1669 Pasipliafe
„Minotauros“. Heraclitus de incredib.G. ( Wester-mann , Mythogr. graeei S. 314): Pasiphae sollden Tauros, nicht einen Stier, sondern einenjungen Kreter geliebt haben. Um mit ihmzusammenzukommen, bediente sie sich der Ver-mittelung des Daidalos . Ihren Sohn von Taurosnannten die Leute zwar Minos , fanden ihn aberdem Tauros ähnlich; dadurch entstand derDoppelname Minotauros . Ein Anonymus deincredib. 7 (Westermann S. 322) erzählt nur,dafs Pasiphae einen einheimischen Jünglingliebte und sich der Hilfe des Daidalos bediente,zu dem sie auch sonst zu gehen pflegte, umseine Kunst zu sehen; jetzt besuchte sie ihn,während er gerade eine Kuh von großer Natur-wahrheit bildete, und traf bei ihm häufig mitihrem Geliebten zusammen, bis es an den Tagkam. Auch die Atthidographen, aus denenPlutarch im Theseus schöpft, kannten schoneinen Kreter Tauros (c. 16). Nach Philochorosleugnen die Kreter, dafs in dem Labyrinthder Minotauros gehaust und Menschen gefressenhabe; die von den Athenern gesandten Jüng-linge und Jungfrauen seien immer den Siegernin den zu Ehren des Androgeos veranstaltetenWettkämpfen zu eigen gegeben worden, undin den früheren Spielen, vor Theseus ’ Ankunft,habe Tauros, ein Feldherr des Minos, gesiegtund also die Sklaven bekommen, die er frei-lich nicht gut behandelt habe. Weiter erzähltPhilochoros (c. 19), dafs Tauros bei Minos nichtbeliebt war, zumal er im Verdacht stand mitPasiphae zu verkehren. Daher gestattete Minos dem Theseus gern mit ihm zu kämpfen, wobeiTheseus siegte. Bei Malalas O 106 (undGeorgios Kedrenos 1, 122 P, S. 214/15 Behlcer )ist Tauros der νοτάριος der Pasiphae, mitdem sie Ehebruch trieb, wobei Daidalos undIkaros halfen. Von Tauros gebar sie den so-genannten Minotauros. Minos schlol's die Pa-siphae mit zwei Dienerinnen in ihrem Schlaf-gemach ein, liefs ihr Nahrung geben, zeigtesich ihr aber nicht mehr. Vor Schmerz überden Verlust ihrer königlichen Würde wurdesie krank und starb. Dem Ikaros gelang es,aus dem Gefängnis zu entfliehen, aber auf derFahrt übers Meer ertrank er. Daidalos wurdehingerichtet. Auch der Myth. Vatic. 2, 126(= 3, 11, 7) nennt einen Taurus notarius, aberMinois regis. Pasiphae gebar Zwillinge, einenvon Minos , einen von Tauros, daher sagte man,sie habe den Minotauros zur Welt gebracht.Nach Myth. Vatic. 3, 11, 6 verwirrt Aphroditedie fünf Sinne des Menschen, das sind diefünf (!) Heliostöchter (Pasiphae, Medea, Phaedra ,Circe und Dirce ), welche sie mit unheilbarerLeidenschaft erfüllt. Pasiphae ist der Gesichts-sinn ( Pasiphae, id est omnibus apparens, utvisus). Von dem Ende der Pasiphae verlautetaufser bei Malalas a. a. 0. nichts. Bei Euri-pides wird sie sich wohl selbst den Tod ge-geben haben. Antoninus Liberalis 41 (s. o.)nennt sie unsterblich.
Aufser auf Kreta hören wir von Pasiphaein Lakonien . Plutarch Agis 9 erwähnt einOrakel in einem Heiligtum der Pasiphae zuThalamai (ιερόν δέ ΓΙααιφάας real μαντεΐονήν έν Θαλάμαις τιμώμενον). Derselbe nennt
Pasipliafe· 16 ΤΟ
Cleom. 7 gleichfalls ein Orakel der Pasiphae(συνέβη των έφορων ενα κοιμώμενον έν llciai-φάας ίίναρ ίδεϊν θαυμαστόν). Nach Pausanias3, 26, 1 befand sich auf dem Wege von Tha-lamai nach Oitylos ein Heiligtum und Traum-orakel der Ino. Im Tempelhofe standen Bild-säulen der Pasiphae und des Helios . Σελήνήςδε έτιίγ.ληβις και ον Θαλαμάταις έπιχώριος δαί-μων έβτϊν η Πασιφάη, setzt Pausanias hinzu.Cicero de dicin. 1, 43, 96 berichtet ebenfalls,dafs die Männer, welche an der Spitze desspartanischen Staates standen, im Heiligtumder Pasiphae ein Traumorakel einzuholenpflegten, und gebraucht dabei den Ausdruckin Pasiphaae fano, quod est in agro propterurbem. Gemeint ist wohl in allen diesen Stellenein und dasselbe Heiligtum auf dem Wege vonThalamai nach Oitylos. Bei Cicero wird essich nur um eine ungenaue Angabe handeln.Erwähnt wird ein oraculum Pasiphaae in La-conica bei Tertullianus de anim. 46, und das-selbe ist wohl bei Apollon . Dysc. Hist, mirab. 49gemeint, wo statt Πασιφίλης (s. d.) jeden-falls mit Meursius und anderen Πασιφάηςzu lesen ist. Über dieses Orakel handelnSam Wide , Lakonische Kulte S. 246 ff. undKoscher, Selene S. 6f. Nachtr. dazu S. 3. WideS. 247 neigt zu der Annahme, dafs sich in derNähe von Sparta ein zweites Orakel der Pasi-phae, eine Tochteranstalt des anderen, befand,folgert damit aber wohl aus der Cicerostellezuviel. Was die Erwähnung der Ino anlangt,so wäre denkbar, dafs das Orakel von Hauseaus der Pasiphae geheiligt war und späterIno an ihre Stelle getreten ist. Vgl. Welcher,Kl. Sehr. 3, 92 A. 11; Kohde, Psyche S. 188Anm. 5. 2. Aufl. Die Pasiphae in Lakonien von der in Kreta zu trennen haben wir keinenGrund. Im Altertum aber mochte manchembei der Verbreitung der kretischen Sage diedaneben vorhandene lakonische Pasiphae rätsel-haft erscheinen. Um sie zu erklären, kam manauf den Einfall, sie mit der trojanischen SeherinKassandra gleichzusetzen {Plut. Agis 9: τινεςδε Κασάνδραν την Πριάμου τελευτήσασαν έν-ταυ&α και διά το πααι φαίνειν τά μαντεία Πασι-φάην προσαγορευ&εΐσαν). Immerwahr, JJieLakonika des Pausanias S. 128 vermutet, dafsz. B. Sosibios dieser Meinung war. Oder, wiePlutarch an derselben Stelle angiebt, sie wurdefür dieselbe Person wie Daphne angesehen (soPhylarchos). Eine dritte Auffassung machtesie zu einer Tochter des Atlas und zur Mutterdes Ammon von Zeus (Plut. ebenda). DieseAnschauung könnte in Kyrene entstanden sein,wo Ammon Hauptgott war. Vgl. Wide S. 249und Studniczha, Kyrene . Ein Fragment desAhesandros περί Κυρηνης, in welchem Pasi-phae erwähnt wird, s. ob. Sp. 1666, 19 ff.
Klunstdarstellungen.
Über Darstellungen der Pasiphaesage han-deln 0. Jahn, Archäol. Beiträge S. 237—247 ;G. Körte in den Historischen u. philol. Auf-sätzen f. E. Curtius 1884 S. 195 ff. und Kilieridelle urne etrusche 2, 1 S. 79—85; Kobert, HerPasiphae - Sarkophag (14. Hall. Winckelmanns-programm 1890) und Antike Sarkophagreliefs
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