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Dritter Band, zweite Abteilung. Pasikrateia. - Pyxios.
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2267 Phanes (Entstellung d. Mythus )

treten ist. Nun gibt es allerdings ähnlicheorphische Aufzählungen (bes. fr. 123, 10; Lübeck ,Agl. 524), in denen auch Ph. unter dem NamenMetis oder Eros vorkommt; allein er, in demalle Gegensätze aufgelöst sind, konnte nichtals ein Glied in die Tafel der acht Gegensätzeaufgenommen werden, solange die orphischeÜberlieferung sich rein erhielt und verstandenwurde. Nicht aus dieser, sondern aus irgendwelcher anderen Tradition mufs hier wie Mi-thras so auch Ph. stammen. Für diese vonder altorphischen Dichtung unabhängige Über-lieferung über Ph. giebt es noch eine andereSpur, ebenfalls aus spätester Zeit: die Deutungseiner drei Namen, Mijng, 0dvr]g, (H)Qixenutos,die nach Malal. 4, 74 Ddf. und Snid.,Oqcp. 2ßovXg, q>äg, tooSovrjq (Mal.) oder £iorj ( Suid.')bedeuten sollen. Die Deutungen MfjTig-ßovXriuod $dvris-cpä>s, welche letztere mit dem ebengenannten Gegensatz tDdvgg-Nvl; zusammen-stimmt, konnten allenfalls aus dem Griechischengewonnen werden, auffällig ist aber schon beidiesen Worten, dafs der Deuter überhaupt fürnötig hält, das zwar poetische, aber allezeitgebräuchliche ggxig zu erklären. Ganz un-möglich ist es aber, Erikepaios oder Erikapaiosaus dem Griechischen als Jcoodorrj q oder fcorjzu verstehen. Da auch der Mythos diese Deu-tung nicht nahe legte, da ferner auch nichtvorauszusetzen ist, dafs, wie ich selbst früherglaubte (Kulte u. Myth. (558, 53), diese mit derDeutung des Eamun als graoyoVog sich zu-

sammenschliefsende Erklärung ganz grundlossei, so mufs hier eine andere Quelle angenommenwerden. Bedenken wir nun, wie sehr die spätereMystik die alten nationalen Überlieferungendes barbarischen Orients, soweit sie noch er-reichbar waren, wieder hervorgesucht hat, sowird kaum ein Zweifel sein können, dafs dieseNamen einer noch im späteren Altertum ver-ständlichen, nicht griechischen Sprache an-gehören. Wenn, wie es scheint, Metis und Ph. nicht griechisch sind, so mufs diese Sprache,da die Übereinstimmung mit den griechischenWorten kaum zufällig sein kann, wohl als indo-germanisch betrachtet werden. Dann ist der Ur-sprung dieser Namen vermutlich in Kleinasien zusuchen: Phanes, Metis und Erikepaios warenverschiedene, im Synkretismus des VI. Jahr-hunderts wahrscheinlich bereits mit einanderausgeglichene Formen des jugendlichen Gotteskleinasiatischer Barbaren, der gewöhnlichAttis genannt, von den Griechen oft demgriechischen Dionysos, bisweilen aber auchanderen Gottheiten, z. B. Zeus und Apollon ,öfters auch dem Mithras gleichgestellt wurde.Metis ist wahrscheinlich Vorbild für den griechi-schen Zeus oder Dionysos Eubuleus (Buleus).Nach Ph. (dessen Stammendung -tjx- sich ausden zu Anfang dieses Artikels hervorgehobenenAnalogien erklärt) heifstPhanai aufChios, dessenLichtgott die Griechen als Apollon gedeutet haben(Hsch. 0avctlog; Sp. 2247); auch als Personen-bezeichnung begegnet Ph. in Kleinasien , z. B. inHalikarnassos (Hdt. 3,4; vgl. 0avog (0ccvo g?) ifuBfjiia auf Mz. von Hai, Head h.n. 526) Klazomenai ,Smyrna sowie in Eresos. Auch der Name Phana-goras (vgl. Sp. 2248, 24), der u. a. aus Klazo-

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menai bezeugt ist und nach dem eine teischeKolonie am kimmerischen Bosporus heilst, ge-hört hierher: die Griechen haben ihn als einenecht griechischen theophoren Namen empfundenwie 'Eqg-ayoqccg,'gv-ayoqag; aber vielleichtist der zweite Namen nur volksetymologischaus einem barbarischen Namen zurechtgemacht,wie wahrscheinlich MavSqczyoqag, dessen ersterBestandteil ebenfalls ein kleinasiatischer Gottes-namen ist (Hdb. 852, 6). Was nun endlichErikapaios anbetrifft, so haben sich allerdingsbisher Spuren seines Kultus in Kleinasien nochnicht ergeben. Dagegen scheint sich in derLitteratur eine Kurzform zu finden. Platon er-zählt itoX., 13, 614 b ff. den Mythos von derHadesfahrt des Pamphyliers Ef, des Sohnes desArmenios. Die hier entwickelten kosmischenAnsichten berühren sich nahe (vgl. z. B. das,was C. 14, 616 b über die acht Himmelssphärengesagt ist) mit den im Vorstehenden erörterten;in neuerer Zeit ist vielfach die Vermutung aus-gesprochen worden, dafs Platon hier orphischeVorstellungen wiedergebe (oben Sp. 1126, 21 ff.):und dafs er unmittelbar oder mittelbar durchein orphisches Gedicht Anregungen empfangenhabe, ist möglich. Aber dann sind die hierentlehnten Züge in einen kleinasiatischen Mythoshineingetragen. Der wieder zum Leben erweckteEr, Armenios Sohn, ist von Arä, Arams Sohn,den Semiramis zum Leben erweckte, nicht zutrennen (Geizer, Süzungsber. d. Sächs. Ges. d.W/ss., lüst.-phil. CI. 48, 1896, 128 ff.); und dadieser Semiramismythos offenbar eine Parallel-form zu dem Istarmythos ist, in welchen dieserganze Vorstellungskreis zuerst gekleidet wurde,so gewinnen wir hier einmal einen Einblick,in welcher Weise sich im VI. Jahrhundert diebabylonische Kultur nach Griechenland ver-breitete. Zwar hat Platon, wie die Kurzformzeigt, nicht unmittelbar dasselbe Gedicht nach-geahmt, wie der Orphiker; aber von der Artdieser Litteratur, die im vierten, fünften undwahrscheinlich schon im sechsten Jahrhundertaus lonien nach dem griechischen Mutterlandübernommen wurde, erhalten wir hier docheineVorstellung. Bedeutet der Name des zumLeben erweckten Er wahrscheinlich 'Leben,so mufs xditcnog, utitaiog 'Geber heifsen. Ver-mutlich liegt derselbe Name in dem Namendes Flusses IIavriyid7trig und der an ihm ge-legenen milesischen Kolonie Ilccvnxditcuov vor,die demnach wohl beide nach einem klein-asiatischen Gottesnamen heifsen.

Nach dem Vorbilde des erschlossenen klein-asiatischen Mythos ist der Mythos von Ph. ge-dichtet worden. Es ist sehr lehrreich, dafs wirin diesem Fall verfolgen können, wie ein griechi-scher Dichter den barbarischen Mythos um-geformt hat. Zunächst wurde der mannweib-liche Metis der griechischen Metis gleichgesetzt;indem der Mythos von deren Verschlingungdurch Zeus auf Metis-Phanes überging, wurdeeine zweite Vereinigung des Alls im Einenfür die Vergangenheit gewonnen. Eine nochwichtigere Veränderung erfuhr der Mythosdurch die Gleichsetzung des Phanes-Erikapaios-Metis mit dem Eros der alten orphischen Theo-gonie. Ein Grund dieser Gleichsetzung war

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