Gewandung, aber der Gürteldes langen Chiton ist gelöst, und dieser istaus durchsichtigem Stoffe. Die Stelle desSeneca geht wahrscheilich auf Ghrysippos zu-rück; also wäre im 3. Jahrh. der nackte Cha-ritentypus wenigstens noch nicht allgemeinrecipiert gewesen. Dals er aber bereits auf-gekommen war, lehrt ein Fragment des Eupho-rion, auf das 0. Jahn (Europa 34) aufmerksammacht (XbioLGiv äqnÜQsaaiv). Apelles malte Cha-ris als Einzelfigur bekleidet im Odeion zuSmyrna {Paus. 9,35, 6); sie dürfen wir uns nachArt jenes Übergangstypus denken. Ob auch diebekleideten Chariten hierher gehören, die Pytha-goras· von Paros (ohne genügenden Grund mitdem von Samos identiflciert) beim Pythion zuPergamon malte (Paus. 9, 35, 7), ist ungewifs.·Erst die hellenistische Zeit in ihrem Stre-ben nach sinnlichem Reiz schuf also den nack-ten Charitentypus; doch fand derselbe sol-chen Anklang, dafs wir in römischer Zeitwenigstens gar keine bekleideten Chariten mehrnachweisen können (die von Einigen auf Kaiser-münzen von Germe erwähnten bekleideten Cha-riten sind vielmehr drei Nymphen mit Was-sergefäfsen). Alle die fast unzähligen Darstel-lungen der nackten Chariten, die wir besitzen,sind aber nur Wiederholungen eines einzigenTypus, dessen Elemente bis ins Einzelnste sofein abgewogen sind, dafs Änderungen ihn nurverderben konnten. Am vollständigsten erhal-ten finden wir ihn auf Wandbildern und ge-schnittenen Steinen (s. von ersteren Helbig,Campan. Wandb. n. 856 = Atlas Tf. IXa; und856 b u. 857. Mon. d. I. 2, 46, 47; von letz-tem hauptsächlich den Cameo in Petersburg ,abgebildet bei Köhler, Gesammelte Schrif-ten 5, Taf. 5(i) S. 65 ff.; zahllose Gemmenmit der Charitengruppe sind gefälscht); hiersind die Attribute am besten erhalten, diejede in der einen freien Hand hält; es sindBlumen, Früchte oder Zweige, der gerade inrömischer Zeit wieder lebendigen Naturbedeu-tung der Chariten entsprechend. Das Typischeder Stellung ist folgendes: die 3 Figuren sindso vereinigt, dafs sie nebeneinander stehen,doch die mittlere von hinten gesehen wird;die beiden äufseren legen ihre inneren Armeje auf eine Schulter der mittleren; letzterelegt den linken Arm auf die Schulter der linksstehenden; mit der Rechten hält sie ihr Attri-but nach rechts hinaus; ebendahin, nach rechtsist auch ihr Kopf gewandt, der also im Pro-fil erscheint; die andern beiden neigen dieKöpfe etwas nach aufsen; sie stehen beide jeauf dem äufseren Beine fest auf, so dafs dieentlasteten, etwas zurückgezogenen Beine indas Innere der Gruppe fallen; die mittlere hatimmer rechtes Standbein. Indem so die streng

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symmetrische Anordnung durch die Bewegungder Arme und des Kopfes der mittleren rhyth-misch gemildert wird, so entsteht, namentlichauch durch die Abwechslung von Rück- undVorderansicht eine überaus reizvolle Kompo-sition, deren Ursprung wir indes schwerlichin der Skulptur zu suchen haben, da sie nurfür eine Ansicht berechnet ist. In hellenisti-scher Zeit war gerade die Malerei vielfach dietonangebende, und ein berühmtes Gemälde desdritten Jahrh. wird wohl die Quelle des Typussein. Das Vorkommen desselben in statua-rischen Werken römischer Zeit (unter denenbesonders die Sieneser Gruppe berühmt ist:Clarac 633, 14-27A. D. a. K. 2, 723), sowiein römischen Reliefs, auf Gemmen, Münzen,Lampen und Gläsern findet man bei Jahn,

Chariten (nach e. geschnitt. Stein bei Müller- Wieseler,D . a. K. 2, 724).

Europa S. 34, Anm. 5 zusammengestellt. In-teressant ist, dafs auch in römischer Zeit, ana-log wie wir es oben an dem bekleideten Ty-pus bemerkten, die Chariten zuweilen denTypus für Nymphendarstellungen hergebenmüssen (s. Jahn, Eur. S. 39). Die mannig-fachen Verwendungen der Charitengruppe inrömischer Zeit auch in rein allegorischer Weisekönnen hier nicht besprochen werden. Nichts-Beachtenswertes über Chariten enthält dieSchrift F. H. Krause, Musen, Gratien , Horenu. Nymphen. Halle 1871. [Furtwängler.]Charisios (Χαρίβιο s), Sohn des Lykaon, derdie nach ihm benannte Stadt Charisiai in Ar-kadien gründete, Paus. 8, 3, 1 . Steph. Byz.s. v. XuQicicu. [Stoll.]

Channas (Χάρμας), Vater des Evander (s. d.)aus Arkadien , Schol. zu Pion. Perieg. 348.

[Steuding.]

Charmopliron (Χαρμόφρων b S Ερμής lle-sych ); vgl. Hom. hymn. in Merc. 127, wo diesH. Stephanus vermutet. Der Nameder Herz-erfreuende pafst aber sehr wohl für Hermesals Gott des Glücks. [Steuding.]

Channos (Χάρμος), ein Sohn des Aristaios,den dieser auf der von ihm cultivierten InselSardinien zeugte. Ein Bruder von ihm, eben-da gezeugt, war Kallikarpos, Diod. 4, 82. Prel-ler, Griech. Muth. 2, 374, 4. [Stoll.] (Charon , Χάρων, covog m. (über χάρων st.χαροπόζ von Löwen u. a. vergl. G. Curtius,

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