2249 Phanes (b. Nonnos ; v. Sekyon)
die Hyaden den jungen Dionysos gepflegt haben,in gehörnte Kentauren verwandelt worden sind.Vgl. Bd. 2 Sp. 1034, 42. Nonnos ’ Quelle läßtsich hier nicht ermitteln ( Köhler , Nonn. Ώίοη.18 f.); Phaunos, der N. eines anderen Führersdieser Kentauren, scheint darauf zu deuten,dafs der Bericht einmal durch die Hände einesRömers gegangen ist, bevor er zu Nonnos ge-langte. In letzter Linie liegt dem Mythoswahrscheinlich eine Lokalsage vom Helikonzu Grunde'; dafs dorthin Lamos {Nonn. 14, 147:ας "Ταδας καλέονβι Λάμου ποταμηιδα φντλην)weise, ist schon oben Bd. 2 Bp. 1822, 28 hervor-gehoben. Einer der Führer dieser Kentaurenheißt (v. 190) Aisakos: das ist die Kurzformzu Aisiodos ( Gruppe, Hdb. d. Myth. u. Reli-yionsgeschichte S. 90), einer alten Bezeichnungdes Orakelgottes vom Helikon (ebd. 75, 20).Eben dahin weist Amphithemis, der N. einesanderen Kentaurenführers (v. 191): der zweiteTräger dieses Namens ist dem libyschen Garamasangeglichen und Gemahl der libyschen Tritonisgenannt worden (oben Bd. 1 Sp. 318, 2), alleinvor dieser Sagenverschmelzung war Amphi-themis wahrscheinlich ebenfalls Bezeichnungdes Orakelgottes auf dem Helikon, auf demder sagenberühmte Triton entspringt. Endlichkönnten die auf ithyphallische Eigenschaftenhinweisenden Namen Spargeus (v. 187), Orthaon(v, 190) und vielleicht Kepeus (v. 188; vgl.Πρίαπος κήπονρος, hortornm custos ), die aller-dings bei Kentauren keinesfalls überraschenkönnen, dem helikonischen Priaposkult {Paus.9, 31, 2) entnommen sein. Es wäre in mehrals einer Beziehung wichtig, wenn erwiesenwerden könnte, was nach dem hier Bemerktenwenigstens möglich ist, dafs auch der NameFhanes, dessen berühmtester Träger als Liebes-gott (Sp. 2260. 66) sowie als zweigeschlechtlichesWesen (Sp. 2250, 25) galt und wahrscheinlichauch als Priapos bezeichnet wurde (Sp. 1140,12 f.), auf dem Helikon lokalisiert war. Eswürde dazu stimmen, dafs
3) der sikyonische Ph., der zur Zeitdes Herakleiden Aristomachos , des Sohnesdes Kleodaios, in Sekyon den Tempel des Dio-nysos Lysios gestiftet haben sollte, als Thebanerbezeichnet wurde. Der Sage liegt wahrschein-lich dieLegende des thebanischenHeiligtums desDionysos Lysios zu Grunde, von dem das sekyo-nische desselben Gottes abgeleitet wurde; kamin dieser Legende, wie es demnach scheint,ein Phanes vor, so wird dieser kaum einfacherzu erklären sein als aus einem Kultnamen desthebanischen Gottes, der ihm wahrscheinlichbeigelegt ist, weil die Thebaner nach derUnterwerfung der helikonischen Landschaft dendortigen Ph. ihrem Dionysos Lysios gleich-setzten. — Es ist dabei freilich zu berück-sichtigen, dafs Ph. auch in der athenischenOrphik Dionysos gleichgesetzt wird (Sp. 2260)und dafs eine nachträgliche Beeinflussung desthebanischen und sekyonischen Dionysoskultusdurch attische Orphiker zwar nicht nachweisbar,aber auch nicht ganz auszuschliefsen ist.
4) Eine der vielen Bezeichnungen des ür-wesens in der längeren orphischenMystik.
Phanes (orph. Mythen) 2250
Iler or[dusche Phanes.
a) Mythen.
1) Nach dem von den Neoplatonikerngelesenen grofsen orphischen Gedicht,sehr wahrscheinlich der von Damaskios 381 K.als σννή&ης bezeichneten Όρφική &εολογία inRhapsodien (oben Sp. 1139 ff.), besteht von an-fang an Χρόνος und nach ihm — wenigstensnehmen die Neoplatoniker, die ihre Lehre vonder Entwickelung in Triaden in diese Theogonieübertragen, eine Stufenfolge an (fr. 48 ff.) —Αϊ&ήρ und Χάος, von den Neoplatonikern alsπέρας und άπειρον gefafst (bei Abel, Orph.
S. 171 ff.). Im Aither schafft Chronos einSilberei (fr. 53), aus dem Phanes, Πρωτόγονος"(Bp. 2257,18 ff.) oder auch Μονογ ενής (theos. Tub.
61 bei Burcsch Klares 116, wo er in dieser Eigen-schaft Christus gleichgesetzt wird), genannt,hervorgeht. Er hat viele Köpfe κρίας, τανρείας, yίίφιος, χαροπον τε λέδντος (PTokl. Tim. 2, 130 h ), .vier Augen werden ihm beigelegt (fr. 64), fernergoldene Flügel, mit denen er hin und her fliegt ,(Lobeck, Agl. 491; fr. 65 Ab). Seine Bildungist mannweiblich ( Lobeck, Agl. 490; fr. 62 Ab.·,vgl. Pi-okl. Plat. Tim, 2 S. 137 b ); oft wird derGlanz seiner Erscheinung hervorgehoben (fr.
58 f.; vgl. theos. Tubing. 61 bei Burcsch, Klar.
S. 116). Er wird von den Neoplatonikern ihremδημιουργός gleichgesetzt (Prokl. Plat. Tim. 2,93 b ;335 b u. s. w.; Lobeck, Agl. 496; fr. 74 Ab.·, theos.Tub. 61 bei Bur., Klar. 117) oder wenigstensals-einer der δημιουργοί bezeichnet; doch scheintdas Gedicht seihst die meisten Hervorbringungendes Phanes dem Stil der Theogonie entsprechendals Zeugungen bezeichnet zu haben. Zuerst (? vgl.u. Sp. 2252, 32) bringt er die Nyx aus sich hervor(Lobeck, Agl. 493; bei Abel fr. 73, vgl. Damask. 2,116, 4 R.) \ Prokl. Tim. 2, 137 hat in die Wieder-gabe der Stelle willkürlich die Triadenlehre ein-geführt, indem er aus dem Ausdruck μέαη Ννζ, derhier oder vielleicht sogar erst an einer späterenStelle des Gedichtes (Prokl. Tim. 2, 99 a ; l,ob.Agl. 518; fr. 120) vorkam, auf das Vorhanden-sein dreier Nyktes (vgl. fr. 60 Ab.) schlofs. Mitder Nacht zeugt Ph. dann andere Geschöpfe(Lobeck, Agl. 493; fr. 73 Ab. ; vgl. Dam. 2,92,22 R).Nachdem so ein grofser Teil des Ph. in dieWelt emaniert war, zog der von ihm nochübrige Teil sich an den Himmel zurück, woer zwar selbst nur von der Nacht erschaut-wurde, wo er aber einen Glanz verbreitete, denstaunend auch die übrigen Götter wahrnahmen(vgl. fr. 58 f.; Lobeck, Agl. 480 f. und dazuDamask . 1, 291,18; 2, 12,12 1?.; Kern, Herrn.23, 481 f.; Gruppe, Hdb. d. gr. Myth. u. Reli-gionsgesch. 431, 9). Am Himmel scheint Ph. mit Rossen einherzufahren (Orph., fr. 65), wasnach Hermias’ falscher Auslegung bezeichnensoll, dafs er zuerst aus den eigenen Anfängenhervorgegangen sei. Vom Himmel aus regiertePh. die Welt, nachdem er den einzelnen Götternihre Funktionen zuerteilt (fr. 78 f.). Da unsereTheogonie noch einen zweiten Weltschöpfer,Zeus , kennt, ist es nicht sicher, ob die dieEinzelheiten der Schöpfung behandelnden Verse,die die Neoplatoniker aus O. anführen (Lob.,Agl. 497 ff.; fr. 79 ff.), sich alle auf Ph. bezogen.
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