Band 
Erster Band, erste Abteilung. Aba - Evan.
Seite
955-956
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955 Daphne

Daphne, vergl. Paus. 10, 7, 8. dem. Al.protr. p. 27 P, u. a. Sie ist a) Tochter desPlnsses Ladon und der Erde (Ge, Terra)Paus. 8, 20. 10, 7. 8. Tgets. Lyh. 6. Luciandesalt. 48. Philostr. Vit. Apoll. 1, 16. Ilesych.AaSc αγενής oder b) des Amyklas, Diodor undPhylarch bei Parth. Prot. 15; vgl. Verg. ecl.6, 83; übertragen c ) nach dem Apolloheilig-tum Daphne bei Antiocheia am Orontes ,Philostr., vgl. Strabo 16, 750. Müller, Antiq.Antioch . 41 u. a. d) des thessal. Peneios,Ov. met. 1, 452ff. Hygin. f. 203. Spröde fliehtsie Apollons Liebe, er verfolgt sie; auf ihrFlehen nimmt die Erde sie in ihren Schofsauf und läfst an ihrer Statt für Apollon denLorbeer hervorwachsen, Tzetzes· , oder Ge nimmtsie auf und verwandelt sie in den Baum, Hy-gin. ·, oder sie flüchtet zum Peneios und wirdauf ihr Flehen verwandelt, Ovid -, vgl. Philostra-tos. S. Müller Hdb. 362, 4. Helbig, Apollon u.Daphne , lih. Mus. 24, 251; Wcmdgem. n. 206ff.Preller-Plew 1,233f. Heydemann, Annali 1871,109. Engelmann, LützowsZtschr. 57,253. Vonder peloponnesischen Daphne (a und c) wirdnoch erzählt, dafs Leukippos, Sohn des Oi-nomaos von Pisa , sie liebte; um sich trotz ihrerSprödigkeit ihr zu nähern, kleidete er sichals Mädchen und gewann als Jagdgenossinihre Freundschaft; aber der eifersüchtige Apol-lon regt Daphne an zu baden, wobei Leukip-pos entlarvt und von den Mädchen mit ihrenJagdmessern und Speeren getötet wird, Paus.8, 20. Parth. Erot. 15. e) Daphne zu Del-phi habe Orakel geschrieben, denen Homer entlehnt habe; sie habe den Beinamen Si-bylle erhalten und sei die von den Epigo-nen aus der thebanischen Beute nach Del-phi geweihte Tochter des Teiresias gewesen(welche sonst Manto genannt wird), IHod.

4, 66. [v. Sybel.]

Daphnis (Αάφνις), 1) der Heros der Hirtenauf Sicilien und der Erfinder des bukolischenGesanges, dessen Lieblingsfigur er ist. Dio-den· der Siculer berichtet von seinem Lands-mann: Daphnis war der Sohn des Hermes, desHerdengottes, und einer Nymphe (vgl. Aelian .V. II. 10,18. Sen. u. Phüargyr. zu Verg. Bue.

5, 20 ; oder er war ein Liebling des Hermes,Aelian a. a. O. Schot Theohr. 1, 77). Er wargeboren in der herrlichsten Gegend von Sici-lien , in einem Thalgrunde der heräischenBerge, welche reich waren an Quellen süfsenWassers und gesegnet mit Reben und man-nigfaltigen Bäumen von der üppigsten Frucht-barkeit. Die Mutter gebar ihn in einem denNymphen geweihten Lorbeerhain (δάφνη), wes-halb er den Namen Daphnis (Lorbeerkind) er-hielt. (Oder die Nymphe hatte ihn nach derGeburt in einem Lorbeerhain ausgesetzt; Hir-ten fanden ihn und nannten ihn Daphnis,Aelian a. a. 0. Serv. Verg. Buc. a. a. 0.).Von Nymphen erzogen ward er ein Hirt,der grofse Rinderherden besafs (die Rinderwaren verschwistert mit den in der Odys-see genannten Rindern des Helios, Aelian.a. a. 0.) und diese (im Winter wie im Som-mer, fern von dem Verkehr der Menschen, aufden Bergen von Sicilien, bei Syrakus , an den

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Abhängen des Ätna , am Himerasflufs, Partfon.narr. am. 29. Theolir. 1, 67 f. 7, 74) mit Sotgifalt hütete. Deshalb nannte man ihn Αάφνιςb βονκόλος, b βούτας (die Rinderhirten bilde-ten die vornehmste Klasse unter dem Hirten-stande). Er ergötzte sich beim Weiden seinesViehs am Spiele der Syrinx, am Gesang unddem bukolischen Liede, das von ihm erfun-den ward und in Sicilien sich bis in späteio Zeiten erhalten hat (vgl. Theohrit. Id. 8. Sil.Ital. 14, 465 ff Sero. Buc. 5, 20). Diod. 4,84.Daphnis war ein Jüngling von reizender Schön-heit, so dafs alte Frauen ihn liebten; die Nym-phen und Musen, die segenbringenden Herden-götter Hermes, Pan und Priapos waren demschönen Sänger hold, Serv. Buc. 8, 68. Theo-hrit. 1, 81. 122. 141. 5, 80. Epigr. 3. AntfolPal. 7, 535. Pan ist als musikliebender Hirtund als Jäger mit Daphnis verbunden, dem20 auch dieser war als Hirt ein eifriger Jäger;er hat von Pan die Musik gelernt, Sen. Buc.5, 20. Anth. Pal. 6, 78. 177 ( Theohr. Epigr. 2),7, 535. 9, 341. 556. 12, 128. Mit Artemis , derJägerin, war Daphnis befreundet; er trieb siebmit ihr jagend in den Wäldern umher und er-götzte sie mit seiner Syrinx und seinen Liedern,Diod. 4, 84. Auch Apollon liebte den Jüng-ling, entweder wegen seiner musischen Künste(Sil. Ital. 14, 467), oder wegen Apollons Be-30 ziehung zum Lorbeer, Serv. Buc. 10, 26. Sowar Daphnis ein Liebling der Götter nrnlMenschen; aber'mitten in der Blüte des Lebensfand er den Tod. Die Hirten trauern um ihnund die Götter, deren Freund er war; estrauern Herden und Wild und die ganze Natur(seine fünf Hunde starben aus Trauer, Aelian .H. An. 11, 13. Tzetz. Cltiliad. 4, 201). DesDaphnis Leiden und Tod bleibt in Zukunft derhauptsächlichste Gegenstand des Hirtenlieds,40 Theohr. 1, 18. 63ff.; vgl. Vergil. Ecl. 5, 20ft(wo Daphnis den Iulius Cäsar bedeutet). DesDaphnis Leid war sprichwörtlich, Theohr. 5,20. Die Sagen von Daphnis drehen sich haupt-sächlich um sein Leiden und seinen Tod. Stt-sicheres von Himera in Sicilien ist der ersteDichter, der den Daphnis in die Litteratur ein·geführt hat ( Aelian. V. II. 10, 18); er mochteden Gegenstand aus den Gesängen der Hirtenam Himeras kennen gelernt haben. Ohne Zwei·50 fei haben wir bei Aelian a. a. 0. die Formder Daphnissage, wie sie Stesichoros erzählthat: der schöne Daphnis gewann, als er ebenin die Blüte des Jünglingsalters eintrat, dieLiebe einer Nymphe, und sie schlofs mit ihmeinen Vertrag, dafs er keiner andern Jung-frau.naben dürfe, mit der Drohung, er werdeim Übertretungsfall das Augenlicht verlieren.

, Daphnis blieb lange treu, bis eine Königstoch-ter ihn durchWein berauschte und zum Treu-co bruch verleitete. Die erzürnte Nymphe ließihn blind werden (denn der Göttinnen Gunstbindet streng, und ein einziger schuldiger Augen-blick kann den Sterblichen aus seinem Him-mel herauswerfen. Welcher. Vgl. das Ge-schick des Rhoikos, Schot Ap. lih. 2, 477).Seitdem, sagt Aelian , gab es Hirtengesang, unddessen Inhalt war das Leiden, die Erblindungdes Daphnis; und die Erstlinge dieser Sanges-