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len Darstellungen die bogenförmig über demHaupte schwebenden, manchmal von der einenHand gehaltenen Gewand- oder Schleierteile,wie sie sonst namentlich hei Luft- und See-gottheiten angewandt werden. Ein Bild älte-ren Stils tritt uns auf einer leider sehr be-schädigten, polychromen Schale der Münchner Sammlung entgegen, Jahn a. a. 0. Taf. VII,
S. 44. „Der mächtige, schwarzgefärbte Stier,dessen Augen durch gelbe Farbe ausgezeichnet iosind, schreitet nach rechts hin kräftig aus,ohne dafs Wellen angedeutet wären . . . Aufseinem Bücken sitzt rittlings, den Kopf nachlinks gewandt, Europa , mit der Linken hat
Europa auf dem Stier, Vasenbild nach 0. Jahn a. a. 0.
Taf. VII.
sie das vergoldete kurze Horn gefafst, in dererhobenen Hechten hält sie mit zierlicherBewegung eine goldene Blumenranke.“ DerKörper der Jungfrau ist bis zu den Füfsenhinab von einem faltenreichen, roten, gold-gestickten und geränderten Chiton bedeckt.
Eine auffallende, von allen andern ab-weichende Stellung, so dafs wir mehr an eine 60stierbändigende Artemis oder Nike erinnertwerden, zeigt eine kleine Marmorgruppe desVatikans, Jahn a. a. 0. Taf. III, S. 10 ff.Auf dem schwimmenden Stier kniet eine mitChiton und Obergewand bekleidete weiblicheFigur. Der Oberkörper fehlt im Original vomGürtel ab, ist jedoch in wahrscheinlicher Weiseergänzt. Wir habeD hier, wie Jahn wohl mit
Recht bemerkt, vielleicht einen Versuch voruns, die Europa als Stierbändigerin darzu-stellen.
Besonders zahlreich sind auf Münzen dieDarstellungen der auf Kreta weilenden Europa .Teils bekleidet, teils mit nacktem Oberkör-per, die Beine von den Hüften an durcheinen Überwurf verdeckt, sitzt Europa in denZweigen einer Platane. Die rechte Handstützt sich auf den Baum, der linke Ellbogenruht auf dem linken Schenkel, während dieHand das Kinn stützt. Das Haupt ist stark nachvorn geneigt und der Blick traurig sinnendgesenkt. Jahn a. a. 0. S. 28 erblickt in Dar-stellungen dieser Art eine Andeutungdes ιερός γάμος, so dafs die aufder Platane trauernde Europa alsdie dort versteckte, zurückgezogeneGeliebte des Zeus zu denken sei.Häufig findet sich auf Münzen nebenEuropa auch ein Adler oder derKopf eines Stiers, auf dem Beversder Stier in voller Gestalt. EineZusammenstellung der erhaltenenzahlreichen Europadarstellungen aufVasen und Wandgemälden, in Mosai-ken und plastischen Monumenten,auf Münzen und Gemmen bieten Hock,Kreta 1 , 94ff. John a. a. 0. S. 1—54. Stephani, Comptes rendus dela comm. archdolog. pour Tannee 1866S. 79—127. 148—154, pour les an.1870/1 S. 181—183 , und namentlicherschöpfend Overbeck, Griech. Kunst-mythol. 2. Bd. 1. T. (Zeus ) S. 420—465. Ein treffliches Erzbild der stier-reitenden Europa fertigte Pythagoras aus Bhegion, das zu Tarent in grofsenEhren gehalten wurde, Varr. L. L.5 § 31. Cic. Verr. 4, 60, auf einegleiche Gruppe bezieht sich ein klei-nes Gedicht Anakreons, 35 (52 Bergk)·,auch ein altes Kultbild der Astarteim Tempel zu Sidon bezeichneteein Priester dem Lucian (dea Syr. 4) alseine Europa .
Endlich erhielt auch von dieser Europa (vgl. nr. 4 u. 5) ein Teil der Erde den Namen,Herod. 4, 45. Mosch. Id. 2, 8 ff. Fatlim. u.Zenodot im Schot. Hur. Rhes. 28. Varro a. a. 0.Festus s. v. Europam. Hör. Od. 3, 27, 75. Ov.Fast. 5, 618. Steph. Byz. s. v..Lykophr. imEt. M. s. v.; vgl. Tzets. z. Lykophr. 1283.[Ein Erklärungsversuch bei Η. I). Müller,Mythol. d. gr. Stämme 3 p. 390 ff.].
Schon in früher Zeit versuchte man Deu-tungen und Erklärungen des Mythos; sosagt Herod. 1 , 2,..die Hellenen (Kreter) hätten,nach persischer Überlieferung zur Vergeltungfür den von Phoinikern verübten Baub der Iodie phoinikische Königstochter Europa ausTyros geraubt, vgl. Lykophr. 1291 ff. und dieallerdings verkehrte Auffassung der Stelle inden Schot, min. u. d. Paraphr. Andrerseits machtPataeph. 16 den Tauros zu einem kretischenKönig, der die tyrischen Lande eroberte unddie Königstochter Europa als Kriegsbeute mitanderem fortführte, und ähnliche euheme-