Penelope (in der Kunst) 1914
lassen. Der linguistische wie der genealogischeZusammenhang zwischen πηνέλοψ und Pene-lope ist also zweifelhaft; Fick und Dechtel,Griech. Personennamen (1894) S. 418, die ihnfesthalten, wissen ihn auch nur mit dem Hin-weis auf die Analogie von άληνων und Alkyonezu bekräftigen; vgl. Aristoph. Av. 298. Jeweiter sich aber diese Etymologie von derhomerischen Vorstellung von Penelope entfernt,umsomehr stimmt eine andre mit deren Bild ioin der Odyssee überein. Man hat nämlich denEigennamen abzuleiten von ηήνος, das zuTrqvsX- erweitert ist wie νέφος zu νεφέλ-η, undzwar bedeutet es in der Zusammensetzung mitο-λ- (vgl. skr. ap-as, lat. op-us): die Ge web e-arbeiterin, Kleidwirkerin ( Curtius , Gr.
seler a. a. 0.); denn dieses Verbum bedeutetabschälen, nicht auftrennen, kann sich alsonicht auf die Wiederauflösung des erst ge-webten Leichentuches beziehen. Die von Pottund Curtius entwickelte Auffassung Penelopesals Weberin (s. o.) entspricht dagegen denGesetzen der Linguistik wie den Anschauungender Mythologie und stimmt überdies zu ihrerhäufigen Zusammenstellung mit Webgeräten inder bildenden Kunst.
Auch hier nimmt Penelope eine wenn nichthervorragende, so doch beachtenswerte Stellungein; namentlich hat sich eine Gestaltung, inder sie am häufigsten veranschaulicht wird,offenbar schon früh zu einem Typus fixiert.Fraglich ist nur, ob dieser von Anfang an ge-
3) Rotfigurige attische Vase
Etymol. 6 276; vgl. auch Pott, Etymol.Forschungen2 1 , 261; Welcher, Kykl. 2 3 T 15; Götterlehre 1,659;Roscher, Phüologus 53, 369), wobei die Sage,falls sie den Namen zuerst der berühmtenKönigin von Ithaka gegeben hat, vornehmlichan die Verfertigung des Leichengewandes für|jaertes gedacht haben mag. Über die bei.Homer stehende Endung -sia vgl. Et. M. 676,3; 60obeck, Pathol, El. 2,139. Andere, wennschongleichbedeutende Etymologien verbieten sichdoch aus Gründen des Vokalismus, wie dieAbleitung von nivso&ai, arbeiten, und X&noq,Gewand (Damm, lex. Hom.), da die FormnsvsXoitri nicht bezeugt ist. Ebensowenig zu-lässig ist die Annahme einer Zusammensetzungvon Ttfjvog oder mgvri (s. o.) und Xinsiv (Den -
rade der Gattin des Odysseus oder etwa über-haupt dem Ideal des trauernden Weibes ge-golten hat. Jedenfalls ist er bereits in derPeriode des archaischen Stils auf andere Frauen-gestalten, so in einem melischen Thonrelief(Mon. d. I. 6, 57, 1) auf Elektra, später sogarauf männliche Personen, namentlich auf dengrollenden oder den um Patroklos trauerndenAchill (Arch. Zeitung 1881 Taf. 8, 1; Ann. d. 1.1849 Taf. J), angewendet worden. Wie demauch sei, die einsam trauernde Penelopehat früh eine bestimmte Form und Fassungerhalten, die mehrmals, namentlich in verschie-denen Museen Roms, wiederkehrt. Als echtarchaische Arbeit erscheint sie in dem Reliefdes Museo Chiaramonti (Helbig, Samm-