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Erster Band, erste Abteilung. Aba - Evan.
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1311-1312
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1311 Erinys (Naturbedeutung)

Gewölk schreitende, woran sich als gleich-bedeutend das äschyleische ysXavaiyCg ( Sept.699) und pigiaidie in Morgennebel gehüll-ten ( Orph. Hymn. 68, 9) anschliefst. IhrWesen ist den Harpyien verwandt, mit wel-chen sie die delphische Priesterin Atsch. Eum.50 vergleicht: Die Brinyen raffen den, welchensie verfolgen, durch die Lüfte fort (^vvagna-£ovai Soph. Ai. 840), als äfiaLyänszaL koqco,heftig rasende (Soph. 0. 0. 127), so dafs erverschwindet, Flut, de sera num. vind. 22;riQnctGav boutxi EvysviScov Nonn. Dion. 10, 32.Verg. Aen. 3, 252 nennt die Harpyie Kelainogeradezu Furiarum maxima. Deshalb heifsensie dieSchnellen (xa%siai Soph. Ai. 843)und dieLäuferinnen SgogäSsg (Eur. Or. 317.837). So ist es also das Bild der ungestümdaherfahrenden dunklen Wetterwolke,welches der Gestalt der Erinys zu Grundeliegt. Hieraus erklärt sich auch die ihr vonspäteren Dichtern zugeschriebene Eigenschaft,oft und rasch ihre Gestalt zu wechseln (Verg.Aen. 7, 238: tot sese vertit in ora ); in dem or-phisclien Hymnus 68 heifsen sie aioXofiogcpoiund nolvfiogcpoi und bei Nonn. Dion. 32, 100TtoLntXoyoQcpoi, Ausdrücke, die offenbar an ältereVorstellungen anknüpfen, Aus der Schnellig-keit der Bewegung der Wolken bildete sichdie Vorstellung von Wolkenfrauen, dieweit-ausschreitend (TßviSTrodss Soph. Ai. 837) sichdurch den hohen Äther schwingen (Eur. Or.322), um über Land und Meer den Frevler zuverfolgen, schneller als das Schiff (Aesch . Eum.250), und von oben herabspringend sich aufihn zu werfen, Eum. 369. Eur. Or. 257.Apollon . Rhod. 2, 220 in ocpö'uXyoiaivEgivvgXalg inißrj von Phineus, der dadurch geblendetwird, Verg. Aen. 12, 855 celeri ad terram tur-hine fertur. Da sie in dunkler Wolke dahin-fahren, sind sie schwarz (yiXaivai ig zo navAesch. Eum. 52), sowohl an Hautfarbe (gsXay-XQcäzsg Eur. Or. 321; %Q<äxa mXcuvcii Eur. El.1345; vgl. Orph. Hymn. 69, 6 und unten: Erinys in der Ifunst) als an Gewändern (fpaio%izcavsgAesch . Oho. 1050), daher das stehende BeiwortyiXaiva, Aesch. Sept. 977 , atra Ovid Her. 11,103; zugleich aber auch wie die Wolken selbstund andere Wolkengottheiten (vergl. Roscher,Gorgonen S. 89. 98) beflügelt, was VergilAen . 7, 408 in schönem Bilde vereinigt, wenner von der Erinys sagt: fuscis tollitur älis,wie auch aus seinem Ausdruck ventosas alas(12, 848) die Naturbedeutung hervorleuchtet.Aischylos zwar, der sie in seinenEume-niden nicht mit Flügeln auf die Bühnebrachte, nennt sie anzsgoi (Eum. 51. 250),Euripides dagegen, bei dem sie nicht selbstauf der Bühne auftraten, nzegotpogoi (Or.317. Iph. T. 289); so auch in der Kunst(s. unten), besonders auf den Vasenbildern.Aber noch ein anderer Zug ihrer Naturseitescheint hierher zu gehören. Aischylos schreibtihnen einen unnahbaren giftigen Hauch (ounXazoiei tpvewyaei Eum. 53) und einen gifti-gen Geifer zu, den sie auf das Land träufelnlassen und woraus Flechten, Mifswachs undKrankheit entsteht (Eum. 78 2 ff.), der die Keimeder Saat abfrifst (ib. 802). Daher gilt auch

Erinys (Naturbedeutung) 1312

bei Späteren die Erinys für die Urheberin vonKrankheit und Sterben der Völker, Verg. Aen,12, 851; 7, 455. Stat.Tlieb. 1,108; denn, sagtder letztere (1, 106) von ihr:sie gleifst vonGift und Geifer; (vgl. Verg. Aen. 7, 341 f);und Ovid Met. 4, 504 läfst Tisiphone in einemHexenkessel Gift kochen. Mifswachs und Seu-chen entstehen nach häufig vorkommender An-sicht der Alten aus böser Luft, die sich z. B.nach der Vorstellung des Lucretius 6, 1119nebel- und wolkenartig (ut nebula ac nuhes)über das Land verbreitet. In der deutschenMythologie ist es vielfach beglaubigt, dafs inmanchen Gegenden aus schädlicher Ausdün-stung die Sage vom giftigen Pestdrachen ent-standen ist, der in Nebelgestalt (auch alsschwarzer Nebel) erscheint, Menschen und Tierevergiftet und den Pflanzenwuchs vernichtet;vgl. Laistner, Nebelsagen S. 8086. 266. Dieslavische Sage enthält sogar (ebendas. S. 86)ganz dieselbe Vorstellung vom giftigen Haucheiner Seuchen und Mifswachs bringenden weib-lichen Nebel- und Wolkengottheit.

Vornehmlich ist es aber die in Blitz undDonner sich entladende Gewitterwolke,von welcher die Gestalt der Erinys ihre her-vorragendsten Züge erhalten hat, die sie zujener furchtbaren, schreckenerregenden Gott-heit machten. Deshalb werden sie in Aischy-los Eumeniden zur Veranschaulichung ihreräufseren Erscheinung von der delphischenPriesterin nicht blofs mit den Harpyien, son-dern auch mit den Gorgonen verglichen (Eum.48. Cho. 1048), welche, wie Roscher a. 0. er-wiesen hat, Gewittergottheiten waren. Alssolche zeigen sie sich auch im einzelnen. BeiAischylos (Eum. 139) fordert KlytaimnestrasSchatten die Erinyen auf Orestes zu verzehrenmit dem feurigen Hauch, der aus ihrem Innernhervorbricht. Es sind also feuerschnaubendeGottheiten, wie sie auch Quint. Smyrn. 6 , 33nennt: oXoolo nvgog ηνείονβαι άνζαην ; vergl.Stat. Theb. 1 , 107 igneus atro ore vapor, unddenselben Sinn hat es, wenn bei Quint. Smyrn.8, 242 Erinys von Boreas die feuerschnauben-den Rosse Aithon und Phlogios gebiert. Aberauch aus ihren Gewändern sprüht Feuer (hχιζώνων nvg nviovaa Eur. Iph. T. 288), ausihren Haaren (ignem flammeae spargant comaeSen. Here. f. 87, daher ist sie flammifera ib. 987).Dafs mit dem Feuer, das ihnen aus dem Munde,den Haaren und Gewändern sprüht, der ausder dunklen Wetterwolke hervorbrechende Blitzgemeint ist, liegt auf der Hand. Dafs aberauch der furchtbare Gorgonenblick, den ihnenEurip. Or. 261 ( γοργώηες ) zuschreibt, auf denBlitz zu beziehen ist, liefse sich schon auseben derselben Bedeutung des Flammenblicksbei den Gorgonen und andern Gewittergott-heiten sekliefsen (Roscher, Gorg. 7lff·), wirdaber überdies noch durch einen unzweideuti-gen und gewifs altertümlichen Ausdruck desorphischen Hymnus an die Eumeniden (69, (!)bestätigt: άηαβζράπζουααι an οσαων Βεινψάνζανγή φάεος σαρκοφ&όρον αΙ'γΧην, worinbesonders άβχράηχεινblitzen zu beachtenist; vgl. Roscher, Gorg. 64. Auch βΧοσνρωπι;wird von der Erinys (Quint. Smyrn- 8, 243)