1393
Euan
Euandros
1394
Vereins f. Nass. Alterthumskunde (Wiesbaden )1859. Bd. 6._ p. 5 ff. [StolL]
Euan ( Ενάν, Ενας, Evan, Euhan, vgl. Etym.
Μ. 391,15. 553, 47 und Hesych.), Name des Dio-nysos, nach dem bei seinen Festen üblichenJubelrufe ενάν ( Eur. Tr. 325) gebildet, welchesaber schwerlich, wie Hesych. behauptet, einindischer Name des Epheu sein dürfte. Lucret.
5, 741 (Euhius Euan); Evan: Ovid . M. 4, 15.Stat. Silv. 1, 2, 17, 133. 1, 5, 3. 2, 7, 7. 4, 2, 1049. 4, 3, 155. 5, 3, 6. Theh. 2, 616. 5, 94, 496,'675, 712. Semeleius Evan: Stat. Silv. 1, 2,220. Inschr. aus Puteoli C. I. L. 10, 1948(superbus Euhan). [Steuding.]
Euandre (Ενάνδρη), Amazone, Gefährtin derPenthesileia, Quint. Smyrn. 1, 42. 254.
[Klfigmann.]
Euandros (Ενανάρος), 1) Sohn des Sarpe-don I, König in Lykien , Gemahl der De'ida-meia, der Tochter des Bellerophontes, und 20Vater des jüngeren Sarpedon , der alsBundesgenosse der Troer am trojanischenKrieg teilnahm J)iod. 5, 79. — 2) Sohn desPriamos, Apollod. 3, 12, 5, 9. Dict. 3, 14. —
3) Angeblich ein Arkadier, der eine pelas-gische Kolonie von Pallantion in Arkadien nach Italien führte und die erste ausländischeAnsiedelung an der Stelle des nachmaligenliorn auf dem Palatin gegründet haben soll.Stellen über diese Niederlassung: Dionys. 30Hai. 1, 31 — 33. 40. Liv. 1,5. 7. Iustin. 43,
1, 6. Dio Cass. frg. 3 ( Mai Spicil. Iiom. 5,p. 464). Varro L. L. 5, 21, 53. Strab. 5, 3,p. 230. Paus. 8, 43, lffi 44. Ου. Fast. 1,471ff. Verg. Aen. 8, 51ff und Serv. z. d. St.Solin. 1, 14. Eustaih. in Dionys, v. 347.Mythogr. Vat. 1. fab. 70. 2. fab. 153. Hygin.fab. 277. Als Vater des Euandros wird ge-wöhnlich Hermes angegeben, als Mutter einearkadische Nymphe, der Weissagung mächtig, 40Tochter des Ladon, deren Name zwischenCarmenta, Themis, Nikostrate und Tyburtisschwankt, Paus. a. a. O. Flut. Quaest. Bom.
56. Serv. Verg. Aen. 8, 336. Dion. Hai. a.a. 0. — Servius z. Verg. Aen. 8, 130 nennt ihneinen Sohn des Echemos von Tegea und derTimandra, Tochter des Tyndareos u. der Leda .Wie über seine Abkunft schwanken somit dieAngaben über seine Heimat zwischen Pallan-tion und Tegea, sowie über die Veranlassung 50seiner Auswanderung. Diese erfolgt entwederfreiwillig, d. h. infolge eines Volksaufstandes,iiach dessen unglücklichem Ausgang Euandrosdie Auswanderung vorzog (Dionys.), oder weiler auf Anstiften seiner Mutter seinen Vaterermordet "hatte (Serv. z. Verg. A. 8, 51). Auchseine Mutter soll er ermordet haben. NachDionysius erfolgte die Auswanderung ungefährsechzig Jahre vor dem trojanischen Kriege.Bald erscheint dieselbe nur als solche von sozwei Schiffen (Iustin. 43, 1: cum mediocri turbapopularium), bald als förmliche Flottenexi^edi-tion unter Führung des Catillus (Solin . 2, 8:„conditum est Tibur, sicut Cato facit testimonium,a Catillo Arcade,- praefecto classis Evandri' 1 ).Dem entspricht auch die verschiedene Auf-nahme, welche die Kolonie findet. Euandroslandet am linken Tiberufer an der Stelle des
nachmaligen Eom und wird nun entweder vonFaunus, dem König der Aboriginer, freundlichaufgenommen (Dion.), oder er mufs sich denPlatz zur Ansiedelung von Herilus (od. Erulus;s. d.); dem König von Präneste erkämpfen, Verg.Aen. 8, 562 und Serv. z. d. St. Der Hügelaber, auf dem er sich ansiedelte, soll von derarkadischen Heimat Pallantion den NamenPalatium erhalten haben, Paus. a. a. 0. Überdie verschiedenen Ableitungen des NamensPalatium s. A. Bormann, Kritik der Sage vomKönige Euandros , Halle 1853, S. 2f.
Die Sage macht den Euandros zum Stifterbesserer Gesittung in diesen Gegenden: erbrachte die Kenntnis der Buchstabenschriftmit, oder erlernte sie selbst erst von Herakles bei dessen Ankunft in der Gegend (Flut.Quaest. Bom. 56. Dionys. 1, 33. Liv. 1 , 7.Tac. Ann. 11, 14. Hyg. fab. 277) und lehrtedie Bewohner den Gebrauch musikalischer In-strumente (Lyra, Triangel , Flöte), sowie nütz-liche Gewerbe. Insbesondere wird ihm auchdie Einführung mehrerer arkadischer Kulte zu-geschrieben, der Demeter, des Poseidon (Nep-tunus Equester, dem zu Ehren die Consualiengefeiert wurden, Dionys. 2, 31. Liv. 1, 9, derNike-Victoria, Tochter des Pallas, Hes. Theog.383ff.), des Herakles und des LykäischenPan. Die Stiftung eines Kults des Herakleswird von einigen diesem selbst zugeschrieben:aus Veranlassung seines Sieges über Cacus,den Unhold, welcher die Tibergegend unsichermachte, soll Herakles dem Zeus auf der Stelledes Forum boarium einen Stier geopfert, denEuandros und die Umwohner dazu geladenund auf die Weissagung der Carmenta vonseiner nahe bevorstehenden Apotheose sichselbst die ara maxima errichtet haben, Ov.Fast. a. a. 0. Den Opferdienst an diesem Altarhabe Euandros den beiden hervorragendstenGeschlechtern der Potitier und Pinarier über-tragen. Dem Lykäischen Pan = Lupercusweihte Euandros das Lupercal (lustin. a. a. 0.)am Fufse des Palatin (Verg. Aen. 8, 344 undServ. z. d. St.), erx-iehtete ihm daselbst einenAltar und stiftete ihm zu Ehren das Fest derLykäen = Lupercalia, Liv. a. a. 0., das am15. Februar stattfand.
Später, als Aneas (s. d.)nacli Italien kam, be-gegnete ihm Euandros freundlich und verbandsich mit ihm gegen die Latiner (Verg. Aen.8), sein Sohn Pallas fällt in diesem Krieg,'wird aber von Äneas gerächt. Als Töchterdes Euandros werden genannt Rhome undDyne (Aen. 8, 575. Serv. z. Verg. Aen. 1 , 277.Dionys, a. a. 0.; doch ist wohl Αννα identischmit Aavva Dion. 1 , 43 und so zu korrigieren;s. Bormann S. 6, Anm. 7).
Endlich erhielt Euandros selbst göttlicheVerehrung in Rom am Aventin bei der PortaTrigemina Dach Dionys. 1, 32, und obwohl diesdie einzige Nachricht hierüber ist, liegt dochkein Grund vor, an der Richtigkeit dieser An-gabe zu zweifeln. Auch in Pallantion inArkadien genofs er mit seinem Sohne Pallas ineinem Tempel göttliche Verehrung, in wel-chem beider Bildsäulen von Marmor aufgestelltwaren, Paus. 8, 44, 5.