1907 Penelope (Charakter i. d. spät. Litt.)
namigem Dithyrambos der Penelope eine Rollezugeteilt war, bleibt ungewifs. Einen ganzenKatalog der 129(?) Freier Penelopes bietetuns Apollodor (epit . 7, 26 -30 p. 233 f. W.); dochgiebt er uns mit seinen Abweichungen vonder homerischen Aufzählung (π 247f., s. o.)und mit der kritiklosen Wiederholung einzelnerNamen ein ebenso unlösbares Rätsel auf (Wagner,Rhein . Mus. 46, 418f.) wie Hict. Cret. 6, 6mit der Erwähnung von nur 30 Freiern.
Die bisher besprochene Litteratur steht, mitAusnahme einiger genealogischer oder mytho-graphischer Auswüchse, zweifellos unter demEinflüsse Homers· , gewifs ist dieser auch sonstmeistens maisgebend für das CharakterbildPenelopes als fleifsiger, wennschon dieeigene Arbeit schlau wiederauflösenderWeberin ( Fiat. Rhned. 34; Cie. Acad. 2, 95;Oo. Heroid. 1, 77 f.; Pont. 3, 1, 113; Iuvenal .
2, 56; Lucian. Fugitiv. 21; Philostrat . tun.Imng. 2, 28; Claudian . 29, 31; Aristaenet. u.Theophylact. in Hercher. Kpistologr. p 157 u.780), als liebevoller Mutter ( Catull . 61, 224:mater optima-, Or. Heroid. 1, 98 f.), und nament-lich als keuscher, unwandelbar treuerGattin ( Theogn. 1126: ν.ονριδίη αλοχος·, Ar.Thesm. 547f. u. Kur. Troad. 422f.: γυνή αώφρων,Kur. Or. 588 f.: vyihg εννατηριον; Kuhul. beiAthen . 13, 559 c, Com. 2 p. 205 Kock ; Aelian. v. h.14,45; Hygin.fah. 256: Quae castissimae fuerunt.Penelope . . .; Verg. Cul. 265 f.; Hör. Sat. 2,5, 77: tam frugi tamque pudica, vgl. Carm.1. 17, 19; 3, 10, 11; Propert. 2, 6, 23; 2, 9, 3f.:tam multis femina digna procis·, 4, 11, 23:miranda coniux, v. 37: casta uxor·, 4, 12, 24:pia Penelope· , Ov. Heroid. 1, 81 f.; Am. 2, 18, 29:candida Penelope· , vgl. 3, 4, 23 f.; 9, 30; A. A.
3, 15, vgl. 1,477; Metam. 13, 301: pia coniux·,vgl. 14, 671; Trist. 5,14, 36: Penelopea fides·, vgl.1, 0, 32; 5, 5, 44; Pont. 3, 1. 107 f.; Senec. Epist.88, 8; Troad. 707 f.: coniux sancta·, Lucian.Tmagin. 20: αώφρων , vgl. Athen. 14,615a; Achill .Tat. in Hirschig. Krotic. p. 32, 36; Dion. Chrys.or. 7 p. 115; or. 15 p. 236; Crat., Iulian u.Theophyl. in Herchers Epistologr. p. 209.345.786;Claudian . 29, 25; Hiet. Cret. 6, 6: de Penelopeeiusque pudicitia praeclara fama). Auch das Mit-leid mit ihr wegen der langjährigenAbwesenheit des Gemahls klingt bisweilennach: Plaut. Stich. 1; Ov. A. A. 2, 355. IhreTugenden wurden überdies gefeiert in beson-deren Lobschriften, so angeblich von Iso-krates (έγκώμιον Πηνελόπης, vgl. vit. Isocr. beiSauppe, Or. AU. p. 5 a 31); wahrscheinlich liefauch Antisthenes’ verlorene Schrift περί Ελένηςκαί Πηνελόπης ( Mullach 2 p. 273) auf eine Ver-herrlichung der treuen Gattin des Odysseus hinaus, die bisweilen sogar wegen ihrer Schön-heit über Helena gestellt wird ( schol. o 16),während seine Abhandlung περί Όδνααέως καίΠηνελόπης καί τον κννός ( Mullach a. a. Ο.)eine rhetorisch-philosophische Wiedergabe dereinschlägigen Bücher der Odyssee (ρ τ ip) ge-wesen sein mag. Übrigens nimmt Hikaiarch,vermutlich im Βίος Ελλάδος, an Penelopes Auf-treten unter den Freiern Anstofs (schol. a 332).Getadelt worden ist Penelope wahrschein-lich auch von manchen Sophisten, die sogar
Penelope (Abweichungen v. Homer ) 1908
der Klytaimestra vor ihr den Vorzug gaben:Philodem. d. rhetoric. 4 column. 36 a (1 p. 217Sudhaus). — Kaum nennenswert ist der Er-trag, den man für Penelopes Lebensbild ausden noch vorhandenen Leistungen von Rhetorenwie Ailios Aristeides und Libanios gewinnt;hier kann als Abweichung von der homerischenRagenfassung in des ersteren nQSoßsvtntbg itgog’AidXia (Hindorf 2 p. 584 f.) etwa auffallen,dafs sich Odysseus dem Peliden gegenüberrühmt, er habe um der guten Sache willenWeib und ,.Kinder“ (jr ctläag) daheim zurück-gelassen. Doch ist wohl durch eine leichteTextverbesserung (italda) auch hier das Gleich-gewicht mit Homer wiederherzustellen. Manmüfste denn jene Notiz auf die Telegonie zu-rückführen wollen, wo Penelope ihrem Gattenaufser Telemach noch den Arkesilaos schenkt(Eustath. p. 1796, 47, vgl. Kinkel a. a. O. 58),denn es bleibt hier unklar, ob dieser schonam Leben war, als sein Vater gegen Trojazog; doch ist es wahrscheinlicher, dafs Arke-silaos nur ein Doppelgänger des in der The-sprotis (des Musaios ? vgl. Clem. Alex. Strom.
6, 266 Sylh.) erwähnten Ptoliporthes oderPoliporthes ist, den Penelope dem Odysseus erst nach seiner Heimkehr gebiert (Apollodor,epit. 7, 35 p. 236 W.; Pausan. 8, 12, 6;Kinkel 218).
Gerade in der nachhomerischen Sage, derdiese Berichte über weitere Nachkommen desKönigspaares von Ithaka angehören, häufensich die ungewöhnlichen Erlebnisse Penelopes und lassen, wie bereits bemerkt, auch ihrenCharakter in anderem Lichte erscheinen. Inder ebengenannten Telegonie des Kugammonersteht ihr als Nebenbuhlerin die Thesproter-königin Kallidike; mit ihr zeugt Odysseus ,der Gattin daheim uneingedenk, einen Sohn.Als er später nach seiner Heimkehr von seinemund Kirkes Sohne Telegonos getötet wordenist, wird Penelope dessen Gattin undsiedelt mit ihm nach der Insel der Kirkeüber, die sich mit Telemach vermahlt und denneuen Ehemann ebenso wie Telegonos undPenelope unsterblich macht ( Proklos nachKugammon bei Kinkel 58; vgl. Agoollodor. epit.
7, 37 p. 236 W.). Die Doppelhochzeit war aucherwähnt in den Kosten des Hagias (Proklos beiKinkel 56); ihrer wird sonst noch gedacht beiHygin. fab. 127, wo als Sohn von Telegonusund Penelope Italus genannt wird; nachihm ist Italien benannt, und er gilt als Vaterder Roma. Wahrscheinlich ist diese Genea-logie erst aus des römischen Dichters Pacu-vius Niptra geflossen (Rihbeck, R. Tr. 279);doch läfst sich über Penelopes Rolle in diesemStück wie in der für Pacuvius gewifs sonstals Vorlage dienenden gleichnamigen Tragödiedes Sophokles nichts ermitteln. Dasselbe giltvon den übrigen einschlägigen Dramen, Tra-gödien wie Komödien (s. Odysseus Bd. 3 Rp. 629).,Da der Komiker Theopompos eine Penelope \gedichtet hat (s. o.), der wohl nur als andrerName der Dramentitel ’OSvaasvg zuzuweisenist (ülix. Com. in Fleckeisens Jahrl·., Suppl.16, 378), so könnte auf dieses Stück dieseltsame Wendung der Sage zurückgehen, dafs