2367 Phineus
■anäSophokles’ zweiter Phineus), teils die Phiniden-Sage (wie z. ß. Sophokles erster Phineus ) be-handelten. Dafs die Kombination als solchejung ist, schliefst natürlich nicht die Verwen-dung von alten Motiven in den Einzel-heiten aus.
Sonstige Phineus -Sagen. Strabo 7, 302sagt, Ephoros habe zum Beweis für das Vor-kommen der Glaktophagen bei den altenDichtern Homer 11. 13, 6 und Hesiod citiert,welcher iv rrj καλούμενη γης περιόδφ erzählte:τον Φινέα νπο των Άρπνιων αγεβ&αι ,,Γλακτο-ψάγων εις γαΐαν άπήνας οίκί’ ίχόντων“ (Hesiodfr. 231). Mag man diese γης περίοδος fürapokryph halten oder für eine Sonderbezeich-nung eines Teils der Katalogoi (Bergk, Griech.Litteraturgesch. 1, 1002, 84 und andere) odermit Kirchhoff, Homer. Odyssie 8 325 ίν κατα-λόγων τρίτω lesen, der Vers giebt jedenfallseine Version wieder, die um so älter zu seinscheint, je weniger sie zu der landläufigenSagenform stimmt. Wenn Phineus hier durchdie Harpyien in das Land der Glaktophagenund bei Servius a. a. 0. durch Boreas zu den„pelagiae insulae“ getragen wird, so ist diesschwerlich eine Version, die lediglich zwischender Vorstellung, dafs Phineus in Griechenland lebte, und der Sage von seinem Zusammen-treffen mit den Argonauten vermitteln will;denn niemals spielt die Begegnung mit denArgonauten im Land der Glaktophagen oderauf solchen Meeresinseln. Vielmehr ist diesesPorttragen durch die Harpyien oder Boreas nur der zweite Teil der Bestrafung des Phi-neus, ähnlich wie bei Orph. Argon. 077 nachder Blendung Boreas den Phineus durch dieWälder Bistonias fortträgt, damit er so fernvon seiner Heimat ein schimpfliches Endefindet. Diese Harpyien sind die bekanntenTodesdämonen, von denen Homer . Od. 1, 241= 14, 371 sagt: vvv δέ μιν άκλειώς Αρπνιαιάνηρείψαντο; vgl. Heyne. Observat. ad Apol-lod. 77.
Die älteste Vorstellung von Phineus ’ Ver-gehen und Strafen, die wir kennen, scheintdarin zu liegen, dafs er zwei Strafen erlitt:Blindheit und ewiges Greisenalter ohne er-lösenden Tod. Phineus hatte den Gedankenausgesprochen, dafs es besser sei, ewig selbstals Blinder zu leben, als früh zu sterben.Dieser Gedanke, der übrigens manche Paral-lelen hat (vgl. z. B. Achilleus’ Worte; Horn.Od. 11, 488) enthielt eine Mifsachtung desHelios und deshalb strafte ihn dieser Gott.Hesiod erwähnte im 3. Buch der Katalogoi(fr. 78: Schol. Ap. Rh. 2, 181) dieses Vergehenals Grund der Blendung und Helios war auchhier wohl der strafende Gott (vgl. Schol. Ap.Rh. 2, 178: ο δε Ησίοδος τον Φοίνικος αντόν[seil. Φινόα] ψηβι τον Αγήνορος' πηρω&ήναιδε λέγοναι τον Φινέα νπο Ηλιον ότι πολυχρό-νιος εί'λετο μάλλον είναι η βλέπε ιν). Darankönnte sich fr. 231 angeschlossen haben, dafsihn zugleich die Harpyien in das ferne Landder Glaktophagen trugen, damit er blind undhilflos fern von den Seinen sein ewigesGreisenalter verlebe. Gehört dies zusammenin die Katalogoi, dann dürfte man wohl alle
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die Harpyien-Boreaden-Sage betreffenden Frag-mente (fr. 81—83) in die Eoeen zu fr. 170 'stellen. J
Dafs Helios der strafende Gott ist, kehrt ;wieder bei Istros und Oppian . Beide begründen jdies aber anders als die hesiodischen Kataloge, ;indem sie zugleich das zweite bedeutsame ;Motiv der Sage hineinziehen, dafs Phineus (ein Seher war, der seine Sehergabe mifs- 'brauchte. Nach Istros fr. 60 a (Schol. Ap.Rhod. 2, 207) hat Phineus die Söhne desPhrixos bei ihrer Flucht von Kolchis nachHellas durch seine Ratschläge (tals gavtsiaig)gerettet; als Aietes dies erfährt, verflucht erihn und wird von seinem Vater Helios erhört,der deshalb Phineus blendet. Nach Oppian .Cyneget. 2, 612ff. zürnt Helios, da er vonPhineus als Seher übertroffen ist, blendet ihn,schickt die Harpyien und verfolgt ihn auchnach der Vertreibung dieser Unholde durchdie Boreaden noch weiter, um schliefslich ausPhineus ’ Blut die blinden, gefräfsigen Maul-würfe entstehen zu lassen. — Sonst werdenandere Götter als die Vollzieher der Strafegenannt: so in der Version, dafs Phineus denMenschen zu viel von den Ratschlägen derGötter mitteilt, Zeus (Ap. Rhod. 2, 181. 313;Hygin. fab. 19; ebenso in der kombiniertenVersion bei Myth. Vat. 3, 5, 5. — Apollod. 1,
9, 21, 2 spricht allgemein von •9'tot, Val.Flacc. 4, 479 Schol. Ap. Rh. 2, 181 Sen.Verg. Aen. 3, 209 am Ende nennen bei dieserVersion den Namen des Strafenden nicht),und in der Version, dafs Phineus den Söhnendes Phrixos den Weg nach Hellas wies, Po-seidon (Apollod. 1, 9, 21, 2); w-er in HesiodsEoeen, wo Phineus den Phrixos den Wegnach Kolchis weist, der strafend« Gott war,wissen wir nicht (Hesiod. fr. 170 :: Schol. Ap.Rhod. 2, 181). Asklepiades (s. o.) kombiniertdie Versionen von Zeus und Helios und läfstbeide Götter nach einander den Phineusstrafen. Bei den Erzählungen der zweitenGruppe (s. o.) sind Boreas , die Boreaden, dieArgonauten oder Herakles Vollzieher der end-gültigen Strafe.
Bei einigen besonderen Wendungen ist esnicht zu entscheiden, ob sie lediglich poetischerPhantasie entspringen oder auf ältere Versionenzurückgehen. So schildert Apoll. Rhod. 2,450 ff., wie Phineus den Einheimischen zuweissagen pflegte, und giebt dabei ausführlichdie Geschichte des Paraibios wieder (s. oben ;Bd. 3 Sp. 1566), der Phineus’ treuester Freund !wurde bezw. nach anderen (Schol. Ap. Rh. \2, 456) sein treuer Diener war. Zweifellosspielte dieser Paraibios in einer Phineus-Tragödie oder in einem Argonauten-Gedichteine wichtigere Rolle: Näheres aber wissenwir darüber nicht und die Deutung einzelner .Gestalten, die auf Vasenbildern dem Phineus izur Seite stehen (z. B. des Dieners in Bar- 1barentracht auf der Amphora des Mus. Jatta: !oben Bd. 1 Sp. 800 oder des Verteidigers aufder Vase aus Altamura: Anndl. d. Inst. 1882Tav. O), gerade auf diesen Paraibios ist sehrunsicher. — Ebenso ungewifs ist es, ob dembei Hygin. fab. 20 betonten Zuge, dafs die
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