2501
Pietas
Pietas
2502
gleich. Litt.-Gesch. N. F. 12, 450 ff.), die in derhellenistischen Litteratur und Kunst auf denNamen von Mykon und Pero geht ( Val. Max.5, 4 ext. 1. Hygin. fab. 254; pompejanischeWandgemälde Helbig nr. 1376, Sogliano nr. 599und neuerdings im Hause des M. LucretiusFronto mit beigeschriebenem lateinischen Epi-gramm, Notiz, d. Scavi 1900,199, vgl. Buecheler,Rhein. Mus. 56, 1901 S. 156. A. Mau, Rom .Mitteil. 16, 1901 S. 351; pompejanische Terra-cotten Rom . Mitteil. 13, 1898 S. 20) und hiermit der Tempelgründung in gar keinen innerenZusammenhang gesetzt ist (nach Plinius stehtder Tempel an der Stelle des Gefängnisses,nach Festus dort, wo die fromme Tochter ge-wohnt hatte). Wenn Plinius die Stiftung desTempels C. Quinctio M.‘ Acilio coss. d. h. (wennwir T. Quinctio herstellen) 604 == 150 ansetzt,so mufs das auf einem Irrtum entweder vonihm oder seiner Quelle beruhen; denn die neuer-dings von R. Delbrück {Die drei Tempel amForum holitorimn in Rom [Rom 1903] S. 6)vertretene Ansicht, dafs es sich um zwei ver-schiedene Tempel handele, ist dadurch aus-geschlossen, dafs Festus den Tempel, an dem
1) Deziar des M. Herennius ( Babeion , Monn, de la rSp.Rom. 1, 539 nr. 1).
die Legende haftete, ausdrücklich als aedemconsecratam ab Acilio bezeichnet. Zur Zeit desPlinius, vielleicht schon zu der seines Gewährs-mannes, war der Tempel verschwunden (ubinunc Marcelli theatrum est), er war den PlänenCaesars, der für die Erbauung des späterenMarcellustheaters hier ganze Gebäudekomplexeabbrechen liefs ( Cass. Dio 43, 49, 3), zum Opfergefallen. Daher suchen wir seinen Stiftungs-tag vergeblich in den Hemerologien der au-gusteischen Zeit. Wohl aber bezeugen diesedie Existenz eines andern Tempels der Pietasin derselben Stadtgegend, beim Cirkus Flami-nius, dessen Stiftungstag auf den 1. Dezemberfiel {fast. Amit. C. I. L. I 2 p. 335: NeptunoPietati ad circ(um) P'lamin(ium)) und den Ob-sequens bei Gelegenheit eines Prodigiums be-reits im J. 663 = 91 erwähnt ( Obsequ. 54 [114]aedis Pietatis in circo Flaminio clausa fulmine•icta; dasselbe Prodigium meint Oie. de divin.1, 98). Uber die Auffassung des Gottesdienstesin diesen Tempeln fehlt es uns begreiflicherWeise an Zeugnissen, dafs aber die Göttin nichtals Repräsentantin allgemeiner Frömmigkeit,sondern treuer und aufopferungsfreudiger An-hänglichkeit zwischen Verwandten, insbesondreEltern und Kindern, verstanden wurde, zeigendie Münzen mit der Darstellung der Pietas,die sie durchweg in diesem Sinne darstellen.Die ältesten sind wohl die Denare des M. Heren-nius etwa aus dem ersten Jahrzehnt (= Abb. 1)des ersten Jhdts. v. Chr. ( Babeion, Monn, de la
republ. Rom . 1 , 539 nr. 1), deren Vorderseite einennach rechts gewandten Frauenkopf mit Diadem,Ohrringen und Halsband und dabei die Bei-schrift PIETAS zeigt; aus welchem Grunde derMünzmeister den Kopf der Pietas auf seineMünzen setzte, wissen wir nicht, welche Artvon pietas aber gemeint ist, zeigt die Revers-prägung, die einen der frommen Brüder vonKatana darstellt, wie er seinen Vater auf denio Schultern vor einem Ausbruche des Aetna rettet.Ein ganz ähnlicher Kopf erscheint auf den vonQ. Caecilius Metellus Pius im sertorianischenKriege (anders A.Kluegmann, Ztschr. f.Numism.8, 1881 S. 68, kaum mitDenaren (= Abb. 2. Babeiona. a. O. 1, 275 nr. 43. 44;dagegen ist die Frau aufdem Zweigespann auf äl-teren Denaren desselben20 Mannes, Babeion a. a. O. 1,
273 nr. 38, nicht als Pietaszu erklären, vgl. Mommsen,
Ztschr. f. Numism. 2, 1875S. 43): zwar fehlt die Bei-schrift, aber die schon durchdas Cognomen Pius nahegelegte Deutung auf Pietaswird sicher gestellt durch das Beizeichen desStorches; denn die ciconia pietaticultrix {Publ-ic Syr. frg. 8 Ribb.) begegnet als Symbol derPietas sowohl auf den noch zu erwähnendenDenaren des M. Antonius als vereinzelt nochin der Kaiserzeit (z. B. Cohen, monn. imperTAdrien nr. 1032—1036). Er war vielleicht imKultbilde eines der beiden genannten Tempelder Göttin als Begleiter beigegeben, auf Grunddes vielfach bezeugten Volksglaubens, dafs derStorch als svßtßtßvatov Sqxnv seine alten Elternernähre {Aristoph. Av. 1353 ff. Plat. Aleib. 1,40 135 E. Aristot. hist. anim.
Recht) geprägten
3) Denar (Revers) desL. Antonius {Babeiona. a. 0. 1, 173 nr. 43).
9, 615 b 23. Plin. n. h, 10,
63. Aelian. nat. anim. 3, 23.
10, 16. Babr. 13 und mehrbei A. Marx, Griech. Mär-chen von dankbaren TierenS. 53 Anm. 2). In ganzerFigur begegnet uns Pietas,durch Beischrift gesichert,als Reversbild einerseits auf
so den von Sex. Pompeius nachder Schlacht bei Munda inSpanien geschlagenen Münzen (= Abb. 3.Babeion a. a. 0. 2, 350 nr. 16. 17), anderer-seits auf den Denaren, die L. Antonius alsKonsul im J. 713 = 41 im Namen seinesBruders, des Triumvirn M. Antonius , prägenliefs {Babeion a. a. 0. 1, 173f. nr. 43—46); dieGöttin ist stehend in voller Gewandung dar-gestellt, auf den Münzen des Pompeius trägt
60 sie im linken Arm ein Scepter, in der Rechteneinen Ölzweig, auf denen des Antonius in derLinken ein Füllhorn, in der Rechten auf demeinen Mtinztypus (nr. 45. 46) einen undeutlichenGegenstand, den man für einen kleinen Altarmit brennender Flamme erklärt, auf dem andern(nr. 43. 44) ein Steuerruder, das auf eine Ver-mengung der Begriffe von Fortuna und Pietashinweist {Eckhel, Doctr. num. 6, 43;; der Storch
79 *