1171 Kerkopen
und Phrynondas; vgl. auch Apul. Apol. 81:quis Palamedes, quis Sisyphus, quis deniqueEurybates aut Phrynondas talern excogitavisset?Aristoteles (fr. 73 der Berliner Ausg. ausApostol. 8, 12 = Suid. V. Ενρνβατος ; vgl.Gregor. Corinth. zu Hermagor , bei Walz, Bhet.gr. 7, 2, 1277 und Eustath, p. 1864, 12 ff.) hatvon einem schlauen Dieb Namens Eurybateserzählt, der seinen Wächtern auf listige Weisezu entrinnen wufste; aufser diesem wird be-sonders noch der Ephesier Eurybates (oderEurybatos) angeführt·, der an dem KönigKroisos zum Verräter wurde ( Ephoros fr. 100aus Harpokr. s. v. Ενρνβάτης. Apostol, 8, 12;vgl. Biod. 9 exc. 32. Eustath. und Gregor.a. a. 0. Schol. Aesch . 3, 137 und Hesych. s. v.Αημοκλεΐδαι u. a. St.). — Nikander (bei Apostol.8, 12) bezeichnet einen Eurybatos aus Aigina (? Überlieferung unsicher) als Erzschurken.Alles dies kann die Echtheit des Kerkopen-namens Eurybatos nicht stützen, dürfte sievielmehr im Gegenteil verdächtigen. Tm Schol.Luk. Alex. 4 (= Bachmann, Anecd. 2, 340;vgl. auch Cramer, Anecd. 3, 413) werden dieBrüder Sillos (Syllos) und Triballos genannt(diese Namen sind auch in den daselbst angeführ-ten Vers des Diotimos geraten; anders urteiltMeineke, fragm. com. 5, 15); Sillos bedeutetden Spötter, Triballos nach Hesych. s. v. denSykophanten. Drittens werden die Namen An-dulos oder Kandulos und Atlantos (Atlas)angeführt und als Gewährsmann dafür Aischinesaus Sardes (έν τοΐς ιάμβοις) citiert ( Lobecka. a. 0. p. 1302 schlägt vor, dafür Aischrionzu setzen, wogegen sich Bernhardy, Gr. LA2, 1, 54'6 ausspricht). Andulos und Atlantosgeben Harpokr. s. v. Κέρκωψ. Apostol. 9, 64.Photius s. v. Κέρκωπες, Kandulos und Atlas:Suid. s. v. Κέρκωπες. Auf Grund von Hesych. v. Κάνδωλος: κακούργος ληστής möchte manKandulos für die richtigere Form halten. Esbleiben noch die Namen Passalos (der Nagel)und Akmon (der Ambofs) übrig, welche vonNonnos (s. o. = Eudokia) und Tzetz. Chil. 5,74 (hier statt Akmon wohl irrtümlich Aklemon)überliefert werden; Akmon ist auch der Nameeines der idäischen Daktylen, mit denen dieKerkopen ebenso passend zusammengestellt wer-den konnten, wie mit den Kyklopen (Et. M.κερκωπες' οντω προτερον εκαλούντο οί Κύκλω-πες) oder den Teichinen (Ael. hist, anim, 6, 58:Σιονφον και Κερκώπων και Τελχίνων ξηλωταί)oder den Molioniden (Tzetz. Chil. 5, 76);Loheck a. a. 0. 1296 vergleicht sie mit denKobaloi (s. d.); sie alle sind Vertreter derniederen Geisterwelt in der griechischen Sage.
Auch der Name der Mutter, die eine sobedeutsame Rolle in der Kerkopensage spielt,wird verschieden angegeben. Th eia, TochterdesOkeanos,heifst si eZenob. 5,10. Tzetz. zuLyk.91. Eustath. Hom. 1864, 34 und in der obenangeführten Erzählung des cod. Coislin. nr. 177,auch im Schol. II. ω 315 nach Lübecks (p. 1299)Konjektur (Θείας υιούς für θιάσους). Memno-nis heifst ihr Name bei Suid. s. v. Κέρκωπες.Tzetz. Chil. 5, 77 und Nonnos a. a. 0. (fiberl.Μήμωνις). Verdorben ist wohl die Lesart Λίμνηςνίοί bei Suid. s. v. Μελαμπύγον τύχοις (= Phot.
Kerkopen 1172
s. v. und Apostol. 11, 19); wertlos ist die Notizdes Etym. Μ. v. κέρκωπες: έκλή&ησαν . . . .■η άπο μητρος Κερκώπης ( Bekker , Anecd. 1,271, 21 Κερκώπη: ονομα εταίρας). Der NameTheia scheint von den angegebenen am bestenbezeugt.
Die Kerkopen sind mehrfach in der griechi-schen Komödie verwertet worden (Bekker,Anecd. 1, 271, 14 Κέρκωψ 6 έπι πονηριά κω-μωδούμενος ); allerdings ist es nicht bei allenStücken sicher, ob sie das Heraklesabenteuerdargestellt oder unter dem Namen der Ker-kopen Lug und Trug gegeifselt haben; das ersterewürde wohl mehr der Stoff für ein Satyrdramagewesen sein. Am häufigsten citiert werdendie Κέρκωπες des Hermippos (vgl. Meineke, fr.com. 1, 94. 2, 393); Herakles tritt auf in denΚέρκωπες des Eubulos (Meineke 1, 363. 3, 229;vgl. fr. 2 aus Athen . 10, 417 a ); die Ξάντριαιdes Platon führen auch den Titel Κέρκωπες(Suid. v. Πλάτων und Eudokia p. 358; vgl.Meineke 1, 1.76. 2, 646); die Κέρκωπες desMenippos (Suid. s. v. Eudokia p. 302) beruhenvielleicht nur auf Verwechslung mit Hermippos(Meineke 1, 494). Endlich hat Iiratinos derΚέρκωπες in seinen Αρχίλοχοι Erwähnung ge-than (fr. 14 Meineke 2, 24 aus Schol. Luk,Alex. 4 cod. Vindob.). Bergk, comment. decom. antiqu. 24 vermutet, dafs sie bei ihmSillos und Triballos geheifsen haben.
Die Kerkopen werden allgemein als πονη-ροί, ·φενσται, έξαπατητήρες und κόλακες ge-schildert; vgl. aufser dem oben citiertenHomerfragment Suidas, Photius, Hesychius s. v.,Eustath. Cd. 1864, 32. Im Etym. M. s. v.wird der Name deswegen von κέρδος (διά τοκερδαλέον) abgeleitet; vgl. Festus p. 56: cer-copa Graeci appellant lucrari undique cupien-tem, quasi κέρδωνα, quem nos quoque lucrionemvocanius. Daher wurde αγορά Κερκώπων (s.oben) sprichwörtlich von den Schelmen gebraucht (Zenob. 1, 5. Biogen. 1, 5. Apostol1, 18. Gregor. Cypr. Mosqu.^ 1, 3 Macar. 1, 4)und κερκωπίξειν für άπαταν gesagt; man er-klärte dabei den Ausdruck etymologisierendmit κέρκφ προαααίνειν (Zenob. 4, 50. Biogen.5, 51. Apostol. 9, 64. Gregor. Cypr. Leid. 2, 47.Hesych. s. v. Etym. M. s. v. Eustath. Od.1864, 32). Endlich lautet bei Aesop. prov. 4(Paroem. 2, 228) ein Sprichwort: ξητων Έρ-μήν^γλύφαι Κέρκοπα (sic) ΐγλνψα.
Über die Kerkopen hat am besten Lobeck,Be Cobalis et Cercopibus, wiederholt im Aglao-phamus p. 1296ff., gehandelt. Über die Kunst-darstellungen sind zu vergleichen 0. Müller,Handbuch d. Arch. § 411, 4 und Borier 2 1,460. Welcher, Ber epische Cyclus 2 1 , 383Anm. 675. Gerhard, Auserl, Vasenb. 2, 86 ff.,besonders aber Benndorf , Metopen von SelinuntS. 46 [s. auch Heydemann im Jahrb. d. Arch.Inst. 1 S. 281. R.] und Furtwängler im ArtikelHprakles in der Kunst Bd 1 Sp. 2214 f. und 2233,worauf hier verwiesen werden kann. Mit Un-recht ist früher die Darstellung bei Hancar-ville 3, 88 (Herakles überbringt dem Eurystheuszwei affenartige Wesen im Käfig = Pygmäen?)und Millingen, peint. d. vas. pl. 35 (Satyrnentwenden dem Herakles die Waffen) auf die
io
20
30
4,0
50
60