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Zweiter Band, erste Abteilung. Iache - Kyzikos.
Seite
1335-1336
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1335 Kora τι. Demeter (Unterweltgöttin)

finden sieb so manche, die auf die chthonischenBeziehungen hinweisen. Vorzüglich wurde dieGöttin an Stätten verehrt, wo ein Eingang indie Unterwelt gedacht wurde, so in Eleusis ,Tainaron, Pheneos und zu Syrakus anderQuelle Kyane. Die Benutzung unterirdischerKäume (μέγαρα) an ihren Festen, wie wir sieaus Potniai in Boiotien, aus Lykosura und von dem athenischen Thesmophorienfestekennen, läfst ebenfalls die Unterweltgöttin inDemeter erkennen.

Schärfer ausgebildet, besonders auch durchden Mythus, sind diese Beziehungen bei Perse-phone , bei welcher aber wiederum der Grund-begriff, aus dem sich jene entwickelt hatten,vollständig verblafste. Abgesehen vom Namenzeigt Persephone nur noch wenig Spuren derMondgöttin; bei Epicharm (bei Varro del.l. 5,68)führte sie den Beinamen Selene . Nach Aristocles(bei Porph. v. Pyth. 41, vgl. Clem. Al. Strom. 5,51)nannte Pythagoras die PlanetenHunde derPersephone . Die anderen Mondgöttinnen wur-den zu Schwestern der Persephone gemacht, soArtemis , von Aeschyl. bei Hdt. 2, 156, Hekatevon Eurip. Ion 1048. Schol. Theocr. 2, 12.Schol. Ap. Bhod. 3, 467; vgl. Soscher, SeleneS. 48; über den orphischen Synkretismus vonArtemis, Hekate und Persephone (Procl. inCratyl. 112. Schol. Theocr. 2, 12); vgl. Loheck,Aglaoph. S. 543 ff. Als Unterweltkönigin nebenHades thronend gewann Persephones Gestaltwie die ihres Gatten mehr im Mythus als imKulte Bedeutung. In der Ilias und der Odysseeist sie die furchtbare Herrscherin der Unter-welt, die κ 509 αίβεα Περοεψονείας genanntwird; sie verleiht dem Teiresias das Bewufst-sein, κ495, 1 635. Dafs sie besonders über dieSeelen der Weiber herrscht, betont l 386. AlsErfüllen», der Verwünschungen erscheint siemit ihrem Gemahle und ihren Dienerinnen, denBrinyen (Bd. 1 Sp. 454ff. 569ff.), welche nachorphischer Vevsiou sogar ihre und Hades Töchtersind (Orph. hymn. 29, 6; 68, 7; 69, 3. Serv. adVerg. Aen. 1 , 82); ihre Anrufung bei Verwün-schungen bezeugt auch C. I. G. 538. DasGorgonenhaupt hütet sie, λ 634.

Schon frühzeitig wird aber die Gestalt derPersephone, wie auch die des Hades (s. Bd. 1Sp. 1785ff.), durch die Ankindung an Demeter gemildert. Auch in Darstellungen, in welchensie uns als Unterweltkönigin entgegentritt,wird durch das Attribut der Ähren schon inarchaischer Zeit die segensreiche Funktion derchthonischen Götter angedeutet, so auf demTerrakottarelief von Lolrroi Epizephyrioi, dassie neben Hades thronend zeigt (s. Bd. 1Sp. 1797), und auf schwarzfigurigen Vasen-bildern mit der Bestrafung des Sisyphos(Gerhard, A. V. B. Taf. 40, s. unten Sp. 1343)und dem Kerberosabenteuer des Herakles, Gar-giülo, Coli, of the Nat. Mus. 3 Taf. 30; auchein rotfig. Vasenbild des Museo Faina , demletztgenannten sehr ähnlich, ist hier zu er-wähnen. Dafs diese Milderung besondersdurch den Kult von Eleusis ausgebildet wurde,ist höchst wahrscheinlich; doch ist diese Vor-stellung, wie das Beispiel von Lokroi beweist,auch unabhängig von diesem nachweisbar

Kora u. Demeter (Unterweltgöttin) 1336 I

Die Herrschaft über die Toten war und iblieb in der Volksvorstellung die Hauptfunk- 'tion Persephones; besonders charakteristisch j

wird sie von römischen Dichtern bezeichnet alsIuno inferna, Verg. Aen. 6, 138. Stat. Sih.

2, 1, 147. G.I.L. 10,7576; als Iuno AvernaOo. Met. 14, 114. Sil. Ital . 13, 601, oder alsIuno Stygia, Stat. Theh. 4, 526; in einer ähn-lichen Übertragung heilst sie Ceres infernaStat. Theb. 5, 156, und Ceres profundaebda. 4, 460. Der Tod des Menschen wirdals Persephones Werk angesehen, Anth. Gr.

2, 124 (Antip. Thessal.). Verg. Aen. 4, 698,Stat. Silv. a. a. Ο.; κατά χέλενσιν Αεβποίνηςsteigen die Menschen zum Orcus hinab, C. I. G.6657. 6653. 6685. Als Geleiter der abgeschie-denen Seelen ist Hermes der Bote der Perse-phone in dem Epigramme b. Kaibel, Inscr. gr.Sic. et It. 769. Παρά Φεροεφόνην = in derUnterwelt, Anth. gr. 2, 358 (Nicarch.)·, 3, 259.

C. I. G. 808. Kaibel a. a. 0. 641. Recht häufigwerden Grab bezw. Unterwelt als ffdlagos,δώμα , ανλή der Persephone bezeichnet, PindwOl. 14, 20. Isthm. 7, 55. Anthol. gr. 1, 145 (Si-monides); 1, 163 (Empedocles); 2, 313 (Lucian);

3, 291. 311. C. I. G. 800 b . 1653. 2237. 2439;vgl. die Wiesen, Haine, Gefilde der Persephone :Anth. gr. 2,260 (Aristodicus). Kaibel a. a. 0.642.

Wenn nun auch Persephone als streiige,finstere Schattenkönigin die Strafen in derUnterwelt verhängt, so ist sie doch andrer-seits wieder die leicht zur Milde geneigte,die sie besonders in den Erzählungen vonOrpheus und Alkestis bewährte; siehe dieArtikel Admetos, Alkestis, Eurydike und'Orpheus .

Von Attributen, welche Persephone indieser Bedeutung charakterisieren, ist zunächstdes Hahnes, des den chthonischen Göttern, unddarum auch dem Asklepios, heiligen Vogelszu gedenken. Er wird ihr und dem Hadesbezw. den unter dem Bilde dieses GötterpaaresVerstorbenen von Adoranten dargebracht inlakonischen Reliefen Athen . Mitt.2 Taf. 20.22;auf dem mehrfach erwähnten Relief von LokroiEpizephyrioi hält Persephone ihn als Attributin der r. Hand, ebenso in einer von dort stam-menden Darstellung des Koraraubes, Archäol.Zeit. 1870 S. 77, und in einigen anderen grofs-griechisehen Reliefen, s. Baethgen, De vi acsignif. galli S. 19 ff. Den eleusinischen Mystenwar der Genufs seines Fleisches verboten, Por-phyr. de abst. 4, 29. Unter den Pflanzenist der Asphodelos der Persephone heilig,mit welchem die Rhodier ihr und der Artemis (Hekate?) Bild bekränzten, Suidas s. v. άαφο-δελός. Die Cypresse, der noch heute belieb-teste Gräberschmuck, wird als ihr Baum be-zeichnet von Serv. Verg. Aen. 3, 681; derZusatz des Interpolatorspropter luctum mo-rentium trifft jedenfalls das Richtige, vgl.Bötticher, Baumkultus S. 486 ff.

Die mannigfachen Beinamen, mit welchendie griechischen Dichter die Gestalt der Unter-weltkönigin ausstatteten, sind gesammelt vonBruchmann , Epitheta deorum S. 190 ff.

Besonders wurden die Beziehungen beiderGöttinnen zur Unterwelt in den Mysterien-

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