1917 Penelope (in der Kunst)
— Die bekannte schöne Statuengruppe desBildhauers Menelaos im Museo Buoncompagniin Rom ist, unter anderen Deutungen, von! i Schulst und Burkhardt auf Penelope und Tele-j mach bezogen worden, vgl. Schreiber, Villaj Ludovisi S. 92; die neueste Erklärung ist je-j doch zu der Auffassung Winckelmanns zurück-gekehrt, der in den beiden Gestalten Orestesi und Elektra am Grabe Agamemnons erkannte! (Schreiber S. 91; Helbig nr. 932). —Penelopes
Begegnung mit Odysseus , der zunächstunter der Bettlermaske noch unerkanntbleibt, ist mehrfach dargestellt. Eines ver-lorenen kunstvollen Tellers gedenkt ein Epi-gramm in der Anthol. Pal. 9, 816: In Gegen-wart Telemachs winkt Odysseus ängstlich derEurykleia , ihn der anwesenden Gattin nichtzu verraten, was sich mit der bekannten Fufs-badscene, der bei Homer allerdings Telemaclinicht beiwohnt (t 47 f.), wenigstens berührt.Zwei p o m p e j a n i s c h eW a u d g e m ä 1 d e(Helbig,Wand gern. nr. 1331. 1332) zeigen ferner Penelope im Gespräch mit Odysseus ; auf beiden sitztdieser, als Bettler gekennzeichnet; neben ihmsteht Penelope , die namentlich auf dem zweitenBilde (nr. 1332; Overbeck, Her. Gail. 33, 16 u.S. 808; Engelmann a. a. 0. nr. 99; s. Abb. 4)überaus schön und grofsartig erscheint; Spin-deln (nicht Mohnköpfe) in ihrer Linken be-weisen, dals sie unmittelbar aus dem Frauen-gemach von der Arbeit kommt; eine Dienerinschaut forschend von hinten durch ein Fenster;auf dem ersten Bilde wohnen der Unterredungnoch Eurykleia und zwei Mägde bei. Dagegenbemerken wir die Ehegatten allein, aber sonst inähnlicher Haltung auf zwei geschnittenenSteinen {Overbeck S.809, der eine abgebildet 33,14); sodann auch auf dem Bilde einer Spiegel-kapsel (Mon. d. 1. 8, 47, 1), wo Odysseus , mitaufgestütztem Fufse, durch den Knotenstock alsBettler bezeichnet, vielleicht unter dem NamenAithon (t 183), in einem phantastisch ausge-schmückten Gemache, in dem auch ein Hund(ArgosV) sichtbar ist. der Gattin erdichtete Er-lebnisse berichtet, vgl. Helbig, Arm. d. 1. 1867S. 326 f.; Brunn , Troische Miscellen 1868 S. 78.Auch hier, wie auf den vorgenannten Bild-werken. widmet die Königin dem Fremdlingaufmerksame Teilnahme, die seltsam abstichtvon ihrem Verhalten auf zwei etruskischenUrnen (Brunn, U.H. J, 99, 1 u. 2): auf beidenist sie mit dem Putz beschäftigt, wobei ihrhier eine, dort zwei Dienerinnen behilflichsind; um so prüfender schaut der unbeachtetzur Seite sitzende (oder stehende) Odysseus derreizvollen Gattin zu. Andere einst von Gerhard,Arch. Zettg 1846 S. 285, und von Welcher, A.D. 5, 229 f., auf diese Begegnung bezogeneDenkmäler (s. auch C. I. G. 7699. 7700) sindvielmehr der Gesandtschaft an Achill zuzu-weisen, vgl. schon Panofka, Ann. d. I. 1849S. 255 f. — Penelope unter den Freiernerkennt Petersen auf einem rotfig. Krateraus Chilevi ( Rüm. Mitteilungen 1892 S. 181 f.):sie sitzt in stolzer Haltung auf einem Sessel,während sich ihr einige Freier mit Ge-schenken nahen (a 29011). Gewifs beziehensich auf den gleichen Vorgang die Bilder
zweier etruskischer Sarkophage (Brunn,U. E. 1, 95, 1 u. 2), nur dafs die Scene beieinem Mahle der Freier sich abspielt, die anden Tisch gelagert sind; auch beschränkensich hier die Gaben auf ein Kästchen, daswohl Geschmeide enthält. Die Anwesenheitdes Odysseus, neben welchem auf dem einenRelief eine geflügelte Furie steht, deutet schonhin auf den nahen Freiermord. Zu dem ihmvorangehenden Wettschiefsen bringt Pene-lope Bogen und Pfeil herbei (cp 58 f.)auf einem Wandgemälde aus Stabiae vongröfster Schönheit (Heydemann, Arch. Zeitung1872 S. 63, nach der Deutung 0. Jahns·,Helbig, Wandgem. nr. 239; Zahn, Pomp. Here. u.Stab. 3, 46; s. Abb. 5). — Auch nur auf einemder Sarkophagreliefs, welche die Tötung
5) Wandgemälde aus Stabiae: Penelope mit Pfeilund Bogen (nach Zahn, Pomp., Here. u. Stab. 3, 46).
der Freier darstellen (Brunn a. a. 0. 96f.),oder etwa auf einer Berliner Vase aus Corneto (Mon. d. I. 10, 53; Furtwängler nr. 2588; Engel-mann a. a. 0. nr. 95), Penelope erkennen zuwollen, ist gewagt; die weiblichen Gestaltensind gewifs Mägde. Dafs bei Homer die Fürstindas blutige Strafgericht durch göttliche Fügungsiifs verträumt (cp 357 f.; -ip 1 f.), ist freilich keinBeweis gegen ihr dortiges Vorhandensein. Dennauf dem Relief von Gjölbasehi-Trysasehen wir sie während des Gemetzels still undhoheitsvoll wie eine Gottheit im Kreise derIhrigen walten, von höherem und völligeremWüchse, den Athene ihr verliehen (e 195),ganz wie Homer sie malt, wenn er sie denFreiern gegenüberstellt (Benndorf und Niemann100 f. mit Taf. 7 u. 8; Engelmann a. a. 0. 94b);so vollzieht sie im Frauengemach mit Eurykleias
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