1395 Euangelus
Es giebt nicht leicht eine Sage, an welcher«las Gemachte, sozusagen Erzwungene, soaugenfällig heraustritt, und welche die Kritikso laut herausfordert, wie die vorliegende.Einen historischen Kern wird man vergeblichin derselben suchen, um so leichter dagegenden Zweck aufzeigen können, dem sie ihreKonstruktion verdankt. Diebuhr hat in Eu-andros nur eine Gestalt des Latinus erkennenwollen, Bormann sieht in ihm das durch einefalsche Ableitung des Cacus von nazog sichnahelegende Gegenbild des „guten“ Mannes undbemüht sich in anerkennenswerter Weise dieZeit und Art der Entstehung dieser Sage auf-zuzeigen; Schwegler, Rom . Gesch. 1 , 354 — 383hat dieselbe wohl am schärfsten zergliedert undkommt zu dem Resultat, dafs Euandros keinanderer als Faunus (s. d.) Lupercus selbst ist.Abgesehen davon, führt er aus, dafs die Zeu-gen um ein Jahrtausend jünger seien, sprechengegen die arkadische Kolonie auch sachlicheGründe, namentlich sei eine überseeische Aus-wanderung eines so völlig im Binnenlandwohnenden Volkes, wie der Arkadier, ganzundenkbar. Die kulturhistorischen Berührungs-punkte zwischen Arkadien und dem ältestenLatium erklären sich nicht aus einer Kolonie,sondern aus der ursprünglichen Stamm-verwandtschaft der betr. Bevölkerungen. DerMythos von der arkadischen Einwanderungverdankt seine Entstehung dem Bedürfnis derRömer, alles Gemeinsame, was ihnen bei Ver-gleichung hellenischer und latiniseher Ge-bräuche aufstiefs, für ein von den FremdenÜberkommenes und Entlehntes anzusehen.Identisch sind nun die latinischen Luperealienmit den griechischen Lykäen. Das Heiligtumdes Faunus Lupercus haftet am Palatin , folg-lich läfst die Sage den Euandros gerade amPalatin sich ansiedeln. Euandros aber wirdder Ansiedler genannt, weil Euandros diegriechische Übersetzung von Faunus = Favinus„der wohlwollende“, der „gute Gott“ ist, wieFauna auch Bona Dea heifst. Dem Faunusaber entspricht auch der griechische Pan , dergleichfalls den Namen des „guten Gottes“ ge-fühlt zu haben scheint. Eine Reihe bestätigen-der Momente läfst sich aufzählen. Faunuswird ein Sohn des Hermes genannt {Blut.Baratt. 38), wie Euandros und Pan . Der gast-liche Wirt des Hercules ist bald Faunus {Blut.a. 0.), bald Euandros. Die Jungfrau, die vonHercules einen Sohn gebiert, heifst bald Toch-ter des Faunus {Iust. a. 0.), bald des Euandros{Dionys. 1 , 32). Aus alledem ergiebt sich, dafsjener Euandros, der den Kult des Faunus Lu-percus stiftet, eben Faunus selber ist; und diesist nicht befremdlich; auch Herakles stiftet jaseinen Kultus samt der Ara Maxima selber.Dies die Kritik und Erklärung Schweglers, gegen«lie sich wohl wenig wird einwenden lassen.Zu erwähnen ist noch Boules, Faune, fonda-teur du culte religicux, explication de deuxbasreliefs, Melanges fase. 5, 1846.
[Weizsäcker.]
Euangelus {EvayyeXog?), ein Hirt, der unterdiesem Namen zu Ephesos heroische Verehrunggenofs, weil er beim Baue des Artemision
Eubule 1396
einen Bruch ausgezeichneten Marmors entdeckthatte, Vitruv . 10, 7. [F. A. Voigt.]
Euantlie {Ενάν&η) , 1) Name einer Beglei-terin des Theseus beim Erlegen des Minotau-ros: C. I. Gr. 8139. Jahn, Beschr. d. Vasen-sammlung in München 333. — 2) s. Euadne 1u 5. [Roscher.]
Enanthes (Evan&yg), Vater des Apollon-priesters Maron von Ismaros, Dom. i 197.Schon die alten Erklärer fanden in dem Fehleneiner Erwähnung des Dionysos eine Abwei-chung der homerischen Sage von der späteren,vgl. d. Schol. dazu; später galt Euanthes alsder Sohn des Dionysos und der Ariadne, Ionb. Baus. 7, 4, 6, korrigiert von Osann, Bhein.Mus. 3 S. 242 aus Schol. Ap. Iihod. 3, 997.Theon ad Arat. Bhaen. 638. Barthen. er. 20.
[F. A. Voigt.]
Euarete (E ναρέτη), Tochter des Akrisios,Gattin des Oinomaos, Hyg. fab. 134.
[F. A. Voigt.]
Euarne {Ενάρνη), eine Nereide, Des. Theog.259, ähnlich der Okeanine Melobosis. Schü-mann Opusc. Ae. 2, 169 (Agnipasca). Bram,Gr. Götterl. § 88. Bretter, Gr. Myth. 1, 456.
[Stoll],
Eubios ( Evßiog ), 1) Sohn des Dymas und derPeriboia, Brudes des Keltos, wird von Neopto-lemos im Kampfe vor Troja getötet, Quint.Smyrn. 7, 611 ff. — 2) ein Nachkomme desAiakos, Sohn des Pielos, Vater des Nessos,welcher unter den Ahnen Alexanders d. Gr.aufgeführt wird, Jul. Valer. res gestae Alex.Mac. 1, 58. [Steuding.]
Euboia {Εύβοια), 1) Tochter des Asterion(s. d.), Schwester der Akraia und Prosymna(s. d.); vergl. nr. 5. — 2) Tochter des Aso-pos, von welcher die Insel Euboia den Namenhaben soll; Geliebte des Poseidon, Denn.' 42,411. Fust. 278, 30. Steph. Byz. s. v. ’Aßanitund Evßoia. Scymn. 570. Strabo 445. Etyn.Magn. Evßoia (Mutter des Tychios? Desyeh.).— 8) Tochter des Thespios, Mutter desOlympos, Apollod. 2, 7, 8. — 4) Tochter desLarymnos, die mit Polybos, Hermes’ Sohne,den Glaukos zeugte, Athen . 7, 296 b. — 5) Ammeder Hera, wohl identisch mit no. 1. Etym. M.388, 56. Blut. qu. com. 3, 9, 2. — 6) Mai-nade auf e. Trinkschale, beschr. von LongperierRevue arch. N. S. 17 p. 350. Vgl. Deydemann,Sat.- u. Balechennamen S. 32. [Roscher.]
Eilbote (Ενβοίτη), Tochter des Thespios, diedem Herakles den Eurypylos gebar, Apollod2, 7, 8. [Stoll.]
Eubule {ΕνβονΧη), 1) eine Tochter des altenattischen Königs Leos, welche von dem Vatermit ihren beiden Schwestern Praxithea (oderPhasithea) und Theope zur Rettung des Vater-landes geopfert ward. Diese Leo'iden hattenein Denkmal, Leokorion, zu Athen am nörd-lichen Markt, Suid. und Darpokr. s. v. Am-ζόριον. Aelian . V. D. 12, 28. Demosth. *#Gonon. p. 1258. Epitaph, p. 1398. Diod. 11, üBaus. 1, 5, 2. Gic. N. D. 3, 17. Burst»Geogr. 1, 287. — 2) Tochter des Danaos , ver-mählt mit dem Aigyptiden Demarchos,f. 170. [Stoll.]
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