817 Izdubar (u. d. Zeichen d. Tierkreises)
Epos, der andere astrologische Dichtungen, wie
die Höllenfahrt der Istar “ erzeugt hat.
” Als Göttin des Krieges und der Jagd wurdeIstar, wie gesagt, besonders in Assyrien ver-ehrt. Tiglathpileser vollendete ihren Pracht-tempel in Assur . In den Inschriften der As-syrerbönige heilst sie hellt tabäzi, „Herrin derSchlacht“. Ihre Hilfe spielt in den Jagd-inschriften Asurbanipals (I R 7) eine grofseRolle. So heifst es nach einer Löwenjagd:„den gewaltigen Bogen der Istar von Arhelastellte ich auf sie, eine Opferspende brachteich auf ihnen dar, indem ich Wein über sieausgofs.“ Interessant ist ihr Auftreten in den„Orakelsprüchen an Asarhaddon 11 (IV R 68),wo sie unter den „60 grofsen Göttern“, diedem Könige zur Seite stehen, ihm langesLeben und Glück zur Regierung geben, mitobenan steht. So spricht sie zu Asarhaddon :„Fürchte dich nicht, willst du gleich ver- 20zagen? Ich komme und lasse mich nieder,wenn man ruft: wehe!“ und an anderer1 Stelle: „ Asarhaddon , treuer Sohn, mit eigener| Hand werde ich deine Feinde vernichten.“
I Istar von Arhela, die „Königin in den hei-ligen Gemächern“ (vgl. Asurhanipal, col. X,
61 f.; über das Verhältnis zur Istar von Nineveh,der „Königin von Kidmuru“, ist zur Zeitnichts zu sagen) erscheint bei Asurhanipal alsSchutzgeist des Heeres. Als die Truppen vor 30einem schwierigen Flufsübergang standen,„erschien Istar (col. V, 97 ff.) gegen Ende derNacht meinen Soldaten im Traum und sagtezu ihnen: 'ich schreite einher vor Asurhanipal,dem König, den meine Hände erschaffenhaben!’ Auf diesen Traum vertrauten meineTruppen und überschritten den Flufs wohl-behalten.“ Es liegt an sich nahe, dafs auchhier an die Göttin der Venus, und zwar desMorgensterns zu denken ist. Dafs der side- 40rische Charakter mit Asurbanipals Istar ver-bunden ist, beweist aufser dem oben citiertenGebet Asurbanipals an Istar die Stelle col. IX,79ff. in den Annalen, wo sie geschildert wirdals Göttin „im Flammenkleid, Glanz tragend“,die Verderben regnen läfst auf das Feindes-land. Col. IX, 5 ff. (ib.) erscheint übrigens derSirius, „der Bogenstern“, als Emblem derGöttin, der V R 46, 23 a b geradezu „die Istarvon Babel “ genannt wird. Der Kronschmuckauf dem Bilde der bewaffneten Istar (Sp. 811)stellt also die Venus oder den Sirius dar.
II. Das Izdubar-Epos und die Zeichen desTierkreises.
Unmittelbar mit dem Bekanntwerden desIzdubar - Epos wurde vermutet, dafs die Zwölf-tafeldichtung einen Sonnenmythus darstelle,und dafs die Zeichen des Tierkreises demEpos entnommen seien. *) Zuerst wurde dasbehauptet von Henry Bawlinson; andere Ge-lehrte, wie Lenormant, Sayce (s. besonderslenormant, Les origines de Vhistoire S. 238 ff.)
. *) Ist eine Verbindung vorhanden, so sind die Be-ziehungen des Epos auf die Tierkreisbilder wahrscheinlichsekundärer Natur. Dies ist nach dem folgenden des
erfassers Meinung im Gegensatz zu den oben ange-luhrten englischen Hypothesen.
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stimmten zu. Man könnte noch weiter gehenund Izdubar-Nimrod verbindend sagen, derHeld des Epos sei im letzten Grunde derSonnengott, der als „grofser Jäger“ von denzwölf Stationen der Sonnenbahn seine Pfeile,die Sonnenstrahlen, auf die Erde sendet! —In Wirklichkeit kann eine Verbindung desEpos mit den zwölf Zeichen des Tierkreisesnur mit aller Reserve behauptet werden. Dafsdie Einteilung des scheinbaren Weges, dendie Sonne im Laufe des Jahres zurücklegt,auf die Babylonier zurückgeht, hat lensen,Kosmologie S. 310ff. jüngst überzeugend nach-gewiesen (s. auch lensen, Ursprung und Ge-schichte des Tierkreises, in der Deutschen Kevue,Juni 1890). Die Astronomen bezeichneten den
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Ort, an dem die Sonne zur bestimmten Jahres-zeit steht, mit einem Symbol. Da die Bildertaurus, leo, scorpio, amphora den vier Haupt-jahreszeiten entsprechen, mufs — so schliefstlensen — der Tierkreis in der Zeit entstandensein, in welcher die Sonne hei Frühlings-anfang im Zeichen des Stieres stand, also vor60 2 5 00 v. Chr. (heutzutage im Bild der Fische,vor 2000 Jahren im Bilde des Widders). DerStier ist das Bild des Gottes Merodach, deram Schöpfungsmorgen die Finsternis über-wand und seitdem die Frühsonne und Früh-lingssonne repräsentiert, der Löwe ist dasBild der verzehrenden Sonnenglut im Sommer,der Skorpion, der Steinhock, vielleicht auchder arcitenens (s. die Abbildung; der darunter