1333 Kora u. Demeter (Unterweltgött.)
phoros scheint, bereits Züge der Kybele in sichaufgenommen zu haben. — Der 11. Pyanopsion,der erste Tag des städtischen Festes, heifstάνοδος (Schol. Ar. Thesm. 80; Phot. a. a. 0.;ffesych. s. v. άνοδος-, Alciphr. Epist. 3, 39) ent-weder nach dem Zuge der Weiber von Halimusin die Stadt oder von der Prozession nachdem auf der Pnyx belegenen Thesmophorion;s. oben Sp. 1292. Stengel, Kultusaltert. S. 159nimmt an, dafs an diesem Tage das von Isaios3, 80 erwähnte Festmahl stattfand, welcheswohlhabende Ehemänner den feiernden Weibernzu geben verpflichtet waren. — Der folgende12. ist die bei Aristophanes geschilderte Μέαηoder Νηοτεία. Dieser Tag wurde als Fasttagbegangen, Ar. An. 1518; Pint. Dem. 30 (wofälschlich der 16. genannt ist); Plut. de Is. etOs. 69; Schol. Ar. Thesm. 80; Phot. a. a. 0.;Alciphr. a. a. 0. — Dafs der Koraraub wirklichmimisch bei dieser Gelegenheit aufgeführtwurde, sagt Clem. Al. Protr. 2, 17, und nachder Analogie von Megara (Paus. 1, 43, 2) ist esauch für Attika sehr wahrscheinlich, s. Bolide,Hermes 21 S. 125. — Auf diesen Tag ist auchdie Versenkung von Schweinen durch einenErdspalt in einen unterirdischen Raum (μέγα-qov) zu legen, die nach Clem. Al. a. a. 0. andie Versenkung der Schweine des Eubuleuserinnern sollte; die Reste der verwesten Tierewurden später von den αντλήτριαι wieder herauf-geholt und sollten der Saat Fruchtbarkeit ver-leihen, Schol. Luc. dial. mer. 2, 1 ( Bhein. Mus.25 S. 549). Auch wurden aus Teig hergestellteμιμηματα δρακόντων και άνδρών οχημάτωνversenkt. — Yon dem letzten Tage endlichwissen wir nur, dafs er ΚαΙΧιγένεια hiefs, s.ob. 8p. 926; die Tänze, welche aufser anderennoch zuletzt Stengel a. a. 0. an ihm nach Poll.On. 4, 100 stattfinden läfst, sind weder fürdiesen Tag, noch überhaupt für die Thesmo-phorien bezeugt. Aus dem Namen folgt nur,dafs es sich um die Erzeugung einer gutenNachkommenschaft handelte, und aus diesemGrunde mag an ihm auch das ζημία ( Hesych.s. v.) genannte Opfer, νπέρ των γινομένων,stattgefunden haben; so wird auch Persephone0. I. G. 2388 angerufen.·
ΙλαΑι π äai μάκαιρα ποΧνΧΧίατη δε πόΧηϊκουραις και κονροις τοΐς και έπεοοομένοις.Von Euboia hebt Plut. Qu. gr. 31 besondershervor, dafs die Καλλιγένεια hier nicht an-gerufen wurde. —
Die neuere Litteratur über das Thesmo-phorienfest s. bei Stengel a. a. 0. S. 158f.
F. Demeter und Persephone als Göttinnen derUnterwelt.
Die Unterwelt ist das Gebiet, auf welchemsich die Annäherung und Verbindung der beidenGöttinnen, der Erd- und der Mondgöttin, voll-zogen hat. Demeter verkörperte die im Erd-inneren wohnende Triebkraft, und so wurdeihr Sitz dem Totenreiche benachbart gedacht.In ihr erscheint dieselbe Wesensseite der chtho-nischen Götter, welche sich in dem Namen desUnterweltgottes Pluton ausspricht, während Per-sephone , die Mondgöttin, auf die düstere Seite deslotenreiches, die ewige Nacht, hinweist gleich
Kora u. Demeter (Unterweltgött.) 1334
dem finsteren Hades. Die doppelte Funktion derchthonischen Gottheiten — „den Lebenden seg-nen sie den Anbau des Ackers, die Zucht der Fel d-früchte und nehmen die Seelen der Toten auf inihre Tiefe“, Bohde, Psyche S. 191 (s. auch be-sonders K. 0. Müller in Ersch u. Gruber, Allg.Encyhl. 1,33 S. 292ff.) — haftete ursprünglichnur an Demeter und Zeus Chthonios, währendnoch Persephone und Hades einseitig als die1 furchtbaren lebensfeindlichen Herrscher desTotenreiches galten. Es kreuzten sich alsohier zwei verschiedene Auffassungen der Unter-welt; nach der einen wurden die Toten vonden freundlichen Spendern des Erdensegensaufgenommen, nach der anderen versankensie in trost- und lichtlose Nacht. Man setztenunmehr die beiden Unterweltgöttinnen in dasVerhältnis von Mutter und Tochter, währendin wahrscheinlich älterer Genealogie Persephone i eine Tochter der Styx , Apollod. 1, 3, 1, oderals Daeira (s. d.) eine Schwester derselbenhiefs (vgl. Preller, Dem. u.Pers. S. 7 ff), und ent-wickelte daraus, indem man die Funktion alsTotenbeherrscherin fast ausschliefslich auf dieTochter beschränkte, den Mythus vom Koraraube.
Demeter trat in dieser Beziehung immermehr zurück. Es ist ein gelehrter, aber ver-einzelter Einfall des Dioscurides, wenn erAnih. graec. 1,499 statt des üblichen sv”AiSoneinmal sv Agov.g sagt. In Athen nannte mandie Toten Atjyrjtpeioi nach Plut. de fac. inorb. lun. 25. In Sparta bildete ein Opfer anDemeter den Abschlufs der zwölftägigen Trauer-zeit, Plut. Lye. 27. — Ein nach Rom über-tragener attischer Brauch war es, nach derBeerdigung das zugeschüttete Grab mit Kornzu besäen, Cic. de leg. 2, 63. Dafs die inRom der Ceres dargebrachten porca praeci-Manea und praesentanea (?), Gellius, Noct. Att.4, 6. Festus p. 273. 330 (Theivrewk) der Unter-weltgöttin galten, hat Preller, D. u. P. S. 200richtig erkannt, s. Bd. 1 Sp. 864 ff. AlsSchützerin des Grabes finden wir Demeterneben Kora und den chthonischen Göttern(C. I. G. 26), und ein anderes Mal neben Plu-ton, Persephone , den Erinyen und den übrigenunterirdischen Göttern (C. I. G. 916). Die In-schrift ist durch die bildliche Darstellung er-setzt am Denkmale der Haterier, Benndorf -' Schöne, Lateran nr. 359; s. Sp. 1341. AlsUnterweltgöttin führt Demeter — die Genossindes Zeus Chthonios, Hes. op. et d. 465 — denBeinamen Chthonia besonders in den Kultenvon Sparta (Paus. 3, 14, 5) und Hermione (s. ob.Sp.1295); auch Chamyne, ihr Beiname in Olym-pia, gehört hierher. Ein Relief aus Gythion,auf welchem Demeter und Persephone im Typusdes eleusinischen Kultbildes dargestellt sind,giebt ihnen den Kerberos bei. — Oft ist De-i meter mit Unterweltgöttern im Kulte gepaart,so mit Zeus Buleus oder Eubuleus, Tropho-nios, mit Hades, Hermes und dem ursprünglichgleichfalls chthonischen Asklepios; man ver-gleiche die Kulte von Lebadeia, Eleusis ,Korinth, Hermione, Epidauros , Lako-nien, Pvlos, Kleitor, Mykonos , Arnor-gos, Knidos, Athymbra u. a. m. — Auchunter den Kultgebräuchen zu Ehren Demeters