Band 
Zweiter Band, erste Abteilung. Iache - Kyzikos.
Seite
1399-1400
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βεμνά Κοτντονς οργι εχοντες) unmittelbar dieBegleiter des Dionysos verbinde:der einebläst auf der Flöte das wahnsinnbringendeLied, der andere lärmt mit den Cymbeln, dabeierschallt das Lied zum Saitenspiel, dazwischenschreckliches Stiergebrüll von versteckten Mi-men und des Tympanons Laut, unterirdischemDonner gleich. Somit waren die Kotytienein orgiastisches, auf Bergeshöhen gefeiertesFest, dessen Gebräuche mit dem ekstatischenDionysoskult so vieles gemein hatten, dafs zueiner Schilderung des Kotysfestes die wesent-lichsten Züge aus jenem verwendet werdenkonnten. Aber auch die Yerwandtschaft derKotytien mit phrygischen Gebräuchen betontStrabon und findet sie bei der Herkunft derPhryger von den Thrakern natürlich, p. 471:ταντα (die Kotytien) ydp εοικε τοΐς Φρνγίοις 'καί ονκ άπεικός γε, ωοπερ αυτοί οI ΦρνγεςΘρακών ατΐαιηοί ειαιν , οΰτω καί τα ιεράεκεΐ&εν μετενψέχ&αι. Aus diesen Wortenschliefst Fiele, Spracheinheit der Indogermanen409, dafs Kotys auch von der Phrygern verehrtworden sei. Da aber Strabon zuvor die Ko-tytien mit dem griechischen Dionysoskultusund dem phrygischen Kybeledienst (nichtKotysdienst) wegen der gemeinsamen orgia-stischen Gebräuche zusammengestellt hat, soist unter τά Ιερά doch wohl nur der Orgias-mus zu verstehen. Als Männername war aller-dings Kotys in Phrygien ebensowohl wie inThrakien gebräuchlich (s. Pape-Benseler,Lex. der Eigennamen ) und hat dieselbe Be-deutung wie der Name der Göttin. Schondas Etym. M. 396, 18. 599, 55 setzt κότνς =κότας, und aut Grund der Zugehörigkeit derThraker und Phryger zu den europäischenIndogermanen zieht auch Fick a. a. 0. 422das griechische κοτέω zürnen und den alt-nordischen Götternamen Hödbr bei, der =ahd. hadu, das in Eigennamen Krieg bedeutet,wie in hadubrand, haduwig = nhd. Hedwig.Also ist Kotys nach Fickeine Bellona, Hadu-wig, Κότυς als Mannesname bedeutet: Käm-pfer, Krieger. Damit stimmt überein, dafsdie Artemis der Thraker, welche Herodot 5, 7.4, 33 als die einzige weibliche Gottheit der-selben nennt, besonders als Göttin des Krieges(Enyo bei Ammian . 27, 4) und der Jagd auf-gefafst wurde. Es ist die Artemis der nörd-lichen Länder, die auch als die Taurische oderPontische bezeichnet und von Strabon 12p. 535 geradezuEvvcA, von den Römern(Hirtius, Bell. Alex. 66) Bellona genannt wird.Zahlreiche Reliefdarstellungen in Thrakien ausrömischer Zeit (bei Heuet y, Mission de Mace-doine p. 80 f.) sowie thrakische Münzen (Mi-onnet I von Anchialus nr. 58; Deultum nr. 130;Cola nr. 15) beweisen ihre Verehrung und zu-gleich die Auffassung derselben als Jagdgöttin,und zwar zuweilen in einem Typus, der derkleinasiatischen Artemis Elaphebolos nahekommt, vgl. Rapp, Beziehungen des Dionysos -kultus zu Thrakien und Kleinasien p. 32. Danun eines jener Artemisreliefs, Heuzey a. a. 0.Taf. 4, 2, die Beischrift COTO trägt, so istdamit die Identität der thrakisehen Kotys mitder Jägerin Artemis klar ausgesprochen, mag

nun damit jene dritte Namensform Κοττώ,oder, wie 0. Weise, Philol. Rundschau 3S. 981 lieber will, ein lateinischer Dativ vonCotys gemeint sein. Dem orgiastischen Kultusder makedonisch-taurischen Artemis (s. Rappa. a. 0. 30. 33) entsprechen die orgiastischenKotytien bei Strabon, und beide Kulte stimmenauch in ihrer eigentümlichen Verschmelzungmit dem orgiastischen Dionysoskultus infolgegemeinsamer Gebräuche und Kultusdiener über-ein (ebendas. S. 29. 35). Hierauf scheint sichdie Darstellung auf einer thrakisehen Münzebei Liebe, Gotha num. p. 202 zu beziehen:eine Bakchantin mit Tympanon und Maskeauf der einen, ein weiblicher Kopf mit mauer-kronenartigem Diadem auf der anderen Seite,also wohl Kotys unter der Gestalt einer Ky-bele (s. unten). Mit Attributen der letzteren,Kopfaufsatz, Schleier und Schale, ist auch dasGötterbild auf der Vase, Mon. d. Inst. 4, 16 (s.d. Abbildung unter Lykurgos) versehen, daswegen der hei den Edonen spielenden Hand-lung für Kotys angesehen wird, vgl. Boules,Annal. d. Inst. 1845 p. 117. Welcher, A. Ώ. 2,108. Michaelis, Annal. 1872 p. 251. Wenn somitKotys ohne Zweifel der einheimische Nameder von den Griechen als Artemis bezeich-neten Kriegs- und Jagdgöttin der Thraker ist,so fragt es sich, in welchem Verhältnis sie zuBendis steht. Auch diese wird (s. d. ArtikelBendis ) ausdrücklich als die Artemis der Thrakerund als eine Jagd- und Kriegsgöttin bezeichnetund ihr derselbe orgiastische Kultus von Stra-bon zugeschrieben, der die Kotytien und Ben-dideen so zusammen nennt, dafs alles überjene Gesagte, wie z. B. die Ähnlichkeit mitdem phrygischen Kybeledienst, auch für diesegilt, was auch dadurch bestätigt wird, dafsbeide Feiern als Nachtfeste mit Anwendung vonFackeln geschildert werden, Juvenal 2, 91.Plat. rep. 1 p. 328. Da nun Herodot nur eineweibliche Gottheit kennt, so werden wir (mitGerhard, Gr. Myth. § 330, 3) in Kotysund Bendis nur eine Gottheit zu erkennenhaben, deren verschiedene Namen höchstenszwei verschiedene Seiten ihres Wesens hervor-heben, die Kotys der Edonen die Kriegsgöttin,Bendis die leuchtende Mondgöttin.

Die Verpflanzung des Kotysdienstesauf griechischen Boden hatte in der Regeleine Entstellung desselben zur Folge. Einegewifs ursprüngliche, in den einfachsten Kul-turverhältnissen begründete Seite der Göttinlernen wir aber aus einem sicilischen Kotys-feste kennen. Plutarch, Proverb. 78 erwähnteine ΚοτντΙς εορτή auf Sicilien, bei welcheran Baumzweigen Gebäck und Obst aufgehängtund dann dem Volk zur Plünderung preis-gegeben wurde, woher der Name des Festesάρπαγά Κοτυτίοις. Dies ist der weitverbreiteteGebrauch der Repräsentation des Waehstums-genius durch früchtebehangene Zweige, dersich ebenso in Kleinasien im Kybele- undAttisdienst wie in Griechenland unter demNamen Eiresione und im deutschen Erntemaioder Maibaum wiederfindet, vgl. Mannhardt,Ant. Wald- u. Feldkulte 256f. Das Herab-holen der Früchte bedeutet Aneignung des

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