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Phineus
Phineus
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bei Apollod. 1, 9, 21, 7: γενομένη κατά τηνηιόνα vit ο καμάτου πίπτει 6νν τφ διωκοντιangedeutete Version, dafs Kalais und Zetesauf der Verfolgung der Harpyien umkamen(Apollod. 3, 15, 2, 1), und zwar gleichzeitigmit den Harpyien (Tzetz. Chil. 1, 209 — 217),eine Version, die wohl nur als ältere Variantezu den sonstigen Sagen vom Tode der Bo-readen auf Tenos aufzufassen ist, in denenein Streit mit Herakles ihren Tod herbeiführt ι(vgl. oben Bd. 1 Sp. 802).
Für den Ruhm der Phineus-Harpyien-Bo-readen-Sage lassen sich noch manche Zeug-nisse anführen: Theognis 715 spricht von derSchnelligkeit der Harpyien und Boreaden;Pindar , Pyth. 4, 182 nennt die Boreaden unterden ersten Argonauten; Aeschylos , Eumenid, 50verweist auf die Harpyien, die Phineus’ Mahlforttragen. Sophokles hat in dem zweiten Phi-neus (über den ersten Phinews s. u.) vielleicht 2diese Sage behandelt (vgl. fr. 643. 648 Naue &*),desgleichen Theopomp, in der Komödie Phi-neus ; Euphorien fr. 163 ( Schol. Hom. II. 24, 77)gedenkt der ΆελΙοπόδος Αρπνίας (so stattάλλοπόδοξ αί&αρντας; vgl. Oder, de Antonin.Liberal. 62), und so finden sich noch manchegelegentliche Erwähnungen, vgl. Meineke, Anal .Alex. 402: poet. anonym, aus Gramer, Anecd.Paris. 4. 16; Arrian . oder Rhian. bei Meinekea. a. 0. 205 ( Eustath. Hom, 11. 125, 30) mit 8dem Wortspiel ,,φϋναι Φινέα “; Plwt. de vitandoaere alieno 8, 9; Lukian , Timon 18; Stat. Hieb.
8, 255; Apidejus Metam, 10, 15.
Zweite Gruppe. Unter denjenigen Ver-sionen, welche keine Erlösung des Phineuskennen und denen die Harpyien-Boreaden-Sage fremd ist, hat die gröfste Verbreitungfolgende: Phineus war mit Kleopatra , derTochter des Boreas , vermählt und hatte vonihr zwei Söhne; nach ihrem Tode (oder nach 4ihrer Verstofsung) vermählte er sich zumzweiten Mal und da die Stiefmutter die Kinderder ersten Ehe böswillig ob angeblicher Nach-stellung verleumdete, verstiefs Phineus dieKinder und blendete sie oder liefs wenigstenszu, dafs die Stiefmutter sie blendete. Alsj nun die Argonauten kamen und das Verbrechen; an den Kindern sahen, straften sie mit Hilfe; des Boreas den Phineus, indem sie ihn selbstblendeten oder töteten. Bezüglich der Namen 5'der Stiefmutter und der Söhne giebt es ver-schiedene Versionen (s. u.). Bezüglich derBlendung der Kinder heilst es entweder, Phi-neus selbst habe sie vollzogen (Apollod. 3, 15,
3; vgl. 1 , 9, 21, 2; Schol. Ap. Rhod. 1 , 211;Schol. Soph. Antig. 981; Ovid ars am. 1, 339),oder die Stiefmutter (Soph. Antig. 906; Soph.Tympanistai fr. 587: Schol. Soph. Antig. 981;Schol. Ap. Rhod. 1 , 211); nach einer drittenVariante hätte gar die eigene Mutter Kleo- (;<patra (eine Nachbildung der Medea-Sage), alssie von Phineus verstofsen wurde, die Kinderselbst geblendet, um sich so an Phineus zurächen (Schol. Soph. Antig. 978. 981). Überdie Bestrafung des Phineus heifst es beiApollodor . 3, 15, 3 kurz, die Argonauten undBoreas hätten ihn gestraft, nach 1, 9, 21, 2haben sie ihn geblendet, ebenso erwähnt
Diod. 4, 44, 4 die Blendung durch Boreas ;vgl. auch Ovid ars am. 1 , 340. Nach OrpheusArgonaut. 671 ff. hatte Phineus seinem zweitenWeibe zuliebe die Kinder geblendet und inder Wildnis ausgesetzt, damit sie ein Raubder wilden Tiere würden; als die Argonautenkommen, machen die Boreaden die Kinderwieder gesund und sehend, blenden aber zurStrafe den Phineus, und Boreas selbst reifstdann in Wirbelstürmen Phineus fort undwälzt ihn durch die Wälder von Bistonia, da-mit er so sein schimpfliches Ende finde. Wiehier die Boreaden den Kindern das Augenlichtwiedergeben, so thut dies nach Phylarchosfr. 17 (Sext. Empir. advers. mathem, p. 262;Schol. Find. Pyth. 3, 96; Schol. Eurip. Alkest. 1)Asklepios, der wohl nur dieser Sage wegen inden Kreis der Argonauten kam (Hygin fab.14; Clem. Alex. Strom, 1 , 21). Andere fügtennoch hinzu, dafs die also geretteten Phineus-Söhne zum Dank dafür mit den Argonautennach Kolchis weiterfuhren, nachdem sie dieHerrschaft ihrer Mutter Kleopatra übertragenhatten (Diod. 4, 44, 6). Welche von dieseneinzelnen Varianten sich mit Sophokles decken,ist nicht sicher zu entscheiden. In der Anti-gone 966fF. heifst es, dafs die Stiefmutter selbstmit dem Weberschiffchen (jitßxideg) die beidenPhiniden blendete, welche dann mit ihremUnglück zugleich das Leid ihrer von Boreas und Oreithyia entsprossenen Mutter beweinen.Aus dem Zusammenhang des ganzen Chor-liedes geht hervor, dafs jeder Zuhörer sichdie Phiniden in einem dunklen Grabgewölbeeingesperrt dachte, wie es Antigone selbstdroht. Deutlich ausgesprochen war dies wohlin Sophokles Tympanistai (fr. 687: Schol. Soph.Ant. 981), wo anscheinend Eidothea, Schwesterdes Kadmos, welche Phineus nach KleopatrasTode geheiratet hatte, die Söhne der Kleopatra blendete und im Grabgewölbe einsperren liefs(iv zäcpca Ka&tiggsv) und wo vermutlich dannvon der Bestrafung des Phineus durch dieArgonauten und Boreas die Rede war; dafsder Argonauten gedacht war, macht die Er-wähnung von Kolchis (fr. 581: Steph, Byz.XalSaloi) wahrscheinlich, und Boreas scheint(fr. 580: Herod. it. gov. /ls£. 9, 11) von jenerZeit zu sprechen, da er mit Oreithyia in denGrotten des Sarpedonischen Felsens (vgl. obenBd. 1 Sp. 810) die Kleopatra zeugte. Aufser-dem behandelte Sophokles die Phiniden-Sagewahrscheinlich noch in seinem ersten Phineus(der zweite enthielt die Harpyien-Sage): hierhatte nicht, wie in den Tympanistai , die Stief-mutter, sondern Phineus selbst die Kinder ge-blendet (Schol. Ap. Rhod. 2, 178; anders urteiltüber Tympanistai und Phineus Wolf, Philol.28, 343), da diese Stiefmutter Idaia, die Toch-ter des Dardanos, die Kinder Parthenios undKrambos bei ihm verleumdet hatte; in diesemStücke erhielten die Phiniden schliefslich ihrAugenlicht durch Asklepios wieder (vgl. fr.644: Aristoph. Flut, 635f.; fr. 649: Hesych.Kriglcoga). — Dafs die Phiniden - Sage auchsonst ein beliebter Tragödienstoff war, zeigenAristot. Poet. 16 (Nauck, Trag. Gr. Fr . 2p. 841) mit der Erwähnung der <hivsiäai (in