Kaiserkultus (Apotheose) 908
Streng hielt Tiberius auf die Pflege desKultus des Divus Augustus. Br bestrafte dieKyzikener wegen incuria ceremoniarum Au-gusti, Marquarcl, Cyzicus u. s. Gebiet p. 82.E. Curtius, Monatsber. d. Kgl. Pr. Äk. d. W.1874 p. 11. Beurlier p. 30 f. Für seine eigenePerson duldete er in Rom keinerlei göttlicheVerehrung. Den Asiaten erlaubte er, ihm zu-sammen mit seiner Mutter und dem Senat inSmyrna einen Tempel zu bauen, der Provinz His-pania ulterior schlug er es ab; Priester des Tibe-rius sind im Occident nur in einigen italischenStädten zu finden, Mommsen, B. St.-B. 2 2 , 2p. 734 Anm. 3. Hirschfeld p. 9 —10; für dieVerehrung des Tiberius, Drusus , Germanicusund dessen Familie im Osten s. Hertzberg 2p. 16—19. Die Konsekration der Livia ver-hinderte er, erst durch Claudius wurde sievollzogen, Hirschfeld p. 12. Mommsen 2 2 , 2p. 806 Anm. 9. Er selbst wurde ebensowenigkonsekriert wie Gaius, der sich in wahn-sinniger Selbstvergötterung gefiel, Beurlierp.37—38. Erst der blödsinnige Claudius , demzu Lebzeiten ein Tempel in Camoludunum er-richtet wurde, erlangte wieder die Ehre derKonsekration, die dadurch an Ansehen nichtgewann, Mommsen, B. St.-B. 2 2 p. 735. Prellerp. 776. Beurlier p. 33; vgl. über SenecasSatire die Apokolokyntosis Merivale, Gesch. derBomer unter dem Kaisertum 3 p. 431 — 434.Sein Kult lag den Sodales Augustales ob, dienun offiziell sodales Augustales Claudialesheifsen, Marquardt 3 p. 451. Nicht konse-kriert wurden Nero, Galba, Otho, Vitellius ; wohlaber Vespasian , zu dessen Kult die SodalesFlaviales eingesetzt wurden, die, als ihnenauch die Verehrung des apotheosierten Titusübertragen wurde, sodales Flaviales Titialesgenannt wurden, Marquardt 3 p. 451. Domi-tian , welcher sich in den Schriftstücken,welche seine Privatbeamten in seinem Namenabfafsten, als dominus et deus noster be-zeichnen liefs ( Feldbausch p. 232), ohne dafsdiese Bezeichnung offizielle Gültigkeit erlangte{Mommsen, B. St.-B. 2 2 , 2 p. 736 Anm. 1),wurde nicht konsekriert; er baute das templumDivorum Vespasiani et Titi und machte dasPrivathaus des Vespasian zu einem templumgentis Flaviae, Preller p. 778. Nerva, Tra-jan, Hadrian erhielten die Konsekration,letzterer nicht ohne anfänglichen Widerstanddes Senats; zu seinem Dienste wurden diesodales Hadrianales eingesetzt ( Marquardt 3p. 452, Labus, Museo della r. aec. di Mantova2 p. 50 Anm.), 1 wie zum Kulte des apotheo-sierten Antoninus Pius die sodales Anto-niniani, die für dessen Nachfolger beibe-halten wurden, Marquardt 3 p. 452—453.Unter diesen knüpfte Septimius Severus ,der auch die Konsekration des Commo-dus und Pertinax beim Senate durch-setzte, insofern an die eigentlichen Anto-nine an, dafs er sich, ähnlich wie Augustusals Sohn des Divus Caesar, als divi Marcifilius bezeichnete, Mommsen, B. St.-B. 2 2 , 2p. 735 Anm. 3. Wie die Kaiser wurden auchdie Kaiserinnen in der Regel konsekriert.Auch einzelne andere Angehörige des Kaiser-
hauses erhielten die Ehre der Apotheose, -wieDrusilla die Schwester des Gaius, Claudiadie Tochter Neros , Iulia die Tochter desTitus, Marciana die Schwester Trajans , Ma-tidia die Mutter der Sabina {Mommsen, B.St.-B. 2’, 2 p. 805 Anm. 8), Maesa die Grofs-mutter des Severus Alexander , Hirschfeldp. 13. Domitilla, die Tochter des Vespasian ,wurde konsekriert, obgleich Vespasian beiihrem Tode noch nicht Kaiser war, Mommsen2, 2 p. 805 Anm. 8. Von den Prinzen deskaiserlichen Hauses, von denen Gaius undLucius Caesares nach ihrem Tod einen Tempelin Nemausus, Germanicus und Drusus jun.Priester in einigen julisch-augustischen Kolo-nieen Südfrankreichs und Spaniens hatten, isterst Domitians Sohn, dann der Sohn des Gal-lienus, der Caesar Valerianus, und Romu-lus , der Sohn des Maxentius, konsekriertworden, Hirschfeld p. 13 — 14. Mommsen,B. St.-B. 2 2 , 2 p. 806 Anm. 8 zu p. 805.Beurlier p. 36. Konsekriert wurde auch derVater des Trajan, Divus Traianus Pater,und Marinus, der Vater des Philippus Arabs ,Beurlier p. 35. Die Konsekration wurde auchunter den christlichen Kaisern beibehalten.Für die Verehrung des Kaisers bei Lebzeitenthat einen wichtigen Schritt Aurelian , dersich auf seinen Münzen als deo et dominonato Aureliano Aug. huldigen liefs, Eckhel,D. N. V. 7 p. 482. Mommsen, B. St.-B. 2 2 , 2p. 737 u. Anm. 1.
Uber die Bezeichnung der konsekriertenKaiser als Divi siehe Cardinali , Diplomi im-periali diprivilegj accordati ai militari. Velletri 1835. 4°. p. 100—103.[
Über die Zahl der divi und divae schwanktman. Listen derselben findet man bei Mar-quardt 3 p. 446—447. E. Hesjardins, Le cultedes divi et celui de Borne et d’Auguste, Bernde philol., de litt, et d’hist. anc. 3 1879 [p. 33— 65] p. 43—49. Böbert Mowat, La DomusDivina et les Divi, Bull, epigraphique [5 1885p. 121 — 240. 308 — 316] 6 p. 31 — 36, p. 137„Essai de restitution d’un eatalogue generaldes personnages divinises ä l’epoque imperial“u. Suppl. 6 p. 272 — 278. Beurlier, AppendiceA p. 325 — 331; vgl. auch Marini, Atti idFratelli Arvali p. 387. Henzen, Acta FratrumArv. p. 148. Mommsen, B. St.-B. 2 a , 2 p. 805Anm. 7. 8. Cagnat, Cours elementaire d’epi-graphie c. 8 § 3 „Titre des empereurs et desmembres de la famille imp. apres leur mori“,Bull, epigr. 4 p. 246—248, sowie die Konse-krationsmünzen der einzelnen Kaiser beiEckhel und Cohen.
Über die Apotheose ist eine reiche Litte-ratur vorhanden, vgl. Jo. Alb. Fabricius ,Bibliographia antiquaria ed. 2 p. 268·—260.Claudius Guichard, Funerailles et diversesmanieres d’ensevelir les Bomains, Grecs etautres nations, tant anciennes que modernes.Lyon 1581. 4°. Jo. Kirchmann, De funereBoman. L. 4 c. 13 ff. Jac. Gutherius, De iureManium . .. libri LII. Paris 1615. 4° liber II,Panvinius, Commentarii in Fast. L. II. Vos-sius, De idololatria lib. I c. 12. Jul. Caes.Bulenger, De imp. Born. L. I c. 6. 7. 10.