Band 
Zweiter Band, erste Abteilung. Iache - Kyzikos.
Seite
19-20
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19 Ianus (Kult d. Geminus od. Quirinus)

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6 βασιλεύ g, ai'msQ επι των μεγίστων πολέμωνόιηνοίγοντο, ωχετο προ? την"Εω, d. h. wohldurch das östliche, vom Forum wegführendeThor. Schliefsungen fanden statt unter Numa,der überhaupt den Brauch eingeführt habensollte (Piso bei Varro l. 1. 5, 165: ius in-stitutum a Pompilio . . . ut sit aperta semper,nisi quom bellum sit nusquam etc.), ferner imJ. 519/235 (Varro a. a. 0. Liv. 1, 19, 3), 10unter Augustus 725, 729, kurz vor 753 (Momm-sen z. Man. Anc. 7, 5 u. 2, 42), unter Nero(vgl. die oben angeführten Münzen) u. s. w.(Mehr bei Jordan, Topogr. 1, 2, 346 ff.) Überdie Bedeutung dieser Sitte waren schon dieAlten nicht einig. Abgesehen von der soebenbehandelten ätiologischen Legende behaupteteneinige, dafs der Dämon des Krieges in Friedens-zeiten im Ianusheiligtum verschlossen sitze, imKriege aber daraus gegen die Feinde hervor- 20breche (vgl. die Bezeichnung portae belli, πύληsvväkiog und Verg. A. 1, 293 ff. nebst Serv. z. d.Stelle; Am.7,607), andere umgekehrt, dafs nichtder Krieg, sondern der Frieden im Ianustempelhause und durch Schliefsung der Thüren amEntweichen gehindert werden solle (Hordt, ep.

2, 1, 255: claustraque custodem pacis cohiben-tia Ianum. Ovid. f. 1, 281 pace fores obdo,ne qua discedere possit), noch andere meinten:ideo ... Ianus belli tempore patebat , ut eiusdem 30conspectus per bellum patent, in cuius po-testate esset exitus reditusque (Serv. V.

A. 1, 294; vgl. Ov. f. 1, 279: ut populo re-ditus pateant ad bella profecto, tota patetdempta ianua nostra sera), eine Auffassung,die manches für sich hat, zumal wenn wirbedenken, dafs aus ähnlichen Gründen auchder Tempel der Horta oder Hora Quirini (s. d.)immer geöffnet gehalten wurde (Plut. Q. Born.46). Der wesentlichste Grund des Brauches 40scheint aber folgender zu sein. Wie wirspäter (Sp. 34) sehen werden, sind die älte-sten sakralen Verhältnisse des Forums (d. i.des Volksgemeindeplatzes), welche in denbeiden auf Numa zurückgeführten Kulten deslanus und der Vesta gipfeln, aus dem Kultdes altrömischen Privathauses hervorgegangenund diesem nachgebildet*), d. h. wie der Ianusdes Privathauses über dessen Eingang, dieianua, waltet, so beschützt der Ianus Geminus 50den alten Haupteingang des Gemeindeplatzes.,an dessen Gegenseite, ungefähr der Stätte desHerdes im Atrium entsprechend, der alte Ge-meindeherd, d. h. das Heiligtum der Vesta, er-richtet war. Da demnach der Ianus Geminusfür das Forum und die auf demselben weilendeBürgergemeinde genau dasselbe bedeutet wiedie ianua für das Privathaus und den Haus-herrn, so wäre es ein schlimmes Omen (vgl.Tac. a. 28,2) für diedraufsen, d. h. im Kriege 60befindliche Bürgergemeinde gewesen, wenn mannach ihrem Abmarsche hinter ihr das Ge-meindethor verschlossen hätte (man denkehierbei an den uralten Gegensatz von domusund bellum (militia) in den Redensarten belli

*) Auch Nissen , Templum S. 142 u. 148 vergleicht dasForum mit dem Atrium des Privathauses.

Ianus (sonstige iani des For. Rom .) 20

domique oder domi militiaeque vgl. in pace etdomi Gic. rep. 1, 40). Man pflegte demnachzur Gewährleistung einer glücklichen Heimkehrden Ausgezogenen den Zugang zum Gemeinde-platze offen zu halten und erst dann zu schliefsen,wenn alle wieder daheim (domi) waren (vgl.Myth. Vat. 3, 4, 9 = Serv. V. A. 1, 291:quod ad bellum ituri de pace cogitare et re-versionem optare debenf). Hierzu kommtnoch, dafs es Sitte gewesen zu sein scheint,den ianitor für die aufserhalb ihres Hausesweilenden Familienglieder die Hausthiire offenhalten zu lassen,, bis dieselben heimkehrten,damit sie nicht erst durch Klopfen und Rufenwie Fremde Einlafs zu begehren brauchten (vgl.Apul. Met. 9, 20. Becker, Gallus 3 2, 190),während die Hausthür in der Regel verschlossenwurde, wenn der Hausherr und seine Familiedaheim waren, damit sie nicht von plötzlichEintretenden überrascht werden konnten (vgl.die Stellen bei Marquardt, Brivatalt. 1, 231,Anm. 53 u. 54; 240 Anm. 97 ff.; Hermann-Blümner, Gr. Privatalt. S. 148 f.).

Aufser dem uralten numanischen Ianus amoberen Ende des Marktes gab es aber sicherlichnoch mehrere andere iani auf oder an demForum Romanum; ja es ist so gut wie gewifs,dafs alle nach dem Forum führenden Strafsenan der Stelle ihrer Einmündung ins Forumvon Ianusbögen überspannt waren (Biclctcr beiBaumeister, I). 1469), wie schon aus den An-sichten auf den Rostrabalustraden hervorgeht.So wird öfters namentlich ein Ianus medius(nach Jordan 1, 2, 215 am unteren Marktendein der Nähe des Vesta- und Kastortempels ge-legen) erwähnt, in dessen Umgebung die Geld-und Börsengeschäfte abgewickelt wurden (vgl.Cic. off. 2, 25, 90. Gic. or. Philipp. 6, 15. 7, 6,16.Horaz Sat. 2, 3, 18. C. I. L. 6, 5845. 10027u. s. w. Jordan, Top. 1, 2, 215 f.). Obwohlferner, abgesehen von Hör. epi. 1, 1, 53, sonstnirgends ein unterer oder ein oberer Ianus aufdem Forum erwähnt wird (Jordan 215 f.), istdoch einerseits aus der Bezeichnung medius, dienoch 2 andere Iani (oben oder unten? rechtsoder links?) auf dem Forum voraussetzt,anderseits aus den im J. 580/174 von denCensoren auf dem Markte einer römischenKolonie, wohl nach Analogie des römischenForums, errichteten 3 Iani (Liv. 41, 27) aufdie einstige Existenz mindestens dreier Ianiauf dem römischen Marktplatze zu schliefsen,wobei nur das zweifelhaft bleibt, ob der altenumanische Ianus in dieser Dreizahl mit in-begriffen ist oder nicht. Religiöse Bedeutungscheinen übrigens die anderen iani des Forumsnicht zu haben, da die Worte des Ovid (f. 1,257) cum tot sint iani, cur stas sacratus inuno? sich wahrscheinlich nur auf den Gegen-satz des numanischen Heiligtums zu denanderen (profanen?) Iani des Forums, nichtaber zu andern Ianusheiligtümern in der Stadt(s. u.) beziehen (anders Peter, Ovid Fast. IIp. 11). Über den von Horaz epi. 1, 1, 54erwähnten Ianus summus und imus s. Jor-dans Erklärungsversuch Top. 216 f. u. 348.Jordan glaubt, dafs hiermit der alte (amobern) und der am andern (untern) Ende