Band 
Dritter Band, zweite Abteilung. Pasikrateia. - Pyxios.
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2789-2790
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2789 Poseidon (allgem. Stellung)

(dor. thess. Ποτειδ-), Ποοοιδ- und Ποοιδ-(dor. ΤΊοτιδ-) auf eine ursprünglich durch denwechselnden Accent bedingte dreifach stamm-abstufende Deklination des Namens zurück(ygl. Meister 2, 98. Hoff mann 1 , 179). DieDeutungen des Namens nehmen fortwährendan Zahl zu, aber nicht an Sicherheit. Hiernur die wichtigsten. Nach Ahrens, Philol. 23,lff. = 24, 387 ist er zusammengesetzt ausτιοτι d. h. πόαις Trank und Dar, Αύς = Zeus,ein Siifswasser-Zeus , vgl. Ζευς ένάλιος Aeschyl.fr. 334. Gilbert, Griech Götterlehre S. 168 folgtdieser Deutung und fafst das Wasser alsHimmelswasser auf. Die bekanntesten Mytho-logen ziehen noch ποτίξειν u. ποταμό? heran,um gleichfalls einen Gott des feuchten Elementsherauszulesen, vgl. Laistner, Bätsel der Sphinx2, 445. Dagegen deutet Fick (Kuhns Zs. 21.462. Vergleich. W. B. s 1, 507) Ποτ-ειδ-άων alsHerrscher des Schwalls: πόας Gatte, skr. patis,οίδάω schwellen. Curtius Gründe . ΰ 245 u. mitBrugmann M. Müller, Contributions to the Scienceof mythology 1897 S. 379 lehnen diese Deutungab, der letztere, um die viel unglaublicherePotidaios -he who is near-or-against-the-Wooded-land (Ida) an die Stelle zu setzen.Auch Hoffmann a. a. Ο. 1, 200 ist zur Annahmeeiner Komposition mit der Präposition πός ge-neigt, vgl. Prellivitz a. a. 0. 9, 328ff, der ihnals den Heranflutenden erklärt. Meringer(. Bezzenberger, Beitr. 16, 232) deutet Ποτέ t-,Ποτοι aus altind. pathe und δαΡων als denWeggebenden, den Bahnmacher. Nach B.Brown, Semitic influence in Hellenic mythology1898 S. 127, der P. für einen nichtarisehenGott hält, ist sein Name eine hybride Bildung:ΠόαιςΊτανΟξ,Ίτωνος Herr der Insel Tan (Kreta )oder der Tanninim, der Seeungeheuer(l). Mehrbei Gruppe. Gr. M. 2, 1151 fl'.

Poseidons allgemeine Stellung.

P. nimmt als vollständig ausgebildeter Gottalles strömenden Wassers, insbesondere desMeeres, unter den griechischen, ja unter denindogermanischen Göttern überhaupt eine un-vergleichliche Stellung ein. Wenigstens alsMeergott kann er nicht wohl zu den aller-ältesten griechischen Gottheiten, die, wie z. B.Zeus, in die indogermanische Urzeit hinauf-reichen, gehören, da weder die Hellenen, noch ;die ihnen urverwandten Völker vordem an derSee wohnten. Selbst unter den mythischenMeerwesen Griechenlands giebt er sich alseins der jüngsten und deshalb als eins derreifsten zu erkennen. Eine vorhellenische Gel-tung Poseidons unter den Indogermanen wärealso nur in dem Falle annehmbar, dafs er einstnicht das Wasser des Meeres, sondern nur dasdes Binnenlandes oder aber auch eine Natur-kraft, wie etwa den die Gesamtwasserwelt be- 6herrschenden Wind oder Sturm, bedeutet hätte,wofür allerdings einige ihm auch noch späteranhaftende Züge zu sprechen scheinen.

Poseidon ein echt hellenischer Grott.

Jedenfalls trägt sein Mythus wie Kultusein durchaus hellenisches Gepräge, an demauch nur leise Spuren eines etwaigen früheren

Poseidon (echt hellenisch. Gott ) 2790

fremden Einflusses nicht wahrnehmbar sind,w'enn man sie nicht in mehreren Genealogieen,namentlich der thebanischen, erkennen will.Der Ansicht Herodots 2, 50. 4, 180. 188, Nameund Dienst Poseidons seien aus Libyen nachGriechenland gekommen, trat bereits Völcker,Mythologie des japetischen Geschlechts 1824S. 133 ff. 219 entgegen, vgl. Preller 4, 545.Dennoch hielt nicht nur Böttiger, Amalthea 3,ο XIV ff. an ihr fest, sondern auch Gerhardsuchte die fremde Herkunft des Gottes da-durch zu stützen, dafs er in den Abh. derBerliner Akademie 1850 auf den mit phöni-zischem Barbarentum gemischten Charakterseiner Söhne und Frauen, seines Gefolges, seinerVerehrer und Opferbräuche und auf seine vielenZwiste mit andern echt griechischen Gottheitenhinwies, während er in der Griechischen Mytho-logie 1854 § 62. 231. 240, 3 vorzugsweise seino karisches Wesen betonte. Ähnliche keines-wegs durchschlagende Gründe bestimmten li.Curtius, Griech. Geschichte® 1, 51 ff 99, Poseidonfür den unholden Gott des asiatischen Griechen-volks d. h. der Karer, Leleger und Ionierzu erklären, der später vor den eigentlichhellenischen Gottheiten hätte zurückweichenmüssen, so in Athen , Olympia, Delphi. Nunist wohl richtig, dafs den Poseidondienst zuerstdiejenigen griechischen Stämme ausbildeten,i die, wie die der Ostküste, vorzugsweise denEinwirkungen fremder Seefahrer, insbesondereder Phönizier, Karer und Leleger, ausgesetztwaren. Die Karer aber verehrten einen GottΌσογώς (s. d.) oder Zeus Osogos in Mylasa ,der von den Griechen in späteren Inschriften(C. 1. G. nr. 2700) mit Poseidon identifiziertund infolge davon durch Zenoposeidon über-setzt wurde ( Theophrast . b. Athen . 2,15; vgl. 8,18,vgl. Preller* 1, 580. Overbeck, Griech. Kunst-myth. 2, 268), und in seinem Heiligtum gab eseinen Salzwasserquell wie in den Poseidon-heiligtiimem zu Athen und Mantineia , Puusan.8, 10, 4. Auch hatten die Phönizier, nachdemsie zu einem Schiffervolk geworden waren,ihren alten Gestirngöttern die Gewalt auchüber das Meer übertragen. So verehrten dieSidonier einen ffcdacoto? Ζευς, die Tyriermachten ihren Sonnengott Melkart später zumMeergott, der als solcher auch in Korinth unterdem Namen Melikertes (s. d.) Verehrung fandund dem ihn liebenden griechischen MeerdämonGlaukos (s. d. Sp. 1681) zugesellt wurde. Einigegriechische Seeplätze besafsen ein tyriscbesHerakleion d. h. einen Melkarttempel, den atti-schen Φοίνικες war der Poseidonkultus erb-eigentümlich, und es ist von einem Streit zwi-schen Phöniziern und Phalereern im Hafen vonPhaleron über die Priesterschaft des Poseidon die Bede, Έ. Curtius, Stadtgesch. v. Athen S. 23.Wachsmuth, Stadt Athen S. 405. Töpffer, Att.Genealogie S. 300. Dionys, de Dinaicho 10.Über den phönizischen Meergott und SarapisVerhältnis zu Poseidon Drexler, mythol. Beitr.

1, 140; über Poseidon als phönizisch-babyloni-schen Meergott B. Brown, Semitic influence inHellenic mythology S. 100 ff. Des MelikertesGrofsvater Kadmos gründete in Ialysos aufRhodos einen Poseidontempel, dessen Priester

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