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Dritter Band, zweite Abteilung. Pasikrateia. - Pyxios.
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1915-1916
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1915 Penelope (in der Kunst)

lungen Borns 8 nr. 94): schon die Verwendunghymettischen Marmors deutet hier auf diefrühe Entstehungszeit hin; vgl. Studniczka,Antike Denkmäler , herausg. von Arch. Inst.1888 S. 17 f., Taf. 31 u. 32, wo auch die wich-tigsten Repliken besprochen sind; vgl. auchOeerbeek, Her. Gail. S. 805. 807 f., Taf. 33;Engelmann, Homeratlas, Odyssee nr. 78; s. Abb. 1.Penelope sitzt in trauriges Nachdenken ver-sunken, mit übergeschlagenem linken Beine,das Haupt auf den rechten Arm gestützt, auflehnenlosem Sessel, unter dem ein Wollkorbsteht; nur an dem einen stark verstümmeltenExemplar in der Statuengallerie des Vati-kan ist der weggebrochene Stuhl falsch er-gänzt und, was von ihm noch vorhanden ist,in einen Felsensitz umgewandelt worden(,Studniczka S. 17; Helbig a. a. 0. nr. 195; Bau-meister, Denkmäler S. 1036 f.; s. Abb. 2). Allendiesen plastischen Darstellungen (vgl. aufser-dem Helbig nr. 610. 1104) scheint ein maleri-sches Vorbild zu Grunde zu liegen. Nun istes allerdings verlockend, den wichtigen Typusder berühmten Heroine auf den grofsen Etho-graphen lolygnotos zurückzuführen, vgl. Diimm-ler, Jahrb. d. Arch. Inst. 2, 171. Aber einmalwissen wir gar nichts Sicheres über eine Pene-lope Polygnots und miifsten sie erst vermutungs-weise als Seitenstück zu dessenFreiermord' 1im Athenetempel zu Plataiai ( 1ausan. 9, 4, 2)ansetzen; dann aber nötigt, wie gesagt, derarchaische Charakter namentlich des Chiara-montischen Reliefs dazu, in der chronologischenFixierung über die kimonisch-polygnotiseheZeit noch hinaufzugehen. Die Frage, ob dieerhaltenen Statuenreste sämtlich die Königinvon Ithaka bezeichnen oder manche von ihnenals Grabdenkmäler idealisierte Porträts treuerGattinnen haben sein sollen ( Pervanoglu, Grab-steine 47 f.; Overbeck, Plastik l 4 , 257 f. 298),darf hier dahingestellt bleiben. Schon derÜbergangszeit nach der Marathonschlacht ge-hört die rotfig. attische Vase von Chiusi an (Ganze, Ann. d. I. 1872 S. 187 f.; Mon. d. I.

9, 42, 1; Engelmann a. a. 0. nr. 11; s. Abb. 3):Penelopes Haltung ist auf dem Gemälde der-jenigen in der plastischen Einzeldarstellungsehr ähnlich; als fleifsige Hausfrau aber wirdsie an Stelle des hier nicht vorhandenen Arbeits-körbchens dadurch charakterisiert, dafs sie zur 50Seite des Webstuhls sitzt, der den ganzenHintergrund des Bildes ausfüllt. Noch wich-tiger ist, dafs sie hier zuerst nicht mehrallein erscheint: ihr gegenüber steht Tele-mach mit zwei Speeren in der Linken; aufeine bestimmte Scene ist zwar nicht hinge-deutet (Luckenbach, Fleckeisens Jahrb., Suppl.

11, 512 f.); doch erkennen wir in der Begeg-nung zwischen Mutter und Sohn ein Ereignis,das der Rückkehr des Odysseus und seinem 60auf der Rückseite der Vase abgebildeten Fufs-bad vorausgeht oder mit ihm gleichzeitig ist.Denn auch sonst ist die trauernde Penelopedas Gegenstück zu Odysseus Fufswaschung,so auf einer der beiden Terrakottaplattendes Kircherschen Museums in Rom (Helbig nr. 1456), wo hinter der in hoffnungs-lose Betrübnis versunkenen Herrin die greise

Penelope (in der Kunst) 1916

Schaffnerin Eurykleia steht, während aufeinem anderen Relief der Königin gegenübernoch zwei Dienerinnen sichtbar sind (Overbeck,Her. Gail. Taf. 33, 15). Gehören die vorge-nannten Abbildungen Penelopes trotz mancherAbweichungen im Einzelnen sämtlich dem-selben Typus an, der auf die früher besprochenearchaische Originalschöpfung zurückgeht, sobleibt es dagegen ungewifs, wie man sich dieDarstellung Penelopes durch den ErzbildnerThrason zu denken hat, zumal seine Lebens-zeit nicht genau bekannt ist und sich aus derReihenfolge der bei Strabon (14, 641) aufge-zählten Künstler etwa nur schliefsen läfst, dafser dem 4. Jahrh. angehört; vgl. auch Brunn,Künstlergesch. 1, 422; ebensowenig wissen wir,ob die von Thrason gleichfalls veranschaulichteEurykleia einzeln oder mit ihrer Herrin in

4) Pompej. Wandgemälde: Odysseus als Uettlerund Penelope (nach Overbeck, Her. Gail . ;>3, 16).

einer ähnlichen Verbindung wie auf jenenThonplatten dargestellt war. Aus derselbenZeit stammt wahrscheinlich ein erst kürzlichveröffentlichtes thessalisches Marmor-relief ( Bobert , Athen . Mitteil. 1900 S. 325 f.),bemerkenswert deshalb, weil es dicht nebender Fufsbadscene in stattlicher Figur Pene-lope darstellt, wie sie mit einer Spule dasGespinst am Webstuhl wiederauf-trennt (S. 332 f.). Auf einem von Philo-stratos d. J. beschriebenen Gemälde (Imag. 2, 28)war Penelope mit allerlei Webergeräten undin Thränen zerflieisend vor Augen geführt; obBrunn (a. a. 0. 2, 87) recht hat, wenn er diesesBild mit Zeuxis in V erbindung bringt, lassen wirdahingestellt sein; Plinius (35, 63) berichtet nurkurz von dessen Penelope , in qua pinxissemores videtur, sodafs sie also gleichsam eineVerkörperung der Sittsamkeit darstellte.