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Phineus
Phineus
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1) Einer von den 50 Söhnen # des Lykaonvon Arkadien, die sich durch Übermut undGottlosigkeit hervorthaten und wegen desFrevels an Zeus vom Blitz erschlagen wurden;Apollod. 3, 8, 1, 3 vgl. oben Artikel LykaonBd. 2 Sp. 2169 ff. Eine grofse Zahl dieserSöhne des Lykaon sind Eponyme bestimmterOrte.
2) Ein Bruder des Kepheus in gewissenVersionen der Andromeda -Sage._ Apollod. 2, 4, 3erzählt: Als Perseus nach Äthiopien kamund Andromeda , die Tochter des Kepheusund der Kassiepeia, an den Felsen gefesseltsah, versprach er ihrem Vater, das Ungeheuerzu töten, wenn er ihm Andromeda zur Fraugeben wolle. Dies wird ihm von Kepheus zu-gesagt. Als aber Perseus das Ungeheuer er-legt hat, verlangt der Bruder des Kepheus,Phineus, welcher zuvor mit Andromeda verlobtgewesen war, diese als die Seine. Er stelltdem Perseus nach und wird zur Strafe samtseinen Mithelfern durch Perseus mittels desGorgonenhauptes versteinert. Ovid Met. 4,669—5, 235 stimmt mit Apollodor in allenwesentlichen Zügen überein, schildert aberganz ausführlich, wie Phineus mit seinen Ge-nossen das Hochzeitsmahl stört, welches seinBruder Kepheus für Perseus und die befreiteAndromeda in seinem Palaste giebt; es ent-steht ein Kampf, bei dem Perseus sich sieg-reich auszeichnet. Phineus flüchtet hintereinen Altar und tötet von dort aus manche,die für seinen Gegner Partei ergreifen, bisendlich Perseus das Gorgonenhaupt zeigt; 200Mann sind im Kampfe gefallen, weitere 200werden jetzt zu Stein, zum Schlufs auch Phi-neus selbst in der Haltung eines furchtsam umGnade Flehenden. In Kürze ausgeschriebenist Apollodor bei Tzetz. Lykophr. 838 und dieErzählung Ovids bei Myth. Vatic. 1 , 73 undPs.-Lactant. narr. fab. 4, 19. 5, 1. Dafs dieVersion von Apollod. und Ovid sich mit einemAndromeda-Drama deckt, ist wahrscheinlich.Ob sie aber gerade auf Euripides’ Andromeda (Nauck , Trag. Graec. fr* fr. 114—156) zurück-geht, ist streitig, Pobert, Archäol. Zeitg. 30(1878), 19, dem u. a. lümpel, Äthiopenländerdes Andromedamythos, Jahrb. f. Philol. Suppl.16 (1888), 142. 177 und Wernicke bei Pauly-Wissowa, Peal-E. 1 , 2156 folgen, bestreitet,dafs Phineus in diesem Drama vorkam, währendandere dies bejahen und Wecklein, Sitzungsber.d. Bayer. Akad. philos.-histor. Kl. 1888, 1, 87 ff.seine Rekonstruktion der euripideischen An-dromeda auf das engste an Apollod. und Ovid anschliefst. Auf alle Fälle ist indessen dieGestalt des Phineus älter als Euripides . DennEuripides erwähnt ihn zweimal, allerdings inanderem Zusammenhang, als in seiner Andro-meda-Sage. In der Andromeda nannte er iKepheus einen Sohn des Phoinix, wie Hygin.poet. astr. 2, 9 ( Gepheus; hunc Euripides cumceteris Phoenicis filium etc.) bezeugt, und esliegt kein Grund vor, dieses Zeugnis deswegenzu verwerfen, weil Kepheus sonst niemalsSohn des Phoinix heifse (vgl. oben Bd. 2Sp. 1110); denn erstlich wird der VatersnameBelos bezw. Agenor für Kepheus überhaupt
nicht allzu oft genannt und zweitens sindviele Geschwister des Kepheus, die späterKinder des Agenor heifsen, vorher Kinder desPhoinix gewesen. Im Zusammenhang der anDanaos und Aigyptos anknüpfenden Sagenscheint aber Euripides nach Apollod. 2, 1, 4, 3als Söhne des Belos genannt zu haben: Aigyp-tos, Danaos, Kepheus und Phineus ; mit diesem |Phineus ist schwerlich der Phineus nr. 3 ge- |meint, der niemals sonst Sohn des Belos 'heilst, sondern gerade der aus dem Andro-meda-Mythus bekannte Bruder des Kepheus,da für Kepheus der Vatersname Belos beiHerod. 7, 61 u. a. bezeugt ist (vgl. oben Bd. 2Sp. 1109). Ebenso scheint Euripides im Zu-sammenhang der Kadmos-Sage (wie Nonnos)unseren Phineus noch einmal erwähnt zuhaben; denn Schol. Aeschyl. Suppl. 317: δ Ev-ρίπίάης πέντε φησί παΐδας είναι. Βήλον, Αίγυπ-τον Ααναον Φοίνικα Φίνέα ’Αγιηνορα wider-spricht zwar, da Kepheus hier keinen Platzhat, dem Zeugnis Apollodors (mit dem es beiNauck, Tr. Gr. fr* 881 noch vereint ist),stimmt aber genau zu der Genealogie beiNonnos Dionys. 3, 296 bezw. 2, 682
Belos
Phineus (a) Phoinix Agenor Aigyptos DanaosEuropa Kepheus Thasos Kilix Phineus (b) Kadmos .
Nonnos hat sicherlich den Phineus a nichtfür identisch gehalten mit Phineus b, den erals den Gatten der Boreastochter (d. i. unserPhineus nr. 3) genau kennzeichnet; und wenner von Phineus a seinerseits nichts zu berichtenweifs, ihn aber trotzdem nennt, so beweistdas nur, dafs er hier einer ihm mafsgebenddünkenden Quelle folgt, sei es jiun in letzterLinie Euripides oder einer Quelle, die auchEuripides schon als mafsgebend erschien. Jeweniger wir diesen Phineus a (der weder unserPhineus nr. 3 noch der Bruder des Kepheusaus der Version des Apollod. und Ovid ist)aus einer uns bekannten Sage erklären können,für desto älter haben wir ihn zu erachten.
Der Bruder des Kepheus spielt übrigensauch in derjenigen Version der Andromeda-Sage eine Rolle, die den Schauplatz von Äthio-pien nach Jope verlegte (vgl. Tümpel a. a. O.133 ff. und oben Bd. 2 Sp. 293). Nach Pomp.Mela 1, 11 zeigte man in Jope sogar Altäredes Kepheus und Phineus ; und Jope ist auchder Schauplatz der euhemeristischen Version |des Konon 40, wo Kepheus vor seinem Bruder ;Phineus den Phoinix als Freier der Andromeda i begünstigt und demgemäfs »Phoinix von Per- iseus getötet wird.
Manche glaubten, es habe nur ein einziger !Phineus existiert; sie ersetzten daher in der (Andromeda-Sage den von Perseus versteinertenPhineus durch Agenor (Hyg. fab. 14) oder .!Phoinix ( Konon 40). Oder sie dichteten gär,Phineus sei damals von Perseus nicht ver-. )steinert, sondern nur geblendet worden (Schol. ■Apoll. Phod. 2, 178), sein weiteres Schicksal(Harpyien etc.) ist dann dasjenige unseresPhineus nr. 3.