Band 
Zweiter Band, erste Abteilung. Iache - Kyzikos.
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33-34
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33 lamis (Privaltkult: Matutinus)

Ιανουάριος-, Ygl. auch die unten angeführtenBildwerke). Auch das doppelte Gesicht desIanus dürfte sich am einfachsten auf die Ana-logie der menschlichen Thürhüter zurückführenlassen, insofern diese in erster Linie wach-sam sein mufsten (s. unten Sp. 53 f.) und ihreAufmerksamkeit nach zwei Seiten hin, so-wohl auf die Hereinkommenden wie auf dieIlinausgehenden zu richten hatten (vgl. Mar-quardt, Privatalt. 1 , 238. Varro r. r. 1 , 13:villici proxime ianuam cellam esse oportet cum-que scire, qui introeat aut exeat noctu. Aristot.oee. 1, G: θυρωρός . . . χρήσιμος . .. προς σωτη-ρίαν τών εισφερόμενων και εκφερομένων. Petron.28. Apul. Met. 1 , 15. Colum. 1 , 6 villico iuxtaianuam fiat habitatio, ut intrantium exeuntmm-que conspectum habeat. Procuratori supra ia-nuam ob easdem causas; vgl. auch die obenSp.31 angeführten deutschen Bräuche). Fernerläfst sich für den Privatkult des Ianus geltendmachen, dafs er bei allen Opfern und Gebeten,d. h. doch wohl nicht blofs den öffentlichen,sondern auch den privaten, an erster Stelleangerufen und geehrt wurde (vgl. Serv. V. A.1, 292 ipsa (Vesta) et Ianus in omnibus sacri-ficiis invocantur. Mythogr. Vat. 3, 2, 5. Arnob.3, 29 quem in cunctis anteponitis precibus).Bestätigt wird dies durch die, wie es scheint,private Verehrung des Gottes als Matutinuspater (Hör. Sat. 2, 6, 20 ff.), als welcher erin der Frühe des Morgens vor dem Beginndes Tagewerkes angerufen wurde, ferner durchmehrere erhaltene Gebete bei Festen, dieeinen durchaus privaten Charakter tragen;vgl. namentlich Cato r. r. 134 (Privatfeier vorder Ernte); ib. 141 (privata agri lustratio);Iuvenal . 6, 385 f., wo er mit Vesta zusammenangerufen wird; endlich das interessante Ge-bet des Serenus b. Terentian. v. 1889 ff.— frgm. 23 Luc. Müller: Iane pater, lane ■tuens, dive biceps, biformis, \ o cate rerum sator,o principium deorum \ stridula cui limina, cuicardinei tumultus | cui reserata mugiunt aureaclaustra mundi | tibi vetus ara caluit Aborigineosacello, wo freilich auch ein offizielles, demöffentlichen Ianus (des Forums) dargebrachtesOpfer gemeint sein könnte. Endlich ist dasVerhältnis des Ianus zu Cardea, der öffnendenund schliefsenden Göttin der cardines ( Ovid f. 6, 161 f.), hier zu erwähnen; sie wurde als :seine Geliebte oder Gemahlin gedacht, führte,ebenso wie Ianus eine virga aus Weifsdorn(Ov. f. 6, 129) und gehört ganz entschiedenebenso wie Forculus und Limentinus nur demPrivatkult an. Möglicherweise ist auch dievon Oemophilos b. Io. Lydus d. mens. 4, 2 be-zeugte (euhemeristisehe?) Vorstellung von Ianus als dem ersten Erbauer von Thüren (Thoren)und Häusern ( πρώτον αντον . . . οίκους καιπνλεωνας κατασκεύασα!) auf seine Bedeutung ιals Hausgott oder Schutzgeist der Häuser zu-rückzuführen, doch ist, wie wir sehen werden,in diesem Falle noch ein anderer Ideenzusam-menhang denkbar.

Viel genauer sind wir dagegen über denöffentlichen Kult des Ianus als des Herrn überalle öffentlichen iani unterrichtet. Schon obenSp. IG ff. ist das meiste hierher gehörige Material

Roscher, Lexikon der gr. u. röm. Mythol. II.

Ianus (öffentl. Kult d. Forums) 34

zusammengestellt und erörtert worden. Wirentnehmen daraus vor allen Dingen, dafs dieöffentlichen iani vorzugsweise eine Beziehungzum Markte hatten, dessen Zu- und Eingängesie bildeten. So haben wir gesehen, dafs dasForum Romanum mit mindestens drei (wahr-scheinlich aber noch mehreren) iani geschmücktwar (vgl. Sichter b. Baumeister , li. 1469, dernamentlich auf die Forumsansichten auf denRostrabalustraden verweist); ein weiterer sehralter ianns befand sich am Forum holitorium,ein quadrifrons wenigstens in späterer Zeit amF. transitorium u. s. w. (Sp. 25 ff.); im Jahre 174v. Chr, wurden nach Liv. 41, 27 von den Cen-soren, offenbar nach römischem Muster, auf oderan dem Markte einer röm. Kolonie tres Iani er-richtet u. s. w. (über die an den Eingängen desForums zu Pompei befindlichen Iani s. Bau-meister, T)enkm, S. 1361 u. die Abb. nr. 1508).

In hohem Grade interessant und bisher nochgar nicht ins rechte Licht gesetzt ist das Ver-hältnis, welches offenbar zwischen den beidenKulten des Ianus Geminus und der Vesta aufdem Forum Romanum besteht und ganz unver-kennbar dem Verhältnis der beiden Götter imPrivatkult naehgebildet ist.*) Ich mache daraufaufmerksam, dafs auf dem Forum Romanumdieselben Kulte der Vesta und des Ianus be-deutungsvoll hervortraten, die auch im römi-schen Privathanse die Hauptrolle spielten.**)Hierzu kommt, dafs der alte numanische Ianusden ältesten und hauptsächlichsten Zugang(Schol. Cruq. Hör. Sat. 2, 3, 18: ima [Ianistatuaj in ingressu fori, altera in medio) zumForum bildete, dessen in der Regel offeneThüren der Gott offenbar nach Analogie desmenschlichen ianitor bewachen sollte, währendim Hintergründe des Platzes, an einer Stelle,welche dem Ianus Geminus auf dem Argiletumschräg gegenüberliegt (vgl. das Forum Rom. auf Taf. LIII bei Baumeister , Denlcm.) undeinigermafsen der Stätte des focus im Atriumdes ältesten römischen Hauses entspricht, dasVestaheiligtum, ebenso wie der Ianus geminuseine Stiftung des Numa (Liv. 1 , 19, 2. 20, 3.Flor. 1,2), erbaut war ( Jordan, Top. 1 , 2,421 Anm. 136). Diese Analogie der sakralenVerhältnisse des Forums und derjenigen desHauses wird noch deutlicher, wenn wir be-denken, dafs auch die Tempel der Penatenund der Laren des römischen Staates in derNähe des Marktes lagen (Jordan a. a. 0.S. 416 ff. 420 ff.) und sicherlich zu demselbenin Beziehung standen. Wie nahe der Ianusdes Forums von vornherein den Penaten oderHausgöttern stand, zu denen Vesta selbst mit-gerechnet wurde (Preuner, Ilestia S. 94 u. 244vgl. 265, 1), ersieht man auch daraus, dafs

*) "Wie die meisten ostia der PrivaVhäuser auf demLande (s.ob. Sp. 30 Anm**}, hatte auch der Ianus Geminusdes Forums eine westöstliche Axe (ob. Sp. 17). Ichhalte auch diese Übereinstimmung nicht für zufällig,sondern für absichtlich und bedeutungsvoll.

**) S. das Gebet an Ianus und Vesta bei luven. G,385 f. und vgl. Serv. V. A. 3, 292 [Vesta] et Ianus in Omni-bus sacrificiis invocantur. Ianus und Vesta bilden ge-wissermafsen das A und O in den röm. Gebeten {Immer,Ilestia 29).

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