Band 
Zweiter Band, erste Abteilung. Iache - Kyzikos.
Seite
923-924
JPEG-Download
 
  

923

Kalchas

Kaie

benachbarter Weissager, dafs er von dem Weinenicht trinken werde. Nachdem der Wein ge-keltert war, lud Kalchas unter andern Gästenauch den Weissager ein. Schon hielt Kalchasden vollen Becher in der Hand, da wiederholteder Seher seine Weissagung; Kalchas brachdarüber in Lachen aus und erstickte, bevor ergetrunken, Sera. V. Ecl. 6, 72. (Cr. Schnitze,Euphorionea 50ff. Knaack, Jahrb. 1888 150ff.Immisch 149.) Kallinos erzählte, Kalchas seiin Klaros gestorben, seine Begleiter aber,die von Troja mit ihm gezogen, seien mitMopsos über den Tauros gezogen und zumTeil in Pamphylien geblieben, zum Teilweiter gegangen bis nach Kilikien, Syrien und Phönikien, Strab. 14, 668, vgl. Herodot7, 91. Paus. 7, 3, 4. Qu. Sm. 14, 367. Pam-phylier, die mit Kalchas von Troja abzogen,bildeten einen Teil der Bevölkerung von Ery-thrai, Paus. 7, 3, 4; daher das Bild desKalchas auf einer Münze dieser Stadt, Mionn.3, 130. [Die Münze zeigt nicht das Bild desK., sondern den Beamtennamen ΚΑΛΧΑΣ.Dagegen sieht Svoronos, Έφημ,. άρχ. 1890Sp. 165170. Pinax 8, 2931 das Haupt desKalchas (nr. 29) und das seines Sohnes (nr. 30.31),, nach welchem laut Hesyeh. Mil. § 21.F. H. Cr. 4 p. 150 Chalkedon benannt ist, auf'älteren Münzen dieser Stadt. Eckhel 2 p 411.Mi. 2 p. 421. S. 5 p. 25. Leake, Num. Hell.Äs. Gr. p. 40. Ilead p. 438 lassen diese Häupterunbenannt, während Warwick Wroth, C. Gr.C. Brit. Mus. Pontus, Paphlagonia, Bithynia p. 124 an Zeus und Apollon denkt. Drexier.]Sophokles in der oben erwähnten Tragödieverlegte mit andern den Wettstreit des Kal-chas und Mopsos und seinen Tod nachKilikien, das er Pamphylien nannte, Strab.14, 643. 675. In Pisidien soll Kalchas dieStadt Selge gegründet haben, Strab. 12, 570.Eustath. Dionys. Per. 858, ebenso Kalchedon amthrakischen Bosporos (wohl wegen der Namens-ähnlichkeit, richtiger Maafs, Herrn. 23, 619;doch vgl. Immisch 158 nr. 2), Hesyeh. Miles.in Müller, hist. gr. fr. 4, 150, 21. Auch in Italien ,in dem frühzeitig gräcisierten Apulien (Daunien),zeigte man ein Grab und ein Traumorakel desKalchas auf dem Gipfel des Hügels Drion; amPufse desselben war das Grab des Podaleirios.Ebenso war in Siris in Lucanien ein Grab desSehers Kalchas, den Herakles durch einenPaust-schlag getötet haben sollte, doch will Tzetzesdiesen nicht für den Thestoriden, der in Argos begraben sei, anerkennen: Lylcophr. 978 ff.1047 ff. nebst Schot, und Tz. Strabo 6, 284.Preller, Gr. M. 2, 480. 482 f. [Rohde , Psyche1, 175. Immisch 158ff. Wahrscheinlich liegtder Sage eine Umbildung des einheimischenKönigs Kalehos zu Grunde (vgl. Kaiehos).] Tzetz. Posthorn. 666 beschreibt den Kal-chas als klein und schmächtig, von weifserHaut, mit dichtem grauem Haar und ganzweifsem Bart. Ein Bruder des Kalchas warAlkmaon, 11. 12, 394, Schwestern desselbenLeukippe und Theonoe, welche ihr Geschickauch nach Kleinasien führte, Hyg. f. 190. VonSchot. II. 13,45 wird Kalchas unter die Heroldevor Troja gerechnet. [Bildliche Darstel-

lungen des K. finden sich auf dem Gemälde desTimanthes (s. Iphigeneia u. vgl. Helbig , Wand-gemälde nr. 1304 u. 1305, wo auch weitereLitteratur angegeben ist), ferner auf der TabulaIliaca C. I. Gr. 6125; vgl. auch Arch. Ztg. 4286 (?). 9, 103*. R.] [Stoll und Immisch.]

Kalcliedonia (Καλχηόονία), von Zeus Mutterdes Solymos, von dem die Solymer stammtenAntimachos b. Schot. Od. 5, 283 fr. 16 b!Bergk, P. LA 2, 292. Bei Steph. B. v. IlunSlttheifst sie Χαλδήνη. [Stoll.]

Kalcliinia (Καλχινία), Tochter des KönigsLeukippos in Sikyon, welche dem Poseidon den Peratos gebar. Leukippos erzog denPeratos und hinterliefs ihm die Herrschaft,Patts. 2, 5, 7. Lauer, System 391. [Stoll.]

Kalehos (Κάλχος), König der Daunier, Ge-liebter der Kirke, die ihn jedoch, als sie mitOdysseus Umgang pflog, nicht mehr auf ihrei Insel liefs. Seinem Andringen nachgebend,lud sie ihn endlich zum Mahl und verzauberteihn durch Vorgesetzte Speisen. Als nacheiniger Zeit ein Heer der Daunier, den Königsuchend, bei Kirke erschien, gab sie ihn zu-rück gegen das Versprechen, dafs er ihre Inselnie mehr betreten und von jeglicher Werbungabstehen wolle, Parthen. 12. (Vgl. Kalchas.)

[Stoll.]

Kaie (Καλή), 1) eine Nereide, C, I. Gr. 4 nr.8406.i [2) Eine der 3 Chariten (= Aglaia), Schwesterder Pasithea und Euphrosyne, von Teiresias [dem Schüler des Cheiron in der Mantik,Tümpel], in einem Schönheitswettstreit mitAphrodite für die Schönste erklärt. [Als Tei-resias von der erzürnten Aphrodite in ein'altes Tagelöhnerweib verwandelt wird, spendetK. diesem zum Tröste schönes Haupthaar undführt es nach Kreta ; vgl. c Nachträge zu Bd. Πu. 'Arachnos. Tümpel]: Sostratos b. Eustath.

» zu Hom. κ 492; vgl. R. Wagner im Hermes 27(1892) S. 132 u. 136, der an Hom. Σ 382f. er-innert. Roscher.] 3) [ΚΑΛΗ als Beischrift einerBakchantin fafst Heydemann, Satyr- u.Bakclm-namen A, T, W, f. κ nicht als Namen der-selben p. 12 Anna. 43; vgl. O. Jahn , Vasenbilderp. 18 Anm. 27. 4) Stephani, Der ausruhendeHerakles p. 16 sieht auf einem Vasengemäldeden Gedanken, dafs die wahre Glückseligkeitin reichlichem, mit Liebesgenufs verbundenem(Mahle, in Gesundheit, langem Leben undSchönheit besteht, dadurch ausgesprochen, dafsEudaimonia von Pandaisia mit herzuschweben-dem Eros, von Hygieia, Polyetes und Kaie um-geben ist; ebenso fassen das Bild Minerom,lllustr. di un vaso di Ruvo 1845 und de Witte,Rev. arch. 2 p. 550 ff. Elite ceramogr. 2 p. 61.Arm. dell Inst. 17 p. 414 ff. Auch Heydemann,Heroisierte Genrebilder auf bemalten Vasen,Gommentationes philol. in hon. Th. Mommsenii p. 164 Anm. 6 ist nicht abgeneigt auf dieserzweifach {Jahn, Vasen mit Goldschmuck Tf. Π>1. 2 u. 3. 4 = Brit. Mus. 1263 u. Dred.Antik. 88) erhaltenen Darstellung nulrj ki erim Hinblick auf Hygieia u. s. w. ausnahms-weise als weiblichen Eigennamen (vgl. Anth.Palat. 7, 599 u. a.) zu fassen und zu deuten. 5) Auf einer Hydria fafst de Witte KAIE alsNamen der dargestellten Amazone, de Witte