peitsche ist aber die, dafs sie den Getroffenenin Wahnsinn versetzt. Nonn. Dion. 21,106berichtet, die Frauen von Ny-sa hätten, vonMegaira mit Geifselhieben geschlagen, wieStiere gebrüllt und dann im Wahnsinn ihreeigenen Kinder getötet; durch dieselbe (32,100) versetzt die Erinys den Dionysos in bak-chischen Wahnsinn. Dieselbe Wirkung wirdder Schlange der Erinys zugeschrieben. BeiVerg. Aen. 7, 346ff. versetzt Alekto die Amatadadurch, dafs sie ihr eine ihrer Schlangen inden Busen schleudert, in Wut und Wahnsinn.Dasselbe erzählt Ovid Met. 4, 491 von Tisi-phone. Dieselbe Wirkung hat auch der Sta-chelstab, das KbVTQOv, welches die Erinys als Saeulytig „die Harttreffende“ (bei Homero 234) ebenso wie die aufs engste mit ihrverwandte Lyssa führt, vgl. Stephani, Nimbusund Strahlenkranz S. 69. Es ist, um DiltheysWort zu gebrauchen ( Arch. Ztg. 31, 86), „je-nes uralte, oft mit wundervoller Gewalt ver-wendete Bild für die Verwirrung des Gemüts,welche die Götter im feurigen Strahl aus derHöhe senden“. Gewifs mitBecht fafst Diltheydie Geschosse in der Hand der Erinys eben-so auf. Dieselben werden in der Litteraturwenig erwähnt, vgl. Eurip. Or. 274 und Orph.Arg. 872 Pfeile, und Mosch. 4, 14 ’Eqivvog aivaßdXsyva. In der bildenden Kunst kommen sieöfter vor: Lanzen, Schwerter, auf römischenSarkophagen auch Doppeläxte, vgl. Rosenberg,die Erinyen Berl . 1874 S. 85. Ob die speer-artige Waffe im einzelnen Fall Lanze oderm ivzQov zu nennen ist, worüber bei einer Reihevon Vasenbildern die Ansichten auseinander-gehen [vgl. Rosenberg S. 66 — 68 (Lanze) mitKörte, Personifikationen S. 23—29 und Diltheya. a. 0. S. 88 (Kentron)], macht somit keinenUnterschied in der Bedeutung aus. Schwerlichhaben jedoch die Künstler noch jenen ursprüng-lichen Sinn damit verbunden; sie·wollten wohlnur die Tod und Verderben bringende Göttindamit bezeichnen.
Aber noch auf andre Weise läfst der Mythosdie Erinys als donnernde Gewittergottheit er-kennen. Wenn Nonn. Dion. 21, 106 erzählt,dafs die Frauen von der Peitsche der Erinys getroffen wie Stiere brüllten (iyvm \eavro),so ahmten sie damit nach einer in der Mytho-logie häufigen Übertragung nur das eigeneThun der Erinyen nach. In Euripid . Iph. T.glaubt Orestes die Erinyen, die er nicht sieht,im Brüllen der Rinder und im Bellen derHunde zu vernehmen, weil man den Erinyensolche Laute zuschrieb (v. 294). Dafs Rinder-gebrüll ein häufiges Bild für den Donner istund besonders dafür fivxäa&ai gebraucht wird,hat Roscher, Gorg. S. 85 nachgewiesen, eben-so (S. 96), dafs das Brüllen auch andern Ge-wittergottheiten nicht blofs in der griechischenMythologie zngeschrieben wird. Somit bedeu-tet die sgißgoyos ’E. in den orphischen Hym-nen (68, 1), nach Analogie von Zsvg vipißge-fidrrjs, die laut Donnernde.
Auf einen andern Zusammenhang führt dasHundegebell. Im Eingang von Aischylos'Eumeniden bellen die Erinyen im Schlaf wieHunde, so dafs Klytaimnestra (v. 131) zu ihnen
sagt: οναρ διώκεις &ήρα, χλαγγάνεις δ’ άπιρκνων, wie überhaupt in dem ganzen Stück dieVerfolgung des Orestes durch die Erinyen unterdem grofsartigen Bild einer Jagd aufgefafstist. Der Verfolgte ist das Wild: οίχε-ιαι o&ήρ und άγραν ωλεβα rufen (v. 147. 148)die Erinyen klagend aus; auch bei Eurip.Or. 836 heifst Orestes Ενμενίαιν &ήραμα. So-mit ist das Amt der Erinyen das εκκννψi γετεΐν ( Aesch . Eum. 231), das Aufspüren undJagen; wie der Hund der Fährte des Rehs,so gehen sie der blutigen Spur des Flüchtigennach (v. 246); sie suchen ihn mit Netzen zufangen v. 112. 146. Als Jägerin heifst dieErinys bei Nonn. Dion. 32, 100 εν ονρεσι φοι-τάς. Dem entspricht auch die Darstellung derErinys in der Kunst (s. unten).
Aber nicht blofs zur Vergleichung mit denErinyen werden die Hunde beigezogen, son-i dern mit kühner Metapher werden die Eri-nyen selbst Hunde genannt. Aischylos nennt sie, sofern sie die Mutter an dem Sohnzu rächen haben „der Mutter grimmige Hunde“(Oho. 924. 1054); ebenso 925 πατρός; Soph.El. 1387 „die dem Frevel nachspürenden, un-entrinnbaren Hunde“; Euripides El. 1342 undauch Aristophanes nach einem Tragiker „desKokytos spürende Hunde“ Ran. 472. Aischy-los führt dieses Bild weiter aus zur Veran-schaulichung der unbarmherzigen Verfolgungder grimmigen Göttinnen: sie schlürfen alsHunde das Blut des gehetzten Wildes (Eum.183), und zwar ans den Gliedern des nochLebenden (ib. 264. Ag. 1189). Όβμη βροτείωναιμάτων με προογελα ruft blutdürstig dieErinys aus, Eum. 254. Diese Auffassung derErinys ist den älteren Tragikern eigentümlichund von den Späteren (aufser Lucan. Phars.6, 733 Stygiae canes) nicht nachgeahmt.
Da die Erinyen Wolkenfrauen sind, so istunter der Jagd, in der sie als Jägerinnen oderals Hunde auftreten, die Jagd der dahin-stürmenden Wolken zu verstehen. Dafsder Gestalt der Erinys die Vorstellung derwilden Jagd, des wütenden Heers zugrundeliegt, geht aus dem Bisherigen deutlich genughervor und ist auch schon mehrfach, wennauch ohne Beweis, ausgesprochen worden, vgl.Schwartz, Poetische Naturanschauungen 2, 7.154 und Dilthey, Arch. Ztg. 31 S. 91, welcherauch (Rhein . Mus. 1870 p. 331 ff.) nachgewie-sen hat, dafs dem klassischen Altertum die Vor-stellung der „wilden Jagd“ keineswegs fremdwar. Auch die Gestalten der wilden Jagd sindaus den vom Sturm gejagten, dunklen Wet-terwolken hervorgegangen (Grimm, Mythfi 899),auch hier erscheinen die wilden Frauen mNebelgestalt (Laistner, Nebelsagen 285). Mitdenselben Zügen, oft mit denselben Ausdrückenwird das Treiben und Jagen dieser Gestalten„über Wasser, über Land“, „hoch in der Luft“(Grimm 877. 897. Mannhardt, Germ. MyA-262), ihr Herabstürzen auf die Schuldigen(Grimm 873 f. Jjaistner 260. Mannhardt 276),ihre schwarze Farbe, die mancherlei Feuerer-scheinnngen, besonders auch an Hunden undRossen (mit Beziehung auf den Blitz, Mann-hardt 302. 721) hervorgehoben. Den Erinyeni