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Dritter Band, zweite Abteilung. Pasikrateia. - Pyxios.
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Phineus

Phineus

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Quellen fast ausnahmslos die Phineus- undArgonautensage verknüpfen und Kolchis alsZiel der Argonauten ansehen, lassen sie fasteinstimmig Phineus am Pontos oder Bosporoswohnen. Die griechischen Kolonisten, welchesich an der asiatischen Küste des Pontos, inBithynien und Paphlagonien niederliefsen undmit besonderer Vorliebe die Argonautensagepflegten (vgl. Pauly -Wissowa, Real-Enc. 2,762, 14), behaupteten, Phineus habe in Pa- iphlagonien gelebt ( Hellanik. fr. 38: Schol. ApRh. 2, 178) bezw. sei der König aller Stämmegewesen, die in Paphlagonien und Bithynienbis zum Bosporos wohnten ( Pherekyd. fr. 68:Schol. Ap. Rh. 2, 181; Skymn. 958; Arrian.fr. 41); damit hängen die Namen der SöhneThynos, Mariandynos, Paphlagon, Partheniosund Krambos zusammen; gelegentlich wirdspeziell das Htm. 11 . 2, 853 erwähnte Sesamos(= Amastris) Wohnsitz des Phineus genannt, aSteph, Byz. Efaagov, Eustath. Hom. 11 . 362, 8. Dagegen behaupten die Kolonisten, welchean der europäischen Küste des Pontos wohn-ten und deshalb die Argo ihren Weg vomBosporos in nördlicher Richtung nehmenliefsen, Phineus habe hier gelebt, und sie be-gründeten ihre Ansprüche speziell durch denHinweis auf Phinopolis, eine Gründung desPhineus, Steph. Byz. (über die Lage vgl. Mela2, 23; Ptolem. 3, 11, 3; Strab. 319; Plin. 4, 3'45; Müller, Geogr. minor. 2, 10, 5); an dieseGegend denken auch diejenigen, welche dasthrakische Salmydessos als Wohnsitz nennen,Soph. Antig. 906; Schol. Ap. Rh. 2, 177. 347;vgl. Hiller von Gaertringen a. a. 0. 71; ebensoDiod. 4, 43, 3. 44, 7, welcher einfach vonThrakien spricht und die nördliche Fahrt derArgo erzählt. Wo der Ort Phineion amPontos {Steph. Byz.; Suid.) lag, wissen wirnicht, ebenso lassen sich für die Begegnung 4'des Phineus und Phrixos bezw. der Phrixos-Söhne verschiedene Schauplätze denken. Da-gegen mufste für alle, welche Phineus denArgonauten speziell den Weg durch die Sym-plegaden weisen lassen, der Wohnsitz amBosporos westlich von den Kyaneen liegen,die man damals fast allgemein für die Sym-plegaden hielt. Apollon . Rhod. nimmt an,dafs Phineus auf der europäischen Seite desBosporus wohnt (2, 177. 531; vgl. Schol. zu &2, 177. 178. 460. 532) und über die Thraker(2, 238) bezw. die Thynoi (2, 460. 485. 529)herrscht. Ihm folgen bezüglich des Wohn-sitzes westlich der Kyaneen u. a. Val. I'lacc.

4, 424. 463 ff. (der sich das Reich des Phineusweit nach Norden ausgedehnt denkt); Orph.Arg. 668; Hygin , fab. 19; Apollod. 1 , 9, 22, 1(wo infolge der Kombination verschiedenerQuellen Salmydessos westlich von den Sym-plegaden verlegt wird), und Dionys. Byzant, 6'fr. 51, der den Wohnsitz bei derGeierstadtGypopolis sucht: letztere Angabe führt, wieW. H. Roscher, Kynanthropie 68 ff. 82 ff. (Ab-handl. d. Sachs. Gesellsch. d. Wissensch., phil.-hist. Kl. 1896) nachgewiesen hat, in die Zeitder alten Vorstellung von geierartigen Harpyienzurück. Dafs der Zusammenhang zwischen Phi-neus und dem Symplegaden-Abenteuer schon

älter als Apoll. Rhod. ist, lehrt Eurip. Iph,Taur. 421; vgl. auch Meineke, Anal . Alex. 402{Anonym, aus Gramer Anecd, Paris . 4, 16).Thraker heilst Phineus auch sonst, z. B.Paus. 5, 17, 11. Palaiphat. 22 u. Apostol. 18,68 nennen das Land Paionia als den Schau-platz ihrer rationalistischen Version.

Dafs Phineus als Sohn des Phoinix oderAgenor eigentlich ein Eingewanderter ist, be-> tonen die meisten nicht besonders; nur Skymn.958 und Val. Flacc. 4, 681 weisen auf dasväterliche Tyros hin (da nach der späterenAuffassung Phoinix hier gelebt hatte), undjV onn. Dionys. 2, 686ff. beschreibt kurz dieWanderung nach Thrakien , wo Phineus auchder Herr der reichen Bergwerke wird.

Völlig abweichend von allen übrigen Quel-len heilst es bei Serv. Verg. Aen. 3, 209 ( Myth.Vat. 1 , 27. 2, 142; Schol Stat. Theb. 8, 255),dafs Phineus König von Arkadien war unddafs die Boreaden die Harpyien aus Arkadien verscheuchten. Das kann eine Kombinationderselben Mythographen sein, welche die Har-pyien und Stymphaliden für identisch hielten{Myth. Vat. 1 , 111 und 1 , 56, wo Herakles die Harpyien bei dem Phaiakenkönige Alki-noos vertreibt) und denen vielleicht die Sagevorschwebte, dafs die Argonauten die einst vonHerakles aus Arkadien vertriebenen (vgl. z. B.Ap. Rhod. 2, 1052) Stymphaliden ihrerseitsgemäl's Phineus Rat {Hygin. fab. 20) auf derAretias-Insel (nach Hygin. fab. 30 vertreibtHerakles sie hier) durch Waffenlärm ver-scheuchten. Allein wenn man auch demZeugnis des Servius an sich kein grofses Ge-wicht beilegt, so weisen doch, wie Hiller vonGaertringen a. a. O. 65 ff. eingehend darlegt,manche Einzelheiten darauf hin, dafs die Phi-neus-Sagen im Peloponnes bezw. in Arkadien ihre alte Heimat hatten. Phineus nr. 1 istArkader; Phineus nr. 2 gehört vielleicht zuden peloponnesischen Bestandteilen der Ke-pheus-Sage (vgl. ob. Kepheus Bd. 2 Sp. 1107ff);die Harpyien-Boreaden-Sage äst im Peloponnes mit dem Tigres - Harpys - Flrnfs und mit denbenachbarten Inseln verknüpft worden (s. u.).Harpyien und Stymphaliden sind zweifellosverwandte Vorstellungen vion gleichartigenTodesdämonen, die man nicht mit ihremwahren Namen zu bezeichnen wagte, sonderneuphemistisch entweder dieDahinraffenden"ÄQTivtcu oder nach ihrem Wohnsitz bei Stym-phalos die Stymphaliden nannte; beide sindauf demselben Wege in die Argonautensagegekommen und in gleicher Weise an denPontos versetzt worden. Phineus aber scheintnach alledem der Eponymos des Stymphalosbenachbarten Pheneos zu sein; der Wechselvon e und i würde auch im arkadischenDialekt, wie sonst, seine Parallelen haben(vgl. Meister, Griech. Dial. 2, 89 ff).

Entwickelung und Bedeutung derSage. Dafs sich in den Phineus-Sagen eineReihe von Elementen befindet, welche mitdem Kern derselben nichts zu schaffen haben,ist längst erkannt. Die Sage ( vom Raub derOreithyia durch Boreas war weit früher aus-geprägt, ehe man wegen der thrakischen