891 Kadmos (Seefahrer in Samothrake etc.)
den Gräber- und Ahnenkult. Zur Quelle leitetuns eine verwandte Sage von Epidamnos.Epigr. Gr. ed. Kaibel 1054 p. 474. (z. T. nachden Lesungen von Enger p. 48, die K. wohlübersehen hat): ’Αμφίων μοΰσαις κι&άρης εστηςεπί Θηβης \ τείχεα' νυν δ’ επ’ εμάς πατρίδος’ίλλυριοίς | 'Αδυλύγον μονβαν με&έπων γιτλ.,vgl. Anna Comn. Alex. p. 991) εν ΰστέροιςδε χρύνοις (nach der Zerstörung im Pyrrhos -kriege), ras Έλληνες φααι καί aut« δη τα εντϊ) πόλει γλυπτά γράμματα μαρτνροναιν, νπ’Αμφίονος ναι Ζή&ον άνοικοδομη&εϊβα εις ονυν δραταί όχημα *) κτλ. Wir haben hiervermutlich alten Amphionkult vor uns, und imAnschlufs daran eine Legende aus historischerZeit, ein Abbild der unter nr. 125 mitgeteiltenvon Theben-Enchelea, ähnlich den Kychreus-sagen auf Salamis (ob. nr. 126) oder den Hyper-boreerlegenden in Delphi (Bd. 1 Sp. 2809 f.).Epidamnos weist auf Kerkyra, Kerkyra auf Ko-rinth zurück. Die Korinthier beherrschten seitder Besiedelung von Kerkyra und Apolloniaden Küstensaum jener Gegenden; danach be-stätigt sich die Hypothese, dafs die Parallel-quelle (nr. 50) ihre Färbung durch korinthi-sche Tradition erhalten hat.
Kadmos als Seefahrer in Samothi’ake,Libyen und Milet . — 128. Die Anwesenheitboiotischer Volkselemente in Samothrake , Lem-nos, Lesbos, der Troas (Thebe) ist eine That-sache; hierdurch wird die Festlegung der Sagebestimmt (nr. 60 ff.). Mythologisch neu istnur der άρπαγμά s der Harmonia, offenbar einBrautraub, der aber in Anlehnung an alte Be-ziehungen zur Demeter -Religion zur historisch-pragmatischen Deutung eines Festbrauches derDemeter-Mysterien verwandt wird (nr. 62),vgl. den Artikel Megaloi theoi unter Samo-thrake. Die Hochzeit in Samothrake ist se-kundär, wenigstens stimmt sie weder zu demBrautraube, noch zu den sonstigen Angabendieser Gruppe. Mythologisch wertvoller ist dieHochzeitsfeier in Libyen (69 ff.). Dort ist deralte „Göttergarten“ und der Charitenhügel,dort regiert Aphrodite und freit der Herosdie Aphroditetochter und Cbaritengenossin. —129. Es ist klar, dafs diese neue Lokali-sierung von einem seefahrenden Stamme aus-gegangen sein mufs, wie denn in all diesenÜberlieferungen Kadmos als anlandenderSchiffshauptmann erscheint. Das ver-mutungsweise rekonstruierte Gedicht verbindetden hohen Norden mit dem tiefsten Süden;auch dadurch bestätigt sich unsere auf litterar-historische Erwägungen gestützte Vermutung,dafs es in der Sphäre von Milet entstandenist. Als Schlufsstein folgendes: Die Griechen— und bis zu einem gewissen Grade wir mitihnen — betrachten in klassischer Zeit dieWelt durch die Augen der ionischen Geo-graphen, vor allem des Mekataios von Milet ;sollte es Zufall sein, dafs die geographischeTerminologie in den wesentlichen Zügen durchdiese Fassung der Kadmos-Sage bestimmtwird? Afrika trägt seinen Namen nach jeneram Charitenhügel waltenden Göttin-Königin
*) Danach wohl Guil. Appul. de reb. Norm. 4, dessenZeugnis Wesseling (Unger S, 49) beigehracht hat.
Kadmos (Semit u. Buchstabenerfinder) 892
Aphrodite *), der „gegenüberliegende“ nord-westliche Landstrich von Europe (nr. 15.121), dieöstlichen Länder von den Vorfahren des Iiad-mos Άΰίη Φοίνιζ Αίγυπτος (mit Θήβαί) **) unddem urmilesischen Νηλενς-Νείλος. Es sindmilesische Sagenreminiscenzen, welche hierden Rahmen für die neuen ethnographisch-geographischen Beobachtungen bilden müssen.Kadmos der Semit und Buchstabenerfimler.— 130. Erst in Samos und Milet wird endlichder Begriff Phönizien und Phönizier mitseinen Verwandten in der uns geläufigenWeise geographisch und ethnographischfixiert sein. Hier, scheint es, ward Kadmos der Semit aus Sidon oder Tyros . Da unseremilesische Quelle die Insel-Eponymoi ange-führt hat, sind sie auch Phönizier geworden.***)Ebenso gehen die Nachrichten von den Ka-δμήϊα γράμματα, der Erfindung der Buchstabendurch Kadmos (oben nr. 911'.), durchweg animilesische Quellen zurück. Sie schliefsen einegeschichtliche Beobachtung (Ursprung dergriechischen Schrift aus dem semitischenOrient) an die historisch umgedeutete Sagean. Vgl. Sp. 871. Doch mag auch an dieφοτνικογράφοι-γ ) auf kleinasiatischen Inschriftenerinnert werden {Athen . Mitteil. 14, 254. 11,288), deren Name auf die Palmblätter alsSchreibmaterial für apollinische Weissagungenund Tempelakten gehn wird ( Birt, Buch®.51. Eieis, Sibyll. Bl. S. 56 4 ). Für die spätereZeit war dies der Kern der Kadmos-Sage,wie es denn auch auf tyrischen Münzen (obenSp. 871% 20) zur Darstellung kommt.
131. Die übrigen, mythologisch wenig er-giebigen Lokalbeziehungen scheinen meist vonboiotisch - ionischen Bevölkerungselementen ge-tragen zu sein (nr. 75. 89 ff. Rhodos , Priene,Milet ); zum kleinen Teil beruhen sie auf Kon-
*) So schlagend richtig, von der Koseform Άιροιί.Αφρεία ansgehend, Joh. Baunack, Stud. a. d. Geb. des Gr.u. Ar. 1, 66 ff. Über Europa bin ich anderer Meinung.
**) Dafs aus dem Ägyptischen für diese Namen keineerträgliche Deutung beigebracht ist, bestätigte mirE. Meyer auf meine Anfrage.
***) [Auf diesem Punkte berühren sich die Re-sultate des Verfassers mit den weitblickenden Ver-mutungen von ü. v. Wilamowitz (Hermes 21 S. 106 1 , vgl-Hom. Unters. 130. Herakles 1, 38 73 und Maafs, Hermes23 S. 79'). Nur das „Entstehen“ der Eigur des Kadmos in Milet oder überhaupt in Kleinasien kann nicht zu-gegeben werden: die Grundlagen sind boiotisch-del-phisch. Bei O. Müller , Orchem. 112. II. D. Müller , Myth.d. gr. St. 1, 305 JT. Studniczka S. 57. TGpjfer, AU. Geneal.294 wird die (nach Η. I). Müller in Kreta vollzogene)Verknüpfung des K. mit dem griechischen Heros Phoinixund dessen „Gleichsetzung mit dem Eponymos desStammes“ als Grund seines Phoinikertnms angenommen.Dabei bleibt aber als unerklärter Best die Krage, wes-halb man jenen semitischen Stamm gut griechischPhönizier genannt hat. Auch scheint Kadmos nichterst von den Historikern aus dem fernen Osten ab-geleitet zu sein; die Genealogieen (Kataloge) haben ähn-lichen Sinn.]
t) Schon im Altertum wurden die Φοινικηία γράμ-ματα so gedeutet, vgl. Phot. (Suid.) s. v.: Avdoi z«:Ίωνες τα γράμματα {Φοινικηία καλεϊοΙΙαι λεγουοιν) αΤΙ»Φοίνικος τού Αγήνορος του εΰρόντος- τούτοις 41 ανϊυλέγονοι Κρητες ώς εύρεση οτίο τού γράψειν εν φοινίκωνπ'ετάλ.οις- Σχάμων όε . . . ύπ'ο Φοινίκης της Αττωι-οίνος κτλ.
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