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Erster Band, erste Abteilung. Aba - Evan.
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1317-1318
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1317 Erinys (Naturbedeutung) Erinys (Naturbedeutung) 1318

die als Hunde gedacht werden, entsprecheninsbesondere die Jägerinnen der wilden Jagd,die in Hündinnen verwandelt werden (Grimm877), wie auch Holda und der wilde Jäger selbstals Hunde den Zug anführen und die Kinderdes letzteren in Hnndegestalt erscheinen, Mann-hardt, Germ. Myth - 96. 300. 711. Dies allesweist auf uralte Verwandtschaft der Anschau-ungen.

Anders, aus einer nur durch die Laute der ioSprache erzeugten Übertragung erklärt Dilthey (a. a. 0. S. 83) diese Identificierung, indemder Hund vermöge der radikalen Metapherzum Sinnbild des Lichtes geworden und inκύων eine Wurzel dieser Bedeutung enthaltensei, weshalb die Erinyen wegen ihrer feurigenNatur Hunde genannt würden.

Die griechische Έριννς ist nach Kuhn,Ztsch. f. vergl. Spr. 1, 439ff. sprachlich iden-tisch mit Saranyü, der indischen Göttin, 20welche nach Kulm und JRoth, Zeitschr. d. d.morgenländ. Gesellsch. 4, 417 ff. die stürmischeWetterwolke bedeutet, somit auch im Wesenihr entspricht. Έριννς = saranyü heifse dieeilende, εριννειν, wovon Paus. 8, 25, 4 dasWort ableitet,eilen, stürmen, zürnen. Kulmsucht dazu noch eine Übereinstimmung in denMythen der indischen und griechischen Göttinnachzuweisen, welche sich jedoch mehr auf dieDemeter-Erinys bezieht. Max Müller , Sprach- sowissenschaftl. Vorles. v. Böttger 2 2, 516 ist mitder, auch von Gurtius, Griech. EtymA S. 346angenommenen, NamensidentitätΕριννρ =Saranyü einverstanden, möchte aber der Sara-nyü (und Erinys ) die Bedeutung der Morgen-röte verleihen (vgl. auch Essays herausg. v.Franclce 2 2 , 138). Die sprachliche Identitätist ziemlich allgemein zugegeben , auch vonMannhardt, der die sachliche Übereinstim-mung bestreitet ( Mytholog. Forschungen, in 40Quellen u. Forschungen, Heft 51, 1884 S. 244 f.).Beachtenswert dagegen ist, dafs Saramä dieGötterhündin, welche Kuhn (Haupts Ztschr. 6,116ff.) der Hündin der wilden Jagd gleichstellt,sprachlich mit Saranyü aufs engste verwandtist.Die Wurzel beider, sagt Kuhn S. 131,ist sr ire, adire; Saramä heilst die wandelnde,während Saranyüs die das Wandeln liebendeist. Folglich steht die Götterhündin Saramäebenso in nächster Beziehung zur Wetterwolke 50Saranyü, wie die griechische Έρινν g geradezuin Hundegestalt gedacht wurde, ein Umstand,der Kuhn entgangen zu sein scheint. [Inbe-treff der Demeter Erinys s. Persephone undvergl. Mannhardt, Myth. Forschungen 1884.244 ff. Roscher.]

Wenn aber auch die Thätigkeit der Erinys ursprünglich in die Luftregion fällt, so weistihr der Mythos doch die Unterwelt alsAufenthalt und Heimat an. So hört sie 60schon bei Homer vom Erebos aus (I 572 JijΕρίβισφιν) , wenn man sie anruft, und auchnach T 259 ist ihr Aufenthalt υπό γαΐαν.Ebenso bei Aischylos , welcher geflissentlichdie Dunkelheit des Aufenthalts hervorhebt,Eum. 72: σκόταν νεμονται Τάρταρόν υπόχ&ονός; ib. 395. Deshalb heifsen sie die unter-irdischen Göttinnen κατά χ&ονός 9εαί ib. 115.

Soph. O. C. 1568 %&όνιαι, C. I. Gr. 916; beiEurip. Iph. T. 286: "AiSov δράκαινα. DieselbeBedeutung hat wohl der Ausdruck δεινοΐςκρυπτόμενα λόχοις (Soph. El. 490), doch könnteman es auch in dem von Dilthey , Archäol.Ztg. 30, 93 nachgewiesenen Sinn von μυχοί =Wolkenhöhle nehmen, da sie im orpbischenHymnus 68, 3 μνχιαι heifsen und in der Tiefein Nebelhöhlen wohnen: ννκτεριαι , μνχιαι , υπόκευ&εαιν οικι εχονσαι | άντρφ εν ηερόεντι,παρά Στνχος ιερόν ύδωρ. Von den römischenDichtern werden sie mit Vorliebe unter denSchrecknissen der Unterwelt aufgeführt, dortin den infernac tenebrae ( Verg. Aen. 7, 324),sind die ferrei Eumenidum thalami ib. 6, 280.Stat. Theb. 1 , 597.

Die Beziehungen der Erinyen zurUnterwelt sind mehrfacher Art. Einmal lei-tet die Vorstellung der dunklen Gewitterwolkeunmittelbar durch den Begriff der Finsternisauf die Unterwelt, wie bei der Gorgo (1loschen,Gorg. S. 28). Namentlich aber vollzieht sichdiese Verbindung von Vorstellungen durch dasDazwischentreten des Begriffs des Todes undTodbringenden. Wie sich aus der schwarzenGewitterwolke, welche die Menschen dahinrafftoder sich jäh auf sie herabstürzt, das Bild vontod- und verderbenbringenden Gottheiten ent-wickelt, haben wir oben an der Erinys wahr-genommen. Derselbe Zusammenhang von Vor-stellungen wiederholt sich, wie Mannhardt,Germ. Mythen S. 577 ff. einleuchtend dargethan,in der Mythologie anderer Völker:der Glaubean die tötenden Wolkenfrauen dürfte schon indie gemeinsame indogermanische Urzeit hinauf-reichen (S. 584). Dafs aber Todesgöttinnender Unterwelt angehören, versteht sich fürdie griechische Anschauung von selbst. Auchmag hier kurz darauf hingewiesen werden,dafs die den Erinyen entsprechenden Hundeder wilden Jagd ebenfalls (Kuhn, HauptsZeitschr. 6, 132. Mannhardt a. a. 0. 301) aufdas Totenreich zurückführen, da sie SeelenVerstorbener darstellen, die im Wind als Hundedahinfahren, und dafs die Vorstellung der imwilden Heer dahinjagenden Seelen der Abge-schiedenen auch für das klassische Altertumnachgewiesen ist, s. Dilthey, Bhein. Mus. 1870S. 332. Endlich kommt die Versetzung derErinyen in die Unterwelt auch von der Be-ziehung dieser Nebel- und Wolkengottheitenzur Erde. Schon im Altertum findet sich dieAnsicht, dafs die Wetterwolken aus der Erdeemporsteigen (Roscher, Gorg. S. 22), und diedeutsche Mythologie lehrt, dafs gerade dieaus der dampfenden Erde emporsteigendenNebel am meisten zur Bildung mythischer Ge-stalten Veranlassung geben (Laistner a. a. 0.101. 119. 140. 164), weshalb man sich auchleicht solche Nebelfrauen als unter der Erdewohnend dachte (ebendas. S. 139). Deshalbheifsen die Erinyen auch die Töchter der Erde.Schwarte spricht in seinen Schriften nicht mitUnrecht von einer Unterwelt am Himmel undmeint (Poet. Naturansch. 2, 113), die chthoni-schen Gottheiten der Griechen, wie Hekate ,Erinyen, Hades u. a. seien nichts anderes alsam Himmel heraufziehende Gewitterwesen.

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