Fruchtsegens. Wenn dies darauf hinweist,dafs Kotys auch eine Göttin des Erntesegenswar, so zeigen die im eigentlichen Griechen-land üblichen Kotytien, dafs sie überhaupt alsGöttin der schaffenden Naturkraft und derZeugung zu denken ist, wie Kybele auch diezeugende mit der zerstörenden Kraft und demorgiastischen Kultus verbindet, Eiresione undMaibaum wurden begossen im Sinn einesBegenzaubers, um die Wachstumsfülle auf dieFeldfrüchte zu übertragen, zugleich aber auchdie Fruchtbarkeit der Menschen zu mehren.Deshalb findet sich die Sitte auch bei Hoch-zeitsgebräuchen, bei Griechen und Germanen(Mannhardt a. a. 0. 268), woran sich die sym-bolischen Gebräuche der Mailehen mit Männernin Weiberkleidung anschliefsen, vgl. Mann-hardt, Baumkultus S. 314. 377. 442. Die Grund-züge dieser Gebräuche kehren auch in denathenischen Kotytien wieder. Auf eineWassertauche weist deutlich der Name Βάπταιhin, womit die Kotysdiener zu Athen bezeich-net werden; aus den Cerimonien aber, mitwelchen der für Griechen anstöfsige Gebrauchder Weiberkleidung verbunden war, entstandenjene üblen Nachreden, welche die Kotytienzu einem Dienst geschlechtlicher Ausschwei-fung stempelten. Daher die Mifsverständnissein den Nachrichten über die Kotytien in Athen .Indem Juvenal die schmähliche Unsitte vonRömern geifselt, welche bei heimlichen Zu-sammenkünften der Bona Dea zu Ehren inWeiberkleidung Orgien feierten, vergleicht erdamit die Kotytofeier der Baptai zu Athen ,Sat. 2, 91: Talia secreta coluerunt orgia taedaCecropiam soliti Baptae lassare Cotytto. Hier-zu bemerkt das Scholion: Baptae titulus libri,quo impudici describuntur ab Eupolide , quiinducit viros Athenienses ad imitationem femi-narum saltantes lassare psaltriam (bezieht sichwohl auf die orgiastischen Instrumente beiStrabon : ψαΐμός άΐαΐάξει). Baptae ergo molles,quo titulo Eupolis comoediam scripsit, ob quamab Alcibiade, quem inprimis perstrinxerat, ne-catus est. In betreff des Alkibiades vgl. auchPlatonius περί διαφοράς κωμφδ. 6. Es fandenalso bei der Kotysfeier in Athen Aufführungen(saltantes) von Männern in Weiberkleidern statt,die deshalb molles und impudici genannt werden;und Eupolis hat dieselbe in seinen Βάπται ineiner Weise auf die Bühne gebracht, dafs da-bei Alkibiades verhöhnt wurde. Dafs derKotysdienst den Inhalt einer Komödie desEupolis bildete, bestätigt auch Hesychius ,nur ist .nach ihm die Spitze derselben gegendie Korinthier gerichtet, Ilesych. Κοτυτώ ■ όμεν Ενπολις κατ’ έχ&ος το προς τούς Κοριν-H'iovg φορτικόν τινα δαίμονα διατί&εται. Diehieraus entstehenden Fragen in betreff derBaptai des Eupolis wurden erörtert von Butt-mann, Über die Kotyttia und die Baptä,Mythol. 2, 159 — 167. Lobeck, Agl. p. 1007 —1038. Fritzsche, Quaest. Aristoph. 1 p. 202 f.Meineke, Quaest. scen. 1 , 44 f. und Ilist. Crit.Comic. Gr. 119 f. Die hier in Betracht kom-mende Hauptfrage ist, ob man den Kotys-dienst als schon zu Eupolis’ Zeit in Athen eingedrungen annehmen darf. Buttmann und
Meineke verneinen es und halten deshalb denNamen Βάπται nur für eine Erdichtung desEupolis. Lobeck hält einen Kotytokult zuEupolisi Zeit für ebenso möglich wie die Μψτρώα. Den Namen Βάπται führen die Ge-nannten meist auf Waschungen im Sinn vonReinigungen zurück. Die zweite Frage, welcheRolle Alkibiades in dem Stück gespielt habe,wird dadurch unklar, dafs das Stück zugleichgegen den Kotysdienst in Korinth gerichtetgewesen sein soll; Eupolis kann aber nichtzugleich gegen den Kotysdienst losgezogenund den Alkibiades, wie man meist annimmt,wegen Verhöhnung ebendesselben angegriffenhaben. Die Kotysdiener in Athen hat mansich jedenfalls, wie schon Lobeck a. a. 0. 1013.1019 ausgesprochen hat, als eine Privatgenossen-schaft zu denken, wenn sich auch erst um400 n. Chr. bei Synesius die Bezeichnung &ia-βωται Κότυος findet. An diese knüpft sichnun allerdings ein so schlimmer Ruf, dafs dieursprünglich nur symbolisch auf das Geschlecht-liche hindeutenden Ceremonien in wirklicheZuchtlosigkeit ausgeartet zu sein scheinen.Unter einem &ιααώτης Κότνος versteht Syne-sius, Calv. encom. p. 856 einen Menschen, derτοΐς Τ&υφάΙΙοις ώργίακεν, und einen cinaedus;aber auch hier ist der Ursprung erkennbar:es ist eigentlich ein Mensch, welcher der un-natürlichen Lust frönt, die auf der Verwechs-lung der Geschlechter beruht, und der dieseTäuschung durch weibische Pflege (besondersdes Haares) herbeizuführen sucht (τό &ηΙυτον γένους έκμιμηβόμενοί). Daher setzt Sy-nesius epist. 44 dafür auch geradezu ημίγυνος,was wiederum an die auch von Lobeck, Agl.1015 f. und Welcher, Gr. Göttcrl. 2, 225 an-genommene Verwandtschaft der Kotys mitden androgynen Kybele erinnert, deren Kultusaufser dem Orgiasmus auch den Maibaum unddie λαμπάς mit dem der Kotys gemein hat,s. Mannhardt a. a. 0. 259. 261. Auch dieBapten des Eupolis (frg . 7 Meineke) enthalteneine Anspielung auf Kybele ^in den Worten:all’ έξοίεΐς με ναι μά την αμυγδαλήν (s. ob.1 Sp. 719 Ζ. 43 u. Schneidewin, Philol. 3, 258).Der gegen die Diener erhobene Vorwurf fiel dannauch schliefslich auf die Göttin zurück: Kotys wurde zu den Αττικοί κονίβαίοι, den Dämonenim Gefolge des Priapos, gerechnet, Synes.ep. 32, wozu das Schol. hinzufügt: Κοτυτώκαι οι κονίΰαίοι also! ηϋαν αίβχρών έφοροι,ebenso Anecd. Bekk. ρ. 246 ( = Lex. rhet.p. 249, 19): Εί&νφαΙΙοι τείετή τις περί τονΑιόνυαον και τη Κωκυτοί (dieser Schreibfehlerfindet sich öfter) άγομένη. Es scheint, dafsnamentlich der Kotysdienst zu Korinth (vgl.Lobeck, Agl. 1021 f.) zu solchem Tadel Anlafsgab, wie ihn schon Eupolis nach Ilesych. Κο-τυτώ aussprach, der die dort verehrte Göttinals δαίμων φορτικός darstellte; auch Suidas(unter Κότνς und Θιαβώτης ) nennt sie δαίμωνπαρά Κοριν&ίοις τιμώμενος, έφορος των αίβ-χρών. Welche Bewandtnis es mit der Κο-τυτώ Αωρία &εός b. Schol. Theokr. 6, 40 (Diib-ner), bat, ist schwer zu sagen. Sie wirddaselbst auch η παρά Αωριενβι τιμώμενηΚοττώ genannt und mit Kotto, der Tochter
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