2255 Phanes (Namen)
fr. 61 Ab. ον τε Φάνητα [ πρωτόγονον μάχαρεςχάλεον κατά μαχρόν Όλυμπον (wonach Eobeck,Agl. 481 EM Φάνης 787, 31 = fr.iOAb. ergänzt:τον di) χαλεουβι Φάνητα | α&άνατοι) scheint es,als habe die rhapsodische Theogonie in home-rischer Weise zwischen der göttlichen undmenschlichen Benennung unterschieden. Um-gekehrt heilst es Orph.Arg. 15 f. ον ρα Φάνητα \όπλότεροι χαλεουβι βροτοίηηά fr. 167, 3 ονdi) νυν χαλεουβι Φάνητα. — Abgeleitet wirdder Name allgemein von ψαίνω, jedoch in ver-schiedenen Passungen:
a) passiv, ότι πρώτος iv αί&έρι φαντόςίγέν(ε)το (EM Φάνης 787, 31; fr. 40 Ab.). Vgl.Orph. Argon. 16 πρώτος γάρ έφάν&η; Lact. inst.1,5 (Orph. fr. bl). — Macrob.Sat. 1,18,12 (fr. 167,6πρώτος ä ’ ές φάος ηλ&ε) und auch andere Stellenführen bereits zu der aktiven Bedeutung hin-über. — Vgl. auch fr. 38; 58, 59.
b) aktiv: Orph. h. 6, 8 λαμπρόν άγων φάοςαγνόν , &φ’ ου βε <1>άνητα κικλήβχω. Ebenda ν. 6heilst es, dal's Protogonos die dunkele Wolkevon den Augen genommen habe. Als 'derLeuchtende’ wird Ph. gleichgestellt:
a) dem Licht, Malal. 1, 74 Hdf. (Suid.,Όρφ. 2) nach der später (Sp. 2256, 51 ff.) zu be-sprechenden Etymologie;
(?) dem Tag in der Tafel der vier Gegen-sätze bei Theon (fr. 171), wo Ph. mit der Nachtgepaart wird;
y) der Sonne. Macr. Sat. 1, 18, 13 erklärtΦάνητα dtxit Sol cm από τον φωτός και φα-νερόν-, die Pythagoreier sollen die ZehnzahlΦάνητα xal ήλιον genannt haben (Heller, Phil,d. Gr. I 5 , 90, 3). Bereits Diod. 1,11 (vgl. Theol.Tubing. 8 bei Buresch, Klares 96, 21) setzt dieAuffassung des Ph. als Sonne bei seinen Lesernals bekannt voraus. Auf diese Auffassung deutenauch die beiden Umschreibungen des I^amensPh. Antauges und Phaethon (Sp. 2257, 15). Als .φαέ&ων wird oft Helios bezeichnet (Sp. 2200,40 ff.) und als Άντανγης άρίδηλος erscheint Ph. in Versen (fr. 167), die wahrscheinlich nichterst Macrobius 1, 18, 13 auf die Sonne be-zogen hat. Die allerdings in ihrer Zusammen-hangslosigkeit dunkelen Verse scheinen zu be-sagen, dafsPh. den vorher erstarrten (? ακίνητον),wohl von Metall gedachten Himmel zum Schmel-zen brachte und ihn (als glühende Masse ?) denGöttern sichtbar machte: das ist allerdings eine ■seltsame, sonst nicht bezeugte Erklärung fürdas Leuchten des Himmels, läfst sich aber ver-stehen, wenn Ph. als Sonne gedacht war. Aneiner zweiten Stelle (Orph. h, 6, 8) heifst Ph.Αντανγης έλίκωπος: auch das scheint, wie diesEobeck, Agl. 498 auch von πάντη δινη&είς, ν. 7,vermutet, auf die Sonne zu zielen; denn obwohlbei Homer έλίχω-ψ bekanntlich nur die Munter-keit des Blicks hervorhebt, hat der gekünstelteDichter das verwandte Wort wahrscheinlich (auf die Drehungen des Sonnenauges bezogen.Dafür, dal's der Name Antauges von der Sonnegebraucht werden konnte, spricht auch Empedokl.fr. 44 Diels, der (vielleicht in Nachahmungeines orphischen Verses?) sagt άντανγε t προςΌλυμπον άταρβήτοι σι προσώποις; denn nachPlutarchs (Pgth. or. 12) wahrscheinlich richtigerAngabe bezog sich dieser Vers auf die Sonne.
Phanes (Namen) 2256
Endlich scheint auch Komi. 1) 9,143, der vonden ακτίνες προαώπου des Ph. spricht, diesenals Sonne gefafst zu haben. — Ein Teil der hiergenannten Stellen geht übrigens wahrscheinlichnicht auf die wirkliche, sondern auf die vor-ausgesetzte Ursonne, auf die Sonne der erstenSchöpfung: doch läfst sich im einzelnen nicjitnach weisen, welche der Bedeutungen demDichter vorschwebte.
d) dem intelligibeln Verstand (? νους νοητός) :Prokl. Tim. 4, 267 d διό di) και Όρφενς Φάνητάτε τον &εόν τούτον προβηγόρευβεν, ώς έχφαίνοντατάς νοητάς ένάδας (fr. 119 Ab.). Diese Deutungstammt nicht aus dem von den Neoplatonikerngelesenen orphischen Gedicht, sondern ist neo-platonische Ausdeutung und kann daher imfolgenden unberücksichtigt bleiben.
Die aktive und passive Erklärung des NamensPh. stehen nicht in einem unlöslichen sach-lichen Widerspruch: Ph. konnte, indem er sichselbst offenbarte, zugleich die Welt sichtbarmachen, wie ja auch die Sonne, indem sie er-scheint, die Welt erscheinen läfst. So findetsich denn
c) die doppelte (aktiv - passive) Er-klärung des Namens Ph. an mehreren Stellenvon Pseudoclemens (fr. 38 Ab.) z. B. ότι αυτούφανέντος τό παν έξ αυτού Άαμ-ψε τώ φέγγειτον διαπρεπεατάτον των οτοιχείων πυρός έν τώνγρω τελεβφορονμένον . . . hunc etiam Phanetanominarunt ab apparenäo, qaia cum appamisset,inquiunt, tune etiam lux effulsit u. s. w. Sonahe die Annahme liegt, dal's diese Kombina-tion schon in der orphischen Quelle selbstvorkam, dal's also diese zwei Deutungen desNamens bot, von denen die Exzerpenten balddie eine, bald die andere fortliefsen, so ist siedoch nicht sicher, da die pseudoclementinischenOrphika sehr abgeschliffen und auch durcheinz^Lpe fremde Zuthaten getrübt sind, sich indieseln Fall auch nicht vollständig mit ein-ander decken. Dafs die beiden Erklärungendes Namens Ph. (a und b) ursprünglich in ver-schiedenen orphischen Werken stamden, ergibtsich übrigens auch aus der oben (Sip. 2 255,^4 ff.)hervorgehobenen Verschiedenheit der Über-lieferung über das Alter des Nlamens; werdiesen passiv deutete, mufste iihn als alteGötterbezeichnung, wer ihn auf die Sonne bezog,konnte ihn als junge Bezeichnung; fassen.
Übrigens macht, wie schon Zotega, Abh. 257hervorgehoben hat, weder die Erklärung desNamens Ph. als des 'zuerst Offenbarten’ nochdie als des 'Offenbarers’ den Eindruck, dafsder Dichter den Namen aus dem angegebenenGrunde wirklich gewählt habe; vielmehrscheinen sie nachträglich hinzugefügt, um denanderweitig bereits feststehenden Namen mitdem Mythos in Einklang zu bringen. Der ansich gute Gedanke, dafs das Licht erst wahr-nehmbar geworden sei, nachdem die Nacht,die sich hier nicht das Licht gebiert, sondernaus dem Licht geboren wird, und damit eineDifferenzierung der Helligkeit der Einzelerschei-nungen geschaffen war, wird durch den Satz,dafs das Licht das erste sichtbar Gewordenesei, weniger deutlich. Auch erklärt ja dieserSatz eigentlich gar nicht den Namen Ph. ,