Band 
Dritter Band, zweite Abteilung. Pasikrateia. - Pyxios.
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2791-2792
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2791 Poseidon (d.Meer erweitert d.gr.Myth.)

aus einem Geschlecht von übrigens nicht un-bestrittener phönizischer Abkunft gewähltwurde, Diodor. δ, 58; vgl. 0. Crusius Art. Kad-mos Sp. 881 ff. Tümpel Art. Kassiepeia Sp. 994,Auch in Thera hatte Kadinos auf derselbenReise den Poseidondienst gegründet, Theophr.b. Schol. Find. P. 4, 11. Aber Kadmos (s. d.)gehört nicht zu den Phöniziern, sondern zu denböotischen Kadmeern-Minyern, und wenn auchan einigen der angeführten Punkte sich fremdeSeegötter, die man auch Poseidone nennenkonnte, mit den heimischen berührt und nament-lich zu einigen der grofsen Poseidonamphik-tyonien wie Kalauria u. s. w. die Phöniker denAnstofs gegeben haben mögen, so scheint dochdieser harmonisch aus einem Gufs geschaffeneGott nicht irgendwie wesentlich von jenen be-einflufst oder gar erst aus ihnen umgebildetworden zu sein, vgl. Welcher, Griech. Götterl.1, G39ff. Gilbert a. a. 0. 448. Eher läfst sicheine Einwirkung jener fremden Wesen auf diegriechischen Meerdämonen vermuten. Münzenvon Korinth und der kretischen Stadt Itanos,einer wahrscheinlich phönizischen Stiftung,zeigen einen mit menschlichem Oberkörper undeinem Fischschwanz versehenen Dämon, derwie Poseidon einen Dreizack führt, s. Knapp,Korobios von Itanos in Philol. N. F. 2. 48, 499.Drefsler, Triton und die Tritonen I. Progr.des Gymnas. zu Wurzen 1892 S. 6. Dieserfischschwänzige Typus, der auch in einigenalten Darstellungen als Halios Geron (s. d.)begegnet, ist einem auf mehreren babylonischenund assyrischen Siegelsteinen nachweisbarenFisehgotte entlehnt ( Baudissin, Stud. z. semit.Religionsgesch. 2, 175ff. Furtwängler, Äbh. d.Perl. Äkad. 1879 S. 97. Müchhöfer, Anfänged. Kunst S. 84. 185. Drefsler a. a. 0. S. 16),doch ist der Dreizack wohl hellenischen Ur-sprungs.

Die Erweiterung der griechischen Mytho-logie durch das Meer.

Nachdem sich mehrere griechische Stämmean den Küsten des Mittelmeeres niedergelassenund vollends nachdem sie, zur Seefahrt über-gegangen, dessen Schrecknisse und Segnungengenauer erprobt hatten, mufsten sie den Per-sonifikationen der für sie neuen Naturmächte,den Seedämonen und -göttern, in ihrer älterenbinnenländischen Mythenwelt Raum schaffen.Die ältere Einteilung der Welt in Himmel undErde, aus der nur die beiden Göttergruppen:oi άνω und ol κάτω oder oi νηατοι und olχ&όνιοι oder ol ουράνιοι, und ol χ&όνιοι ffsoihervorgegangen waren, konnte nun erst einerandern der Natur ihres neuen Wohnsitzes ge-mäiseren Einteilung in Himmel, Erde und Meerweichen, vgl. Preller 1 1 , 106. Hermann, Gottes-dienstl. Altert. § 13, δ. N/igelsbach, Nachhomer.Theol. S. 103. Doch zeigte sich der späteremythologische Trieb bei Lösung der neuenAufgabe der Meeresvergötterung bei weitemnicht so kraftvoll wie die früheren. Jene ältereWeltanschauung lief noch lange neben derjüngeren her; nur an einer einzigen Stelle, inArtemidors Traumbuch, bilden die fftol &αλάσ-6iot eine besondere Gattung und, was wichtiger

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ist, die Ausgestaltung namentlich der höherenMeergottheiten, insbesondere der weiblichen,ist verhältnismäfsig dürftig ausgefallen, ebensowie bei den Germanen, selbst den nördlichen,so dafs sie nicht entfernt mit der Formenfülleund Bedeutsamkeit der himmlischen, ja nichteinmal der unterweltlichen Gottheiten wett-eifern kann. Auch im neuen Griechenland istes trotz seiner Seetüchtigkeit um diese Provinzdes Volksglaubens sehr schlecht bestellt, vgl.B. Schmidt, Volhsleben d. Neugriechen S. 131.135. Polites Melete S. 5765.

Poseidons Vorbilder.

Zum Aufbau ihrer Meeresmythologie be-nutzten die Griechen wie die Phönizier sehrviel älteres, andern Mythengebieten entlehntesMaterial. Aber sie zogen nicht wie jene dieGestirngötter zu Hilfe, sondern ihre alten ausdem Binnenland mitgebrachten Wind- undWolkendämonen, die sie ja mit dem Meer infortwährendem, wechselndem Verkehr vor sichsahen. So entstand namentlich an der Ost-kiiste Griechenlands eine reiche vorposeidonischeLebewelt im Meere, aus der endlich, als höchstesgöttliches Gebilde, Poseidon hervorgegangenzu sein scheint, das die unedlen Züge der Dä-monen möglichst abstiefs, die meisten edlerenaber in sich vereinte. Diese Vorgänger warenzum Teil noch ganz elementarische Wind-dämonen, wie z. B. Boreas (s. d.), der, vonden Athenern angerufen, die persischen Schiffebei Chalkis vernichtete, Herod. 7, 189, geradewie Poseidon (s. u.) zum Dank dafür ein Heilig-tum am Ilissos erhielt, und dessen Berg beiMegalopolis, das Böqsiov, ein altes Heiligtumdes Poseidon und der Pallas trug, Paus. 8, 27,6. 34, 4; vgl. M. Mayer, Giganten S. 108ff. Derneugriechische Herr Boreas weckt die tQinvyius,Polites, Melete S. 82, wie Poseidon (s. u.). ZumTeil waren diese Vorgänger in Riesenleibergebannte Stürme, wie Alkyoneus (s. d. u. vgl.M. Mayer, Giganten 172. Robert ira Hermes 19,473. 484), der Wintersturm, und Aigaion-Briareos, der vor andern dem Poseidon nahesteht. Zum Teil hatten sie ein milderes undtrotz ihrer nicht immer ganz beseitigten Tier-haftigkeit menschlicheres Wesen, wie derHalios Geron und dessen lokale Abtönungen:Glaukos, Nereus, Proteus und Triton, vgl. E.Gurtius, Ber. d. Bert. Äkad. 43, 1890, 1148.Drefsler a. a. 0. 1. Zwischen beiden Gruppenin der Mitte steht etwa der Meergreis Phorkynoder Phorkys (s. d.), Od. 1 , 72. 13, 96. 345 u.Theog. 237. 270. Zum Teil waren diese Dä-monen bereits heroisiert wie z. B. der trözenischeAigeus oder der tarentinisch-brundusinisch-rhodische Phalanthos, der lesbische Enalosund andere. Aigeus ist nach Wulff zur The-seussage, Diss. Dorpat . 1892, 168, der ursprüng-liche Name des P. in Thessalien (vgl. Corp.script. Byz. 1, 215) und vor alters in Marathonzu Haus und entspricht hier dem trözenischenPoseidon. Auch als Sohn Ps wird er bezeichnetund verjagt nach Usener, Götternamen S. 200im Herbst den sommerlichen Lykos, den Licht-bringer. Andere gehen weiter und erklären,wie Wernicke, Archäol. Jahrb. 7, 1892, 213,

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