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Zweiter Band, erste Abteilung. Iache - Kyzikos.
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1661-1662
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1661 Kybele (d. griech. Göttermutter)

Akad. 1879 S. 785 (diese Göttin „ist nicht ohneweiteres mit der pessinuntisehen Kybele zuidentificieren“). Da nun die angeführten Kultez. B. zu Athen und Olympia entschieden älterwaren, als die angebliche, gewöhnlich in95. Jahrhundert gesetzte Einführung der Götter-mutter aus Phrygien, und die Griechen garnicht nötig hatten, eine fremde Göttermuttervon auswärts zu holen, weil der Begriff einersolchen bei ihnen heimisch war, so ist bei dernahen Verwandtschaft der Griechen und Phrygerdie Verehrung einer Göttermutter zu demgemeinsamen Besitz religiöser Vorstellungenbeider Völker zu rechnen, vgl. Rapp, Bezie-hungen des Pionysoskultes S. 22 (ähnlich, abermit Rhea vermischend, E. Curtius, Alt. Stud.2, 174. C. Curtius , Metroon 7). Bei den Phry-gern entfaltete sich durch ihren eigentüm-lichen Ideenkreis und unter semitischem Ein-flufs daraus der glänzende Hauptkultus desLandes. Bei den Griechen prägte sich dieIdee der Göttermutter in noch anderen weib-lichen Gottheiten aus, abgesehen von Rhea inDemeter, Dione, Ge u. a., so dafs die alteGöttermutter ohne Namen und Individualitätnur in zwar altheiligen aber einförmigen Kultenein wenig beachtetes Dasein führte, und Poesieund Kunst ihre Farben oft lieber von der asia-tischen Schwester entlehnten. Die Dichtersprechen höchst selten von ihr, und nichtohne entweder direkt von ihr auf die asia-tische Göttermutter überzugehen, wie Pindar (s. unten) und Orph. hymn. 27, oder indem siedie όρεία μητηρ θεών, die sie besingen wollen,Demeter ( Find. Isth. 6, 3? Eurip. Hel. 301)oder Fä ( Aesch . Suppl. 892. Soph, Phil. 391)nennen.

2. Wesen und Bedeutung. Die fol-gende Zusammenstellung, welche sich an diebetreffenden Abschnitte von Kybele anschliefst,wird das der letzteren gegenüber unselbstän-dige und dürftige Bild zeigen, das uns dieNachrichten gewähren. Als Erzeugerin allesLebens wird die griechische Göttermutterebenso wie Kybele bezeichnet durch den Aus-druck Μήτηρ πάντων τε θεών πάντων τ’ αν-θρώπων (hymn. Hom. 14. Orph. hymn. 27,7); sieist die Herrin der wilden Tiere (hymn. H. ib.;vgl. Eurip. Hel. 1310) und wurde mit Löwendargestellt (Paus. 8, 44, 3; vgl. unten die Bild-werke) und mit sonstigen Tieren, Arch. Ztg. 38Taf. 4, 2. 4. Als Lebensspenderin ( τροφέ πάν-των, βιοθρέπτειρα) herrscht sie über Flüsse,Meer (Orph. hymn. 27, 1. 8.13) und Quellen (vgl.Michaelis, Annal. d. Inst. 1863, 315 f. Arch. Ztg.38 Taf. 4, 1). Als Bergmutter (όρεία, Eurip.Hippol. 144. Schal. Find. Pyth. 3,139) liebt sie„die brausenden Berge und Waldschluchten“(hymn. II. 14, 5. Schol. Find. Pyth. 3,137. Ovid .Met. 10, 687), erscheint sie auf wunderbare iWeise (Schol. Pind. ib. Phüostr. im. 2, 12),bewirkt Wahnsinn (Eurip. a. a. 0.) und heiltihn (Schol. Pind Pyth. 3, 139) sowie andereKrankheiten (ib. zu v. 137); auch wurden aufsie Geheimmittel und Sprüche zurückgeführt,welche die Hirten und Bauern in Elis für dieFruchtbarkeit der Herden und Felder an-wandten (IHo or. 1 p. 61 als μαντική έκ Μη-

Kybele (d. griech. Göttermutter) 1662

rpös θεάν bezeichnet). Als Erdmutter wirdsie Orph. hymn. 42, 5 geschildert und durchdie Vertauschung mit Ge (s. oben) bezeichnet.Ein Höhlenkultus ergiebt sich aus den Dar-stellungen der Göttin in Felsgrotten (saunten);vgl. auch Ovid Met. 10, 691. Die Überein-stimmung in diesen wesentlichen Zügen machtgelegentliche Äufserungen über phrygische Her-kunft. der griechischen Göttermutter begreif-) lieh, wie Diog. Laert. 6, 1 . Pollux 3, li.

Unabhängig vom Kybelekultus erscheintdagegen die griechische Göttermutter in ihrerVerbindung mit griechischen Gott-heiten, Pan und den Nymphen, die schon inder 1. Hälfte des 5. Jahrh. bestand. Pindar ruft(Pyth. 3, 78) die „Göttermutter an, welche amVorhof seines Hauses die Nymphen (Kovgai) mitPan oft in nächtlichem Tanze feiern“, und nennt(fr. 63 Böckh) den in Arkadien waltenden Pan > den Begleiter (οπαδός) der Grofsen Mutter, denLiebling der Chariten (die statt der Nympheneintreten). Das Schol. zu Pyth. 3, 139 erklärtrichtig: Παν ώς ορειος ών, und die Κονραιals ννμφαι, vgl. Phüostr. im. 2, 12 έλέγοντοκαι αι Ννμφαι χορεϋοαί οι (Ρέα) και άναβκιρ-τησαι τον Πάνα, und Welcher ζ. d. St. sowie6fr. Gölterl. 2, 656; ebenso fassen die Κονραιals Nymphen Sihneidewin, Michaelis, Milch-höfer, Gurlitt (s. unten). Sodann berichten diei Scholien, Pindar selbst habe infolge einer wun-derbaren Erscheinung der Göttermutter nahean seinem Haus Μητρός θεών και Παν'ος άγαλ-μα oder ιερόν gegründet, und noch dem Pau-sanias (9, 25, 3) wurde dasselbe gezeigt. Fernerentstand aus derselben Pindar - Stelle die Dich-tung von den wunderbaren Begebenheiten beiPindars Geburt, worunter das Erklingen derCymbeln und Tympana der Göttermutter, Phi-lostr. im. 2, 12. Pindar scheint also den ihmi ehrwürdigen Kult (οεμνά θεά) neu belebt zuhaben, und zwar, wie auch andere Dichterthaten, durch Beiziehung des kleinasiatischenKultes. Pausanias gebraucht von seiner Stif-tung den Ausdruck μητρός Αινδνμηνής ιερόν,und giebt an, dasselbe werde nur an einemTag im Jahre geöffnet, wie der Orgeonen-tempel im Peiraieus auch nur an gewissenTagen (Gomparetti, Inschr. Annal. d. Inst. 34nr. 8). Auch im frg. 48 Böckh scheint Pindar auf die phrygische Göttermutter übergegangen zusein; vgl. Strab. 469, ebenso frg. 80 Bergk, wieer auch sonst ausländischen Kulten (Ammon)zuneigte. Es mag also hier eine Kombinationvorliegen, ähnlich wie auf dem Votivrelief vonParos aus dem 4. Jahrh. bei Müller-Wieseler 2,814,welches neben Pan und den Nymphen auchden Attis (wahrscheinlich), also eine Verei-nigung griechischen und asiatischen Diensteszeigt, in Stil und Charakter aber attisch ist,Michaelis, Annal. 1863 S. 329. In rein griechi-scher Auffassung aber, wie bei Pind. Pyth.3, 78 selbst, erscheint die Verbindung derGöttermutter mit Pan und den Nymphen indem Votivrelief von Tanagra aus dem 5. Jahrh.(Arch. Ztg. 38 Taf. 18), besprochen von Gurlittebend. mit Angabe der Litteratur; Pan übereiner Felsgrotte der Göttermutter auch Arch.Ztg. 38 Taf. 4, 4.