1909 Penelope (Abweichungen v. Homer )
sich Odysseus , als er hei seiner Heimkehr ausdem Kriege von Penelopes Lage hörte, wiederaufgemacht und in Tyrsenien angesiedelt habe(s. Odysseus Bd. 3 Sp. 630); doch bleibt esunsicher, ob der Gewährsmann nicht vielmehrder Historiker Theopomp ist (so Müller-Deecke, Etrusker 2, 281; anders Müller, fr. hist.Gr. 1, 296).
Schon in der Telegonie verliert Penelope als Gattin von Odysseus ’ unehelichem Sohne,ja seinem, wenn auch unfreiwilligen, Mörderan hoheitlicher Würde ein Beträchtliches, wasdurch ihre Versetzung unter die Unsterblichenoder durch die Überführung nach den Inselnder Seligen (s. o., Proklos nach Eugammon beiKinkel 58; Apollodor. epit. 7, 37) kaum aufge-wogen wird. Auch in der Sage von Euryalos,die von Sophokles dramatisch bearbeitet wordenist ( Parthen. Erot, 3 in Westerm, Mythogr.154 f.; Eustath. p. 1796, 52; v. Wilamowitz ,Homer. Unters. 190 f.; vgl. auch Apollodors Tragödie Te%vourovog bei Welcher, Trag. 1046),erscheint sie eifersüchtig und niedrig-denkend, indem sie anfangs dem Euryalos,einem unehelichen Spröfsling dos Odysseusund der Epeirotin Euippe (s. d.), ihr Ohrleiht und dann auf seine böswilligen Ein-flüsterungen hin den heimkehrenden Gattenüberredet, den ihm noch unbekannten eigenenSohn umzubringen. Bleibt in den bisher be-sprochenen Sagenstoffen immerhin der Ruhmvon Penelopes ehelicher Treue noch unan-getastet, so wird er durch andre Erzählungenum so schwerer beeinträchtigt. Unverfänglichist allerdings noch, wenn im schol. Theocr. 1, 123Odysseus und Penelope Eltern des Pan(s. d.) genannt werden. Doch ist dies nur einekünstliche Korrektur einer anderen Genealogie(s. u.), ,,lediglich ersonnen, um Penelope vondem Vorwurf des Ehebruchs freizusprechen“{Koscher, Geburt des Kan, Phüologus 53, 376).Dafür lernen wir jedoch in einer verwandtenSage, die zu der vorerwähnten erst den Aus-gangspunkt gebildet haben mag, den Pan alsSohn der Penelope und ihrer Freierkennen. Es gehört dies in das unerfreulicheKapitel, nach welchem sie mit einigen vonihnen oder sogar mit aller?' in unzüchtigemVerkehr gestanden oder sie doch wenigstensangelockt habe. Auf letzteres Vergehenscheint sich ihre Schuld zu beschränken beiPausan. 8, 12, 6: sie wird deshalb gleichwohlvon Odysseus verbannt, gelangt nachSparta , siedelt aber später nach Manti-neia über, wo sie stirbt und ihr Grabmalsteht. Von einem Umgang Penelopes mitAnti n oos, ihrer Heimsendung zum VaterIkarios und ihrem Aufenthalt in Mantineia, wosie von Hermes den Pan gebiert, redetApollodor. epit. 7, 38 p. 237 W., bemerkt aberzugleich, nach anderen sei Penelope wegenEhebruchs mit Amphinomos von Odys-seus getötet worden (epit. 7,39). Die höchstphantastische Anekdote, Penelope habe sichmit allen Freiern eingelassen und denbocksfüfsigen Pan geboren, berichtetschon Huris von Samos (Müller, fr. hist. Gr.2, 479), möglicherweise nach eigener Erfindung,
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Penelope (Abweichungen v. Homer ) 1910
vgl. auch schol. Theocr. 1, 3; Serv. Aen. 2, 44;gewifs ist hier eine geschmacklose Etymologieim Spiele, die den Namen Πάν mit πύντες olμνηβτηρες zu erklären sucht, und ihn zugleichmit dem dorischen Π ct νελόπα in einen äufser-lichen Zusammenhang bringt ( Koscher a. a. O.53, 370). An der Fundstelle des Zhtmfragments,Tzetz. Lycophr. 772, wird man aber auch überPansHerkunft eines besseren belehrt: er stamme,heifst es da, vielmehr von Hermes und eineranderen Penelope (Ερμου και Πηνελόπηςάλλης) ab, also nicht von der Gemahlin desOdysseus . Dafs bei dieser Genealogie dieMythographen gleichwohl gerade die letztereim Sinne hatten, geht schon aus der zitiertenApollodorstAle (epit. 7, 38 p. 237 W., s. o.)hervor; auch bei Herodot. 2,145 läfst es sich ausdem Zusammenhang schliefsen (s. die übrigeLitteratur: ülix. Posth, 43; Koscher a. a. O.368 A. 32; Preller, Gr. Myth. I 4 , 745); hingegenlehrt Nonnos (Dionys. 14, 92 f.) ausdrücklich,Pan sei der Sohn des Hermes und der arka-dischen Nymphe Penelope , die dann alsoerst mit dem treuen Weibe des Odysseus iden-tifiziert wurde; dies lag um so näher, als auchdieser selbst zu Arkadien als Stifter von Heilig-tümern in Pheneos und Asea Beziehungenhatte (s. Odysseus Bd. 3 Sp. 628. 676. 680);überdies hat er ja mit Hermes vielleicht ur-sprünglich eine Einheit gebildet (s. Sp. 653).— In derselben Weise erledigt sich für dieberühmte Penelope die Nachrede, es sei Pan aus einem Liebesverhältnis zwischen ihrund Apollon hervorgegangen ( Pindar. fr. 100BgkA bei Serv. Georg. 1 , 16; Euphorion. fr. 164in schol. Khes. 36; Mein. Anal. Alex. 158), weilPans Geburt hier auf dem Lykaion erfolgt, essich also auch hier um eine arkadische Lokal-sage handelt, mit der eigentlich die Königinvon Ithaka gar nichts zu thun hat ( Koschera. a. O. 370). Gleichwohl bleibt durch dieSchuld dieser Kontamination etwas auch anOdysseus ’ Gattin hängen; namentlich in Lyko-phrons Alexandra erfährt sie den Vorwurf,wollüstig die Freier ins Haus gelockt unddamit nicht nur die eheliche Treue gröblichverletzt, sondern auch das Familiengut leicht-fertig ruiniert zu haben (v. 768 f.; 791 f.). Soerhält sie denn hier Prädikate wie βααοάρα(v. 771) und Λύκαινα alvoß ύκχεντος (792).Am weitesten geht ja in der VerunglimpfungPenelopes Huris (s. o.), der ihr den Umgangmit sämtlichen Freiern zur Last legt. Aberauch in einem der Priapea betitelten Gedichte(68, 27 f.) ergeht sie sich, obwohl schon be-jahrt ( vetula ), unter den Freiern in schmutzigenReden, wie sie nur einer Buhlerin zukommen.Da ist es verhältnismäfsig noch unbedenklich,wenn uns erzählt wird, es sei Homer , dessenBesuche auf Ithaka mit verschiedener An-gabe des Zwecks auch sonst erwähnt werden(Heracl. Pont, bei Müller, fr. hist. Gr. 2, 222;Philostr. Hernie. 18, 3), um der verständigenPenelope willen ( πινντης εί'νεκα Πηνελόπης)nach der Insel des Odysseus gezogen (Herme-sianax bei Athen . 13, 597 e); zwar hören wir hiernichts von einem Liebesverhältnis des Dichters,der doch vielmehr sonst bisweilen als Telemachs