2265 Phanes (Entstehung d. Mythus )
des Morgenlandes vor, dafs das All-Eine diegesonderte Welt umschliefse; ferner, dafs be-ständig Teile des AU-Einen durch die siebenPlanetensphären hindurch in das Innere dergeteilten Welt, auf die Erde herniedergleiten,wo sie gezwungen sind, eine Zeit lang einge-kerkert zu bleiben, bis sie endlich geläutertwieder emporschweben und sich mit dem AU-Einen vermischen; endlich, dafs dereinst dieganze gesonderte Weit mit dem All-Einen, ausdem sie ausgeströmt ist, wieder zusammen-fliefsen werde. Ein Teil dieser Vorstellungbildet die Grundlage des Buddhismus , dessenWurzeln demnach in Babylon zu suchen sind;gerade die für ihn charakteristische Bezeich-nung des iibeiseienden All-Einen als desNichtseienden findet sich — allerdings nebender anderen, die in Griechenland herrschendwurde, nach der das Uberseiende das wahr-haft Seiende oder Lebendige dem s chein -bar Seienden oder Toten entgegengestelltwird — innerhalb der Gnosis und stammt sehrwahrscheinlich aus der babylonischen Mystik.Dieser Vorstellungskreis ist es nun auch, vonwo aus der l’hanesmythos zu verstehen ist. Frei-lich wird nicht hervorgehoben, dafs Ph. aufder äufsersten der ineinander geschachteltenHimmelssphären thront und dafs, auch ab-gesehen von der grofsen Wiedervereinigungdes geteilten Alls mit dem Einen, ein bestän-diger Ausgleich zwischen beiden stattfindet.Indessen haben der Dichter oder vielleicht auchnur seine Exzerpenten diese beiden Vorstel-lungen nur deshalb übergangen, weil sie fürihre unmittelbaren Zwecke unwesentlich waren ·.die zweite derselben hat sicher die Orphikerviel beschäftigt und von der ersten, die dasAll-Eine zur allumschliefsenden Weltgrenzemacht, findet sich eine Spur in einer auch inanderer Beziehung sehr wichtigen Stelle überl’h., die bei Mal cd. 4, 74 J)df. und vollstän-diger bei Suid., Όρφ. 2 erhalten ist. Hierheilst Ph. το ύπέρτατον πάντων und (Suid) τοπάντα περιέχον.
Sehr wahrscheinlich hat der babylonischeDenker so wenig als der Orphiker seine ab-strakten Gedanken in abstrakter Form aus-gesprochen, sondern wie jener in einen Mythoseingekleidet, und zwar hat vermutlich schon er,nicht erst einer seiner Nachfolger, seine Lehrein den älteren Mythos hineingetragen, in demsie auf uns gekommen ist ( Mathematici, d. h.Astrologen, Chaldaier, bei Serv. Virg. Aen. 6,714):in den Mythos von Istars Höllenfahrt. DieTeile des All-Einen, die durch die siebenPlanetensphären hindurch in die gesonderteSeheinwelt hinuntergleiten und bei jedem Pla-netenthor einen Teil der Herrlichkeit ihresÜberseins ablegen müssen, erscheinen hier unterdem Bilde der Istar , die, zur Totenwelt nieder-steigend, an jedem Hadesthore eines Teilesihres Schmuckes beraubt wird ( Gruppe, Hdb.1037). Die Göttin steigt nach der späterenund stieg wahrscheinlich schon in der älterenForm des Mythos in den Hades hinab, umihren dort eingekerkerten Geliebten empor-zuholen: wahrscheinlich hat also der baby-lonische Dichter unter Tammuz den in die
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Scheinwelt gebannten Teil des AU-Einen ver-standen. — Indem sich aber die neue Lehre vomAll-Einen in Syrien und Kleinasien verbreitete,traten an die Stelle von Istar und TammuzLokalgottheiten, die in der damaligen Theokrasiemeist wahrscheinlich schon längst mit jenenbeiden assyrisch-babylonischen Gestalten undauch unter einander ausgeglichen waren. SolcheGestalten sind in Phönizien die 'Aphrodite ’ vonio Aphaka bei Byblos und Adonis, in Kleinasien die Göttermutter und Attis . Die sich an dieseWesen knüpfenden Mythen wurden im Sinneder Lehre vom All-Einen gedeutet, die in diesermythischen Einkleidung abseits von dem grofsenStrome der Litteratur, imm^r weiter entartendbis in die späteren und spätesten Zeiten desAltertums fortlebte und zuletzt, als die edlerenZweige der Litteratur verdorrt waren, nocheinmal in der Mystik des ausgehenden Alter-20 tums aufblühte. Eine dieser späteren Misch-f'ormen ist der Mythos von Astronoe, derenGeliebter, ein schöner Jäger, der sich, um sichihren Verfolgungen zu entziehen, entmannt,stirbt, aber von ihr durch die lebenzeugendeWärme wieder belebt und als Paian vergöttertund von den Phoinikern Esmunos genanntwird: έπϊ τι) 9έρμη της ζωής· οί δε τον’Έβμοννυν'όγδοον αξιονΰιν ερμηνενειν, ότι. όγδοος ι)ν τώΧαδύχω παΐς ( Datnask ., ßios Ίοιδ. in Idiot.30 biblioth. 242 = 352 b , 15 B). Oifenbar ist hier derbyblische Adonis einerseits mit dem wahrschein-lich berytischen Heilgott Esmunos, der wegen derDeutung seines Namens als 'des Achten’ mit densieben ebenfalls berytischen Kabiren zusammen-nnd aufserdem dem griechischen lebenspen-denden Gott Asklepios-Apollon-Paian gleich-gestellt ist, andererseits mit dem kleinasiatischenAttis ausgeglichen; in diesem gemischten My T -thos, von dem sich übrigens im späteren Altertum4o auch sonst Spuren finden ( Griech. Kulte u. Mytli.1, 379 f.), ist Esmunos der in die gesonderteWelt gebannte, sie mit einer Spur von Lebenerfüllende Teil des All-Einen: das ergibt sichzwar nicht aus dem Mythos, aber doch ausden Spekulationen der Gnostiker, die grofsen-teils die Emanation sich in Ogdoades, dereneine häufig ζωή heifst, vollziehen lassen, unddie, wenn auch nicht gerade an den von I)a-maskios überlieferten Mythos, so doch jedenfallsso an nahe verwandte mythische Einkleidungender Emanationslehre anknüpfen. In ähnlicherWeise wie Esmunos erscheint nun aber auch Ph. in einer Ogdoas ( Orphfr. 171, 3), und zwar istdiese — wie häufig die Ogdoas bei den Gno-stikern — in vier Syzygien zerlegt: πνρ »cdύδωρ γαΐάν τε »cd ουρανόν ήδ'ε οελήνην , ηίΐιόντε Φαν) τε μέγαν και νύκτα μέλαιναν. Dennso, nicht Φάνητα ist zu lesen; man kann dochunmöglich mit Lobeck, Agl. 743 annehmen, dafs60 der Mathematiker Theon, der die Verse alsZeugnis für die Götterogdoas ansieht, nichtgriechisch verstand oder nicht bis acht zählenkonnte. Dieselben vier Paare von Gegensätzen(Feuer, Wasser; Himmel, Erde; Sonne, Mond;Licht, Nacht) erscheinen bei Zenob. 5. 78, nurmit dem Unterschied, dafs das Licht nichtdurch Phanes, sondern durch Mithras (wofürnicht mit Jablunski einzusetzen ist ημέραν ) ver-