1347 Kora u. Demeter (i. d, Kunst d. Blütez.)
Göttin, die sich der wirklichen Haltung undTracht attischer Bürgerinnen noch ansckliefsendurfte, wie sie auch noch in den Werken derjüngeren attischen Schule thut.“ In diesenWorten hat Welcher, Alte Denkm. 5 S. 118aufs treffendste die Kunstmythologie der De-meter zusammengefafst, und mit demselbenRechte läfst sich dieser Satz auch auf Kora anwenden, wenn man von den Unterweltdar-stellungen absieht. Beiden Göttinnen fehltder männliche Zug, durch den sich Hera, ,Athena und Artemis von ihrem Geschlechteemancipieren und welcher ihrer Erscheinungeinen meist unverkennbaren Stempel aufprägt.Andererseits boten die Ackergottheiten auchkein so ausgesprochenes, dankbares Problemfür den Künstler wie Aphrodite , und wennauch die Ausbreitung des Demeterdienstes diekünstlerischen Kräfte vielfach in Anspruchnahm, so hat doch das Hinarbeiten nach demAusdrucke einer religiösen erhabenen Idee hiernicht zu dem Resultate eines kanonischenIdeales oder weniger in den zahlreichen Ab-wandlungen und Abstufungen immer erkenn-barer Typen geführt. Die Zahl der heut nach-weisbaren sicheren Demeter-und Koradenkmälerin der grofsen Kunst ist recht gering, und höchstcharakteristisch ist, dafs die bei anderen Gott-heiten so wichtigen Büsten und Köpfe hierganz zurücktreten. Es is sehr wohl möglich,dafs unter den unbestimmbaren weiblichenKöpfen unserer Museen sich eine ganze Anzahlsolcher befinden, die einst auf Demeterstatuengesessen haben, aber getrennt von den Statuen,der Attribute bai·, fehlt ihnen alles Individuelle,was uns zu dieser Benennung berechtigenkönnte. Versuchen wir es, das wenige Sichere,was wir haben, zu vereinigen.
Fast allgemein ist anerkannt, dafs wir imParthenonostgiebel in den Figuren E undF bei Michaelis (abgeb. u. a. bei Michaelis,Parthenon Taf. 6 E. F.; Overbeck, Atlas zurK.-M. Taf. 14, 18; Murray·, Hist, of anc.sculpt. 2 Taf. 4; am besten bei May et, Monum.d. l’art ant. 1 nr. 32 und bei Brunn-Bruchmannnr. 188) das eleusinische Göttinnenpaar zu er-kennen haben, vgl. Michaelis, Parthenon S. 168;Petersen, Kunst des Phid. S. 122 ff.; Overbeck,Kunstmyth. 3 S. 422, Plastik 3 1 S. 305; Mur-ray a. a. 0. S. 72; llayet a. a. 0. Die Göttinnen,ganz gleich gekleidet, sitzen auf viereckigen,lehnelosen Stühlen; die eine, von allen aulserllayet Kora genannt, legt die 1. Hand auf dier. Schulter der anderen. In diesem Motive,sowie in dem Umstande, dafs man die Mutterder Mitte näher setzte, um ihr die volleren,mächtigeren Formen verleihen zu können, liegendie jetzt noch allein wahrnehmbaren Merkmaleeiner Unterscheidung; früher mögen noch solchedurch Attribute hinzugekommen sein. Im gan-zen spricht sich aber aus dieser Gruppe die Auf-fassung beider Göttinnen als eines Paares aus,dessen Elemente völlig gleichberechtigt sind.
Ungefähr derselben Zeit wie diese Gruppeentstammt (Abb. 4) das berühmte Relief vonEleusis (abg. u. a. Mon. d. Inst. 6. 7 Taf. 45;Ber. d. sächs. Ges. d. Wiss. 1861 Taf. 5; Over-beck, Atlas zur K.-M. Taf. 14, 8; am besten
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bei Brunn-Bruckmann nr. 7; die Litteraturbei Kekule, Theseion nr. 67; vgl. Overbeck ,K.-M. 3 S.426 f.: Friederichs-Wolters nr. 1182),welches, obwohl von verschiedenen Seitendie Erklärung der Mittelfigur als Iakchos vor-geschlagen wurde (so von Pervanoglu, Bull. d.Inst. 1859 S. 200, Brunn, Bull. d. Inst. 1860S. 69, Welcher, Ann. d. Inst. 1860 S. 4=54fi'.;Alte Denkm. V S. 104 ff.; Baumeister, Denkm.i d. kl. Alt. 1 S. 412), doch für eine sichereDarstellung der Aussendung des Triptolemosgelten darf. Ein Zweifel darüber, wie sichdie Namen hier auf die beiden weiblichen Fi-guren verteilen, dürfte jetzt kaum mehr ob-walten. Die Figur links, welche in der Rechteneinen Gegenstand hielt, den sie dem Knabenübergiebt, kann nur Demeter sein, währenddie Figur rechts, welche mit der Rechten demKnaben einen Kranz aufsetzt — wenigstens istdiese Auffassung ihrer Handlung die plau-sibelste — Kora zu nennen ist. Demeter trägt einen langen ärmellosen Chiton, derin starken, steilen Falten herunterfällt;ein kleines Mäntelchen, dessen Enden aufden Schultern aufliegen, und Sandalen ver-vollständigen die Kleidung. Das Haupt istetwas nach der Mittelfigur hin gesenkt. DasHaar reicht in langen regelmäfsig gewelltenSträhnen bis zur Mitte des Halses herab. Dieerhobene linke Hand hält ein Scepter, das miteiner stilisierten Blüte gekrönt ist, währenddie Rechte das Ahrenbüschel gehalten hat,welches Triptolemos in Empfang nehmen soll.Rechts steht Kora, welche durchaus nicht alsmädchenhaft gegenüber der matronalen De-meter charakterisiert ist. Augenfällige Unter-schiede, wie die weichere Fülle des Gesichtesim Gegensätze, zu den schrofferen, trocknerenFormen der Demeter, und der gefällige Flufsdes Gewändes im Gegensätze zu den Steilfaltender anderen, sind nur stilistischer und nichttypologischer Natur; mit Recht hat Otto Jahn ,Popul. Aufs. a. d. Alt. S. 230 f. auf stilver-schiedene statuarische Vorbilder geschlossen.Höchstens können in dem zarten freien Halseuud in dem weniger festen Schlüsse des Chi-tons am oberen Rande Hindeutungen auf diegröfsere Jugendlichkeit dieser Figur erblicktwerden. Sie trägt einen langen feinfaltigenChiton; um den Unterleib und die Beine legtsich das Obergewand, von welchem ein langherabbängender Zipfel über die linke Schulterfällt; besonders beachtenswert ist aber. derdreieckige Hima.tionzipfel, welcher als Über-schlag von der Gürtung hinunterhängt. DerKopf ist noch etwas mehr geneigt als der De-meters; das reiche Haar ist im Schopfe auf-gebunden. In dem 1. Arme lehnt eine grofseFackel; die rechte Hand hält sie über Tripto-lemos’ Haupt, dem sie, nach einem Einsatz-loche zu urteilen, eben einen (bronzenen) Kranzaufgesetzt hat. Wie die Füfse Demeters sosind auch ihre mit Sandalen bekleidet.
Dafs es sich hier nicht um frei für diesesRelief erfundene Typen, sondern uni Ver-wendung schon vorhandener handelt, ergiebtsich aus ihrem Vorkommen in mehreren an-deren Reliefen, Vasenbildern und Statuen.