Band 
Zweiter Band, erste Abteilung. Iache - Kyzikos.
Seite
819-820
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819 Izdubar (u. d. Zeichen d. Tierkreises)

stehende Skorpion zeigt, dafs der Bogen desarcitenens von den Fangarmen des Tieres her-genommen ist), und die Fische entsprechenden Helfershelfern der Schlange (?) Tihamat,welche Finsternis und Wasser, die Schreckendes Herbstes und Winters, repräsentiert, wäh-rend der Wasserkrug die Regenzeit des Wintersselbst treffend symbolisiert. Neben diesenBeziehungen der meisten Tierkreisbilder aufkosmische Vorgänge läfst sich jedoch ein Zu-sammenhang gewisser Bilder mit dem Inhaltder 12 epischen Gesänge nicht leugnen. Dievielleicht sekundären Beziehungen, die beimEpos vom Sonnenhelden nahe lagen, müfstenentstanden sein in der Zeit, in der die Früh-lingssonne vom Bilde des taurus in das Bilddes aries zu rücken begann (also um 2000 v. Chr.).Das würde dem Inhalt einiger Gesänge gutentsprechen. Im ersten Gesänge beginnt dieHeldenlaufbahn Izdubars , der nach denWorten des Sdduwie ein Bergstier überdie Helden hervorragt. Das gewöhnliche Bildfür Königsherrschaft wird bei den Assyrernvom Widder und Leithammel entnommen:lülimu sarru , die babylonischen Königeheifsen bei Jesaias dieLeithammel (ü^ifS)der Völker, vgl. Sach. 10, 3. Das zweiteBild, taurus, würde der II. Tafel des Eposentsprechen, in deren Mittelpunkt Eabanisteht, der als Stiermensch dargestellt (s. dieAbb. Sp. 791) und ideographisch alsaufrechtstehender Stier bezeichnet wird. Das dritteBild, gemini , entspricht dem Inhalt derIII. Tafel, in welcher Eabani und Izdubar,nachdem sie miteinander gekämpft haben,enge Freundschaft schliefsen. Dafs die virgodes 6. Monats etwas mit litar zu thun hat,beweist das unten angeführte Monatsideo-gramm. Die VI. Tafel des Epos aber erzähltdie Liebesabenteuer der Göttin Istar . Wennder arcitenens (9. Monat) als Skorpionmenschgedacht werden darf (Abb. auf Sp. 818), sowäre eine Verbindung mit der IX. Tafel, derenHauptereignis die Begegnung mit dem Skorpion-menschen bildet, naheliegend. Wenn endlichdie amphora (11. Monat) Symbol der Regenzeitist, so stimmt auch das zum Inhalt des Epos:die XI. Tafel erzählt bekanntlich den Flutsturm.

Im Anschlufs daran sei bemerkt, dafs aucheinige Monatschreibweisen dem Epos ent-nommen sind. Der 2. Monat hat das Ideo-gramm des Eabani, desaufrecht stehendenStieres, entsprechend dem Inhalt der II. Tafel.Der 6. Monat hat als Ideogramm:Sendungder Göttin Tstar, entsprechend der Rache-sendung des Himmelsstieres auf der VI. Tafel.Endlich steht fest, dafs ein Ideogramm des11. Monats:Fluch des Regens dem Inhaltdes XI., der Sintfluttafel, entspricht, wie De-normant zuerst erkannt hat (s. Delitzsch ,Paradies S. 146). Die meisten der übrigenMonatsideogramme, von denen leider vieleverstümmelt sind, beziehen sich auf dieJahreszeiten, Erntearbeit u. s. w. *)

*) Wenn Lmormant a. a. 0. S. 143ff. sagt, das Ideogrammdes 3. Monats arah libitti (,,Monat des Ziegolstreicliens)weise auf den Bau einer Stadt, das entsprechende Zeichendes Tierkreises (Zwillinge) auf eine babylonische Er-

Izdubar (Istar und Semiramis) 820

Von einer kosmischen Bedeutung der StadtErech im Epos und von einer Beziehung desHimmelsstieres auf das betr. Sternbild, dasSayce (Babyl. Religion S. 293),ahnt undJensen (a. a. 0. S. 63 Anm. 1)kaum bezweifelt,vermag ich nichts zu entdecken.

III. Istar and Semiramis.

Denormant , Da legende de Semiramis (Me-moires de lAcademie Royale, Bruxelles, 1873)hat Semiramis und Istar vollständig identi-ΰ eiert. Sayce (bei Cyrus Adler , The Degendaof Semiramis and the Nimrod Epic, JohnsHopl'ins University Circulars, Januar 1887)stimmt dieser Meinung zu auf Grund von Duciande dea Syria , und hält Semiramis für denLokalnamen der Istar von Hierapolis . DieVergleichung ist mit gröfster Vorsicht auf-zunehmen. Die Gestalt der Semiramis schwebtnoch völlig im Dunkel. Auch wenn einehistorische Königin Semiramis (aufser derI R 35, nr. 2, 9 auf einer Nebo- Statue be-zeugten Gemahlin des Bammannirari: Sa-an-mu-ra-mat, d. i. Semiramis) als Gründerinvon Nineveh inschriftlich erwiesen wäre*), sokönnte immer noch die mythische Gestalt derwollüstigen Semiramis so weit von ihr ver-schieden sein, wie der historische Asurbanipalvon dem Wüstling Sardanapal, wie ihn dieklassischen Schriftsteller schildern. CyrusAdlers Urteil,die Königin Semiramis alseine Wiederholung der Istar- Legenden auf-zufassen, sei unwahrscheinlich, ist zweifellosberechtigt. Aber auch die a. a. 0. geboteneGegenbehauptung,dafs die Istar - Legendendes Nimrod -Epos eineprojection der Semi-ramis- Legenden darstellen, entbehrt des Be-weises. Beide Gestalten, die mythische Semi-ramis und die Istar von Erech, wie sie in derVI. Tafel des Epos geschildert wird (eine ganzandere Istar schildert, wie oben ausgeführtwurde, die XI. Tafel) stellen mit orientalischerAnschaulichkeit ein Weih dar, in deren Wesensich Wollust und Grausamkeit paart eineErscheinung, wie Sage und Märchen sie inallen Epochen der Kulturgeschichte erzeugthat. Dafs die Mythenbildung beide Gestaltenmit gleichen Zügen ausgestattet hat, läfstsieh nicht leugnen mehr darf jedoch nichtbehauptet werden. Der bewaffneten, zu Kriegund Jagd ausziehenden litar entspricht dieSemiramis des Diodor (2, 8): άφ ίππον παρ-Saliv άκοντίζονσα. (Wollte man eine wirk-liche Parallele aufstellen, so könnte man auchNinus und Izdubar zusammenstellen : «κιπλησίον αυτής b άνήρ Νίνος παίων εκ χιιρκλέοντα λόγχη.) Den Liebesabenteuern Istars ,

Zahlung von Kain und Abel, so kann die letztere rätsel-hafte Bemerkung nur auf einem starken IVIifsverstämlnisdes einen Istar - Abenteuers auf Tafel VI beruhen.

*) Zu der Bemerkung des Syncellus, Chronographiep. 96 über die ersten assyrischen Könige Bel. Ninus,Semiramis, Ninyas, die im 4. Jahrtausend geherrschthaben sollen, ist zu beachten, was sein GewährsmannDiodorus (ib. p. 166) sagt: olitn in Asia ex indigenis crea-bantur reges, quorum gesta vel nomina nulla hominum me-moria celebrat. Primus autem quorum historiae vel hominumnotitiae fama commendata est, fuit Ninus etc.