Band 
Dritter Band, zweite Abteilung. Pasikrateia. - Pyxios.
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Phineus

Phineus

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Nachbarschaft die Tochter dieses Paares Kleo-patra bezw. Eriehtho zur Gattin des Phineusmachte. Die Sage von einem Kampf derBoreaden und Harpyien, bei dem eine derbeiden Parteien unterliegen mufste, ist gleich-falls ursprünglich wohl eine selbständige, insich abgeschlossene Sage gewesen. DieserKampf der beiden Sturmgewalten endet nachder ursprünglichen Auffassung damit, dafs dieRepräsentanten der verderblichen Stürmeund zwar speziell der Südstürme, wie W. H.Roscher a. a. 0. 83 ff. lehrt, von den Ver-tretern der freundlicheren Sturmgewaltenfortgetrieben werden aus dem Diesseits undihren Untergang im Jenseits finden. Dieschwimmenden Inseln (Plotai) liegen dort,wo am Okeanos das Reich der Toten ist (vgl.Gruppe a. a. 0. 398). Erst später hat mandiese rein mythischen Inseln als Strophadenin bekannten Gegenden wiederfinden wollen.Dabei verlegen die einen sie in die Nähe vonKephallenia (Hesiod fr. 81) und Zakynthos.An den Strophaden westlich von Messenien haftet der Name bis zum heutigen Tage.Andere aber sehen die Plotai-Strophacleswieder in den Echinaden an der Küste vonAkarnanien ( Apollod. 1, 9, 21, 7; vgl. Pomp.Mela 2, 7, 10). Dritte verlegen sie scheinbarweiter nach Westen in das Sizilische Meer(Pherekyd. fr. 09: Scliol. Ap. Rh. 2, 271; vgl.Schol. Ap. Rh. 2, 285; Eustath. Dion. Per.691), wahrem! sie bei Hygin. fab. 14 (p. 43Hunte ) im Ägäischen Meer liegen und nachSchol. Ap. Rh. 2, 285 (wo der Text zwar ver-derbt, Enoqaäag aber mit cod. Laur. beizu-behalten ist) mit den vfjBoi KalvSvai ( Hom.11. 2, 677) bei Kos und den Sporaden iden-tisch sind. Alle diese Ansätze sowie die Zu-fluchtsstätte der Harpyien auf Kreta , der Todder Boreaden auf Tenos und die Verknüpfungdes peloponnesischen Tigres-Harpys - Flussesmit unserer Sage ( Apollod . 1 , 9, 21, 0) be-weisen, dafs die Sage von den Harpyien undBoreaden nicht am Pontos entstanden ist,sondern im Peloponnes oder auf den genann-ten Inseln. Mit der Phineus- und Argonauten-Sage ist diese Harpyien-Boreaden-Sage wohlin derselben Gegend verknüpft worden, aberzum Kern der Phineus-Sage gehört sie nicht. Ebensowenig gehören zu diesem Kern allejene Züge, die von der Phrixos, dessen Söhnenoder den Argonauten gewährten Hilfeleistungbezw. von der Bestrafung durch die Argo-nauten oder dergl. handeln. Denn ursprüng-lich stand die Gestalt des Phineus den Phrixos-und Argonauten-Sagen zweifellos fern.Unzertrennlich aber ist von seinem Namendie Vorstellung, dafs Phineus sich gegen dieGötter versündigte und deshalb schwere Strafenerlitt: Blindheit, ewiges Greisenalter und dieQual jener Harpyien, die ihn an Essen undTrinken hindern, oder nach anderer AuffassungBlindheit und einsames Leben in einem fernenLand, wohin ihn Harpyien oder Boreas tragen.Dies ferne Land dachte man sich ursprüng-lich wohl ebenso wie die Plotai-Inseln amRand des Okeanos, im Jenseits gelegen. DieHarpyien, die ihn dort quälen, so dafs er am

vollen Tische darben mufs, sind nicht reineSturmgottheiten, sondern strafende Erinyen-artige Wesen des rächenden Todes; vgl. überdie Harpyien u. a. Rohde, Psyche 66f.; Dieterich,Nekyia 50; und Roscher, Kynanthropie a. a. 0.8211'., welcher darauf hingewiesen hat, dafsgerade die für die Harpyien der Phineussagecharakteristischen Züge aus einer Identifizierungder Harpyien mit den Geiern stammen. Dasio Sprichwortein Leben führen, wie Phineus (cbgτον Φίνεως τον βίον, Apostol. 18, 08) bedeutetdasselbe, wie die Zusammenstellung der Tantalos-und Phineus-Qualen bei Lukian . Timon 18. Diespäten Mythenerklärer sahen in Phineus dengestraften Geizhals und Wucherer ( Phineus afenerando dictus est), vgl. Myth. Vat, 1 , 27. 2,142. 3, 5, 6; Fulgent. Myth . 3, 11. Alle demliegt dieselbe Vorstellung zu Grunde, dieDümmler, Delphika 18 als den Hintergrundso der ältesten Phineus-Sagen aufgewiesen hat:das Volk sah einst in Phineus eine jenerBfifser-Gestalten im Hades, wie Tantalos, Si-syphos und Tityos. Uber die Zeit hinaus,in welcher diese Auffassung den Kern unsererPhineus-Sagen schuf, führt kein sicherer Weg.Man wird zwar geneigt sein, auch in dieserBüfser-Gestalt ebenso wie in anderen Sagenvon Heroen, die von den Göttern bedrohtwurden ein ursprünglich als Freund der30 Menschen verehrtes hilfreiches Wesen zu sehen,dessen Kult zurückgedrängt wurde, als dieolympischen. Götter allgemeine Anerkennunggefunden hatten. Aber es findet sich keinabsolut beweiskräftiger Vergleich. Der einewird auf Asklepios verweisen, der wegen seinerHilfeleistung vom Blitz getroffen ward, aufden noch unerklärten Asklepios Phinaios aufMünzen von Nikopolis in Epirus ( v. Sollet,Zeitsehr. f. Numismatik 5, 330) und auf die40 Heilung, die Asklepios als Argonaut den Phi-niden brachte. Der zweite wird betonen,dafs Phineus als Seher dem Apollo nahe stehtund dafs er z. B. mit Teiresias das lange Le-ben und die Gabe der Weissagung teilt, jadafs auch bei beiden die Blindheit überein-stimmend damit motiviert wird, dafs sie zuviel von den Ratschlägen der Götter mitteilten. Ein dritter wird aus der Fülle der Ver-sionen diejenigen herausgreifen, welche Phi-50 neus dem Kreis der Poseidon -Gestalten nahebringen: ist doch Poseidon auch Vater desPhineus oder der strafende Gott; läfst sichdoch auch die Gemahlin des Phineus, dieSchwester des Kadmos Eidothea vergleichenmit Eidothea der Tochter des Okeanos oderProteus (s. o. Bd. 1 Sp. 1218) bezw. mit der Toch-ter des Kadmos, Leukothea; und kann mandoch endlich auch aus den Sagen von derHilfe, die Phineus den Argonauten, Phrixos60 oder dessen Söhnen gewährt, auf einen uliosγέρων oder dgl. schliefsen (vgl. v. Duhn, deMenelai itinere Aegyptio 34; derselbe, Bemer-kungen zur Würzburger Phineusschale a. a. O.1201Ϊ. ; Henry Stuart Jones , Journ. of hellen,stud. 14, 68). Wieder andere werden beson-deres Gewicht darauf legen, dafs Helios undBoreas die strafenden Götter und die Har-pyien, welche nicht nur als Todesdämonen,

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