2375 Phingres
sondern auch als Sturmgottheiten galten, seineWidersacher sind, und sie werden, wenn auchnicht den Einzelheiten der Erklärung (alsHimmel oder Himmelsriese) hei Schwarte, Ur-sprung d. griech. Myth . 199 und Mannharclt,Antike Wald- u. Feldkulte 95; vgl. oben Bd. 1,Sp. 799, so doch dem Grundgedanken zustimmen,dafs Phineus eine Naturgewalt war, etwa eineSturmgottheit, die im Kampf mit anderenSturmgottheiten siegt oder unterliegt. —Allein alles dies bewegt sich auf unsicheremBoden. Klarheit könnten wir nur erwarten,wenn es gelänge, den Namen des Phineusoder des Ortes Pheneos, dessen Eponymos ervielleicht war, zu erklären. Das ist aberbisher nicht der Fall. Die Alten sahen inPhineus einen Iphinoos ( Etym. Magn. Φινενςπαρά το Ιφι xal το νουν γίνεται, οίονεϊ ο ίοχν-ρον νονν ΐχων)·, andere hielten ihn für einenEponymos der Thynoi {Φινεν s = Θννεύς, Wel-cher, Aeschyl. Tril, 479) oder für den Eponymosder von ψίναξ, (bezw. φίλαξ = ΰρϋς herzu-leitenden Orte Phinopolis und Phineion amPontos {Fick, Griech. Personennamen * 433)oder es wurde der Name mit den Stämmenqpfft in φθίνω {Benfey, Griech. Wurzellex. 1,179) bezw. θιν (vgl. v. Duhn, Bemerkungenzur Würzburger Bhineusschale 121; Gruppe,Griech. Mythol. 555, 3) zusammengebracht.Keine dieser Erklärungen befriedigt.
Das Wesen des Phineus bleibt somit nochim Dunkeln, aber den Gang der Sagen-Ent-wickelung dürfen wir uns etwa folgender-rnafsen vorstellen: In Arkadien erzählte mansowohl von Phineus wie von den DämonenHarpyien bezw. Stymphaliden; das Volk ge-staltete sich Phineus’ Bild zu dem eines vonden Harpyien verfolgten Büfsers im Hadesaus, der dort blind und hilflos ewig am vollenTische darben mufs. Die eine Sagengruppehält daran fest, dafs keine Erlösung erfolgtist, und die Tragödie behielt dies bei, nach-dem Phineus’ Vergehen zu einer Art Familien-drama (Verstofsung der Gattin, Blendung derKinder) umgestaltet war. Die andere Sagen-gruppe schuf eine Verknüpfung zwischen deralten Büfser-Legende und der ursprünglichselbständigen Sage von einem Kampf zwischenHarpyien und Boreaden. Beide Sagengruppentraten vielleicht schon in die argivische Formder Argonautensage über. Die Ausgestaltungder Argonautensage unter dem Einflufs derKolonisation der Pontos-Küsten brachte dieVersetzung des Phineus an den Pontos mitsich und unter dem Einflufs milesischer Sagenward Phineus zum Sohn des Phoinix von Ka-rlen. Erst auf dem Boden dieser Sagenwurden diejenigen Züge vertieft, welche Phi-neus hilfreich erscheinen lassen, sei es wie eineArt Meergreis, sei es wie einen zweiten Tei- iresias. [Jessen .]
Phingres? (Φ£/ν<(ΡΒΜ), beigesehriebenerName eines Greises auf einer altkorinthischenVase der Sammlung van Branteghem in Brüssel ,welche Achilleus auf einer Kline liegend, um-geben von Thetis, drei Nereiden, Odysseus (Μ V 3 M S d O) und Phingres darstellt, worinFroehner, Jahrb. d. Kais. Arch. Inst. 7 (1892
Phix 2376
S. 26ff.) eine Kombination der _Z7. 18, 35ff.und 9, 168 ff. geschilderten Scenen erkennt.Froehner hält Phingres nicht für einen Schreib-fehler, sondern glaubt, dafs darunter Phoinixzu verstehen sei, dessen Namen der korinthischeMaler nicht kannte. Er vergleicht ihn mitΓίγγρης, dem phoinikischen Namen des Adonis .
[Roscher.]
Pliinis ? ( Φίνις ?) mit der Variante Phene (qpijVrj)i s. Bd. 3 Sp. 1972, 28 ff. s. v. Periphas. [Höfer.]Phisadie (?), Schwester des Peirithoos, Hyg.f. 79 p. 81, 12 Schm,, mit der Variante Thi-sadie Hyg. f. 92 p. 88, 11. — v. Wilamowitz ,Homer . Unters. 222, 15 denkt an Φνβάάειαoder auch wegen Hom. 11. 3, 144 an Klymene.S. Physadeia. [Höfer.]
Phistyis {Φιατνίς), Beiname der Aphroditeauf einer aitoiischen Inschrift aus Phistyon:Άφροδίται Σνρίοα Φιβτνίδι Collitz, Samml. d.griech. Dial. lnschr. 2, 1428 i. Inscr. Gr. Sept.3, 417 p. 107. [Höfer.]
Phitres {Φίτρης), ein Mann aus königlichemGeschlecht, der zur Zeit des Branchos (s. d.)in Milet mit dem letzten Neliden, Leodamas,um die Herrschaft stritt, Ephoros (? vgl. U.Hoefer, Konon 79f.) bei Kanon 44. NachNikol. Dam. fr. 54 {F. H. G. 3, 888) heifst erάμφιτρής, was Hoefer auch bei Konon ein-setzt, und tötet den Leodamas bei einem Festedes Apollon, wird aber selbst später von denSöhnen des Leodamas beseitigt. [Hüfer.]
Phix {Φιξ), ursprünglicher Name <des theba-nischen Ungeheuers, das frühzeitig- mit derSphinx (s. d.) identifiziert wurde, Hes. Theog.326. Hesych. s. v. Φϊγα. Bethe, TihebanischeHeldenlieder 19 ff. und dazu Gruppe,. BursiansJahresber. 85 (1895), 285f. P. Kretschmer, Diegriech, Vaseninschr. 164. Wecklein, Siitznngsber.d. k. b. Akad. d. Wiss. zu München '1901, 688;vgl. auch Ilberg, Die Sphinx (Profgr, Leipz.1896) S. 16 ff. Spuren dieser boiotiscbien Lokal-sage sind in der Überlieferung erhalten, dafsdie Sphinx Tochter des Laios {Lysimiachos fr. 5aus Schal. Eur. Phoen. 26. F. H. G. 3, 336.Schol. Marc. Lykophr. 7. Paus. 9, 2i6, 3) oderdes Ukalegon, i-vog των έγχωρίων, und Ge-mahlin des Makareus gewesen sei, Schol.Eur. a. a. 0. — Der Sitz der Phix war westlichvon Theben auf dem Φίχιον ( Φίκειιον ) όρος,Apollod. 3, 5, 8. Schol. Eur. a. a. 0. Plut.Brut. rat. uti 4 p. 988 a. Steph. Byz. s. v.Aristid. 2, 361. Tzetz. Dyk. 1465. Hesych.s. v. Φίκιον. Palaeph. 7 p. 277 Westermann .0. Müller, Orchomen. 33. Ulrichs, Beisen u.Forsch, in Griechenl. 1, 238. Bursian, Geogr.v. Griechenl. 1, 231. Pudeich, Athen . Mitth. 13(1888), 86. Das Φίχιον ’όρος wird schon vonHes. Scut. Her. 33 erwähnt, zwar ohne direktenZusammenhang mit der Phix, doch weist dieErwähnung des Φίχιον neben dem Τνφαύνιονauf die Abstammung der Phix von Typhaon.Zur Form und Bedeutung von Φιξ s. Lobeck,Path. elem. 1, 123. P. Kretschmer a. a. 0. u.Kuhns Zeitschr. 29, 438. Einleit, in die Gesch.d. griech. Sprache 248, 4. Froehde, ebend. 22,553. Fleckeisen, Jahrb. f. Phil. 143 (1891), 657.B. Meister, Griech. Dial. 1, 267. Sächs. Abhandl.13, 734. G. Meyer, Gr. Gramm} § 295. [Höfer.]