Harmonia werden in der Heimat (auf derKadmeia) zu Drachen verwandelt: d. h.sie sterben und leben als Heroen (wohl imDemeter-Tempel, vgl. Hes. fr. 132. Bohde,Psyche 149 ff.) fort; nichts anderes, als diesebekannteste Anschauung des Ahnen- undSeelenkultes (vgl. zuletzt A. Marx, Gr. Mär-chen u. s. w. 98ff) ist hier zu suchen, amallerwenigsten das „Schicksal des Sonnen-gottes“. Die Verbindung mit den Illyriernund 'Encheleern’ scheint wunderlich genug.Wie noch bei Herodot das Wort Τλλνριοι einensehr vagen Sinn hat (B. Unger p. 22 sq.), soläfst die ältere Überlieferungsschicht dieseÖrtlichkeiten ganz unbestimmt. Nun istder Name Έγχέλειοι sicher, ’ίλλνριοι, derkeineswegs blofs im NW. haftet*), wahr-scheinlich griechischen Ursprungs, und dieVermutung liegt nahe, dafs es sich auch hierum eine Fernübertragung der heimischenAnschauungen handelt, die von den helle-nischen Kulturcentren aus immer weitereKreise zu ziehen und erst an der Grenzeder jeweils bekannten οικουμένη Halt zumachen pflegen. Es ist gute Überlieferung,wenn Kephalion (F.H. G. 3 p. 630, 63, vgl. Jo-annes Damasc. F. H. G. 4 p. 545, 8) Enche-lea als κώμη an Stelle des späteren Theben inßoiotien gelegen nennt: καί εύ&έως ’Αμψίωνό λυρικός κτίζει _πόλιν μεγάλην πάνυ,την πρώην μεν ουααν κώμην λεγομένηνΈγχέλειαν κτλ. Dafs dieser Name mit demKopaissee und den Kopais-Aalen zusammen-hängt (nicht mit εχις und εγχελυς — draco),hat im Gegensatz zu früheren Vermutungendes Verfassers (bei Ersch u. Gruber a. a. 0.S. 41 24 2β ) K. Tümpel dargethan ( BeiträgeS. 22 ff.). Den Illyriernamen auf boiotischemBoden nachzuweisen, ist noch nicht gelungen;wenn man nicht in der Bezeichnung des'Gründers’ als λυρικός eine schwache (trotz-dem von Metzger bei Pauly 4, 112 gleichfallsempfohlene) Etymologie des Wortes Τλλύριοςerblicken darf, wonach Amphion der Epony-mos der neueren „illyrischen“ Bevölkerungs-schicht wäre. — 126. Wichtiger sind zweiandere Züge. Die ' Encheleer ’, die ihremNamen nach an den See und zu 'Ogyges’gehören, sind mit den 'Illyriern’, den benach-barten Nachkommen des Drachenzöglings(nr. 56;,vielleicht leitet auch ihr Name dahin,vgl. ίλλάς) im Kampfe. Das Heroenpaar, selbstin Drachengestalt, steht ihnen bei und ver-söhnt die streitenden Parteien. Das- ist eineErzählung, die an Sagen, wie die vom Kampfeder Σπαρτοί (die gleichfalls Drachensöhne
*), So erklärt es sieh, dafs bei Iltrod. 9, 42 ' Mar-donios (d. h. Hekataios v. Milet ? vgl. fr. 67 ff. 73 ff.) einenOrakelspruch auf die Perser bezieht, den Herodot kenntals ες ίλλνριού ς τε yjp. τον’Εγχελέων στρατόν 7 Ιεποιη-μενον. Es gab eine Überlieferung, wohl kleinasiatischen(milesischen)Ursprungs, '-^ e einen Zusammenhang zwischenIllyriern und Persern annahm, vgl. Scholl. Arist. Avv.1521 πεινωντες ώσπερ ΊλλνριοΙ κεχριγότες] . . . περί όίράχην είσίν οΐ Ί λλνριοϊ, τινες de ΤΙερσίδος φασίναϊτούς, οι γεωργεΐν μεν ovy. εχουσι γην, ληστεύοντες δετρέφονται; auch die Insel Illyris in 'Lykien ’ {Hin.
j Hl, 131; vgl. Forcellini s. v.) wird von den benach-barten Griechen benannt sein.
sind, vgl. Έχίων), oder der Pallantiden undAigeuserben erinnert und auf durchaus my-thischem, und zwar boiotischem Boden ge-wachsen ist. Der rettende Heros in Schlangen-gestalt hat ein Gegenbild nicht nur in demeleischen Sosipolis (Paus. 6, 22, 1 ff.), sondernvor allem in dem benachbarten Kychreusvon Salamis (schon bei Hes. fr. 132 Bz.), derwie Kadmos die Insel von einem Drachenbefreite ( Apollod. 3, 12, 7. Diod. 4, 72) undin der Schlacht bei Salamis einem delphischenOrakel zufolge (Paus. 1, 37, 1) selbst inDracheng'e statt den Griechen beistand.*) Eshandelt sich hier um Vorstellungen der griechi-schen Heroologie, wie sie nach Bohdes Ausfüh-rungen (Psyche 166 ff.) besonders von der del-phischen Priesterschaft gepflegt und verbreitetwurden. Dem Charakter sagenhafter Urein-wohner, erdgeborener 'Giganten’, die in derSage stets als Barbaren erscheinen, entsprichtdie Empörung wider die Gottheit; auch dafürgiebt es Parallelen in den früheren Abschnittender Kadmos-Sage, s. oben nr. 45 f. Gutboiotischgedacht ist schliefslich das rettende Dazwischen-treten des Ares und die (eigentlich tauto-logische) Versetzung auf die μακάριον νήσοι:hiefs doch nach Armenidas (bei Phot. Hes.Suid. s. v. = fr. 3 F. H. G. 4 p. 338 f.) μακάριοννήσος' ή άκρόπολις των εν Βοιωτία Θηβων τοπαλαιόν (nach alter poetischer Quelle, vgl.auch die Insel Aretias, Bd. 1 Sp. 495 und dieAretias - Quelle; eine Parallele oben nr. 89Sp. 873). Vgl. auch IC Tümpel, Philol. 48 (2),128 ff. Schon frühzeitig wurde diese Sage imfernen Nordwesten neu lokalisiert, (v. Wilamo-witz, Hom. Unters. 172 und K. Tümpel, Be-merkungen u. s. w. S. 22 f.). Es waren vermut-lich boiotisch-euböische Volkselemente, diein den barbarischen Anwohnern des Lychnitis-und Labeatis-Sees die Encheleer, in ihrenNachbarn die Illyrier der heimischen Sagewiederfanden (ähnlich schon C. Müller, Geogr.Gr. Μ. 1 p. 31 ff.)**); dafür sprechen vor allemdie hier fixierten Namen „ionisches Meer “ undΆμαντία-Αβαντίς, die auf (I)Aonien- Abantien,den Ursitz der Grundbestandteile des histo-rischen Ionierstammes, zurückweisen. Einirrationaler Zug ist, es, dafs das Sehlangen-Heroenpaar auf einem Ochsengespann fortzieht;wenn darin eine etymologische Legende zurErklärung des Namens Βου&όη zu suchenist (s. oben nr. 46), kannte schon ’ Hesiod ’die Örtlichkeiten. — 127. In der Parallelquelle(nr. 50 ff.) sind die Lokalzeichen zahlreicherund besser erhalten; die Metamorphose kommtohne beeinträchtigende Konkurrenzzüge (wiedie Versetzung auf die μακάρων νήσοι) zuvoller Geltung als dichterischer Ausdruck für
*) P. Meinhold , De rebus Salaminiis p. 6. Heydemann ,
’ Ώ.ίου τιίρσις p. 12. Rohde, Psyche 183 T .
**) Ebenso haben die Griechen — die Athener , wie esscheint — den sagenhaften Pelasgernamen auf die Besteeines Barbarenstammes übertragen, die sie am Küsten-saum und auf den Inseln des ägeischen Meeres antrafen.Verf. hebt das hier hervor, da sein Programm über dieKabiron und Pelasger ohne sein Verschulden unvoll-ständig bleiben mufste und vielfach mifsverstandenist. Vgl. Fleck . Jahrb, 1881, 293 9 , Litt. Centralbl . 1889,4, 124.
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