2261 Phanes (Deutung)
sich wohl in allen jiingerenTeilender orphischenLitteratur (vgl. z. B. aufser dem schon An-geführten fr. 58, 67 ff.; Argon. 14f.) Schon dieältere orphische Theogonie. hatte wahrscheinlichEros genannt, und zwar ebenfalls als aus demEi geboren (Sp. 1121, 40); da indessen für dieseDichtung der Name Ph. selbst nicht nach-weisbar ist, kann diese für die Frage nachder Herkunft der einzelnen Vorstellungen vonPh. wichtige Stelle hier noch nicht berück-sichtigt werden.
Priapos (üglrptog ava%) heifst ProtogonosOrph. h. 6, 9.
Pan heifst Ph. bei Damask. , aut. 382, in demExzerpte einer orphischen Theogonie , wahr-scheinlich der hieronymianischen (Ab., fr. 36; 48).Die stoische Deutung des Namens Pan als desAllgottes findet sich aufserdem im Hgmn. 11,wo er auch als aXp&ijg Z svg & xsQaorijg be-zeichnet, d. h. dem Zeus als Mischer des Welt- 2alls gleichgesetzt wird ( Khilol. Jbb. 17. Supple-mentbd. 1890, 735). Dagegen ist dem Hymnen-dichter die Gleichung von Pan und Phanesnicht bekannt gewesen; denn unmöglich gehtauf den letzteren das Beiwort Pans cpasacpÖQog,das vielmehr mit der auch aus einer anderenSpur zu erschliefsenden Ausgleichung des Panmit dem Morgenstern zusammenzuhängenscheint (Koscher, Selene u. Venu. 162, 663).Uberhaujjt findet sich, so nahe bei dem Namen-anklang-von Phanes und Pan die Identifikationbeider lag, keine Spur derselben aufser jenerDamaskiosstelle; insbesondere haben auch die-jenigen Erklärer des Namens Pan, die ihn voncpaivm ableiten (Sp. 1405, 35), immer nur' anden Gott der Traumgestalten, nicht an Phanesgedacht. Indem man Pan mit rpalvro etymo-logisch verband, hätte man ja auch die Be-ziehung zu itäv, die allein den Ausgangspunktder Gleichsetzung von Pan und Ph. bildenkonnte, verloren. Unter diesen Umständen istdas Zeugnis des Damaskios nicht einwandfrei:da unmittelbar vorher Protogonos auch alsZeus bezeichnet ist, so sind wir nicht sicher,dafs das Exzerpt hier eine Stelle des über Ph. selbst handelnden Abschnittes des Gedichteswiedergibt: wurde im weiteren Verlaufe derDichtung Zeus , der Versclilinger des Ph., alsProtogonos und Pan bezeichnet, so konnteDamask., ohne darum den Inhalt der von ihmexzerpierten Dichtung willkürlicher wieder-zugeben, als er es nachweislich an vielen an-deren Stellen gethan hat, auch den PhanesPan nennen; es würde dann auch in dieserBeziehung die Hymnensammlung zu der hierony-mianischen Theogonie stimmen.
c) Deutung des orphischenPhanesmythos.
Dafs der orphische Phanesmythos einenphilosophischen Gedanken ausdrücken sollte,ist zu allen Zeiten mit Recht angenommenworden. In der Hauptsache ist auch der Sinndes Mythos nie zweifelhaft gewesen und kannauch nicht zweifelhaft sein: es soll die wieder-holte Emanation der geteilten Welt aus demeinheitlichen Urprinzip dargestellt werden. Daaber der Dichter nicht blofs eine mangelhafte
Phanes (Deutung) 2262
logische Bildung besitzt, sondern auch aufser-dem, wie wir sehen werden, durch ältereMythen, an die er anknüpft, behindert war, soist allerdings der zu Grunde liegende Gedankenur unklar zum Ausdruck gekommen; und eshat dies dazu beigetragen, dafs die Neoplato-niker ihre eigene Weltauffassung in ihn hinein-tragen und ihn so zum Teil umbiegen konnten.Sie deuten die Emanationslehre dieser Orphikeri im Sinne des Übergangs von der intelligibelnzur körperlichen Welt, vgl. z. B. Damask., άπ.380 (fr. 48 Ab.): έν μ'ίν τοίννν Talg φερομέναιςzavTaig ραψωδίας Όρφικα lg θεολογία (τοιά)δε(vgl. zu dem Text Kroll, Kh. M. 52, 1897, 289)τις ίβτιν η περί το νοητόν u. s. w. Der orphi-sche Ph. ist diesen Neoplatonikern der &sbgvoyrog, Zeus der ftsog vosgog: was Klaton aus-drückt, indem er den Demiurgos auf die Ideenblickend die sichtbare Welt, den v.oagog αία&ητός,schaffen läfst, soll Orpheus durch die Ver-schlingung des Phanes ausgedrückt haben.Vgl. besonders Kroki, zu Klat. Tim. 2, 99“ ff.Um diese Deutung zu erzielen, scheinen dieNeoplatoniker vor willkürlichen Interpretationennicht zurückgeschreckt zu sein; so zitiert z. B.Kroklos an der ebengenannten Stelle (99 b ) denVers των πάντων äsgag είχεν ifj ivi γαΰτερι.κοίλη so, dafs der Leser glauben mufs undwahrscheinlich auch glauben soll, äiyag be-deute hier ίάεα. In Wahrheit ist natürlichπάντων biuag Metaphrase für πάντα. Derphilosophische Dichter kennt überhaupt dasProblem nicht, dessen Lösung die Neoplatonikerin ihn hineingelesen haben, und kann es nachseiner ganzen Weltauffassung nicht kennen.Man pflegt diese als Hylozoismus zu bezeichnen:das ist nicht fälsch, aber doch insofern nichterschöpfend, als dabei der L T nterschied dieserprimitiven Spekulation von dem stoischen Ma-terialismus nicht genügend hervortritt. DerDichter des Mythos betrachtet nämlich nichtallein alles Wirkende, sondern überhaupt allesWirkliche als materiell, und da alle Abstrak-tionen und auch die Denk- und Anschanungs-formen auf dieser Stufe natürlich als realangenommen werden, so werden auch sie körper-lich vorgestellt. Man darf sagen, dafs die Zeit,Chronos , und auch das Chaos, das hier ent-weder den nicht von der Welt erfüllten Raumoder vielleicht sogar geradezu den Gegensatzgegen die Welt, das Nichts, bezeichnet, diesemDenker materiell sind, mufs sich dabei aberbewufst bleiben, dafs der Begriff der Materiebei dieser Erweiterung seines Umfangs natür-lich einen z. T. anderen Inhalt bekommen mufs.Der Kseudoorpheus ist sich des Unterschiedesdieser durch Abstraktion gewonnenen Begriffevon den materiellen Dingen noch nicht bewufstgeworden. Er steht in dieser Begriffsunklarheitkeineswegs allein; auch der Dichter der hesio-deischen Theogonie findet keine Schwierigkeitdabei, aus dem χάορ unmittelbar die Erdehervorgehen zu lassen. Dem Chronos hattewahrscheinlich bereits Kherekytles nicht alleinEigenschaften beigelegt, die nur Körpern zu-kommen, sondern ihn sogar wahrscheinlichgeradezu einem vermeintlichen Körper, demFixsternhimmel gleichgesetzt (Gruppe, Ildb.
vV ,. r .