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2799 Poseidon (b. Homer)
ein ganzes Jahr, um ihm die Mauern Trojasaufzubauen, II. 21, 441 ff'. 24, 26; vgl. 7, 462.Erst Verg. Aen. 2, 610 erzählt, dais er selbersie bei der Zerstörung der Stadt mit demDreizack vernichtet habe. Weiteres s. u. Lao-medon Sp. 184:1. Aus der Anschauung dervom Sturm getriebenen Wolkenrosse und ga-loppierender schaumbedeckter Wellen und wohlnicht ans jener sehr fraglichen Vorstellungeiner unterirdischen Wagenfahrt, wie sie Widea. a. 0. annimmt, scheint ihm der Beiname" I-itTtioe erwachsen, der zwar von Homer nichterwähnt ist, aber doch wohl als vorhomerischangesehen werden darf. Denn in seinem Pa-laste zu Aigai standen seine erzhufigen, gold-mähnigen Rosse, mit denen er über die Wogenfuhr, 11. 13, 23ff. Dem Zeus spannte er dieRosse aus, schenkte die schnellsten aller un-sterblichen Pferde demPeleusund lehrte, aller-dings mit Zeus vereint, seinen Urenkel Anti-lochos die Pferdekunst. Menelaos verlangtevon diesem, er sollte nach der Sitte vor demGespann beim Ennosigaios schwören, dafs ernicht durch Trug seinem Wagen beim Wett-rennen zuvorgekommen wäre, II. 8, 440. 23,307. 276 ff.; vgl. Mannhardt, Amt. W. F. K. lOOffMythol. Forsch. 263. Auch P’s späterer Bei-name TavQSio?, Tavgsog , der aus der An-schauung im Sturm brüllender Wogen ent-sprungen zu sein scheint, kommt noch nichtvor, wird aber vielleicht durch den Kult wahr-scheinlich gemacht. Denn Jünglinge ziehenum den helikonischen P. Stiere, II. 20, 403,die Ph'äaken, deren Könige von P. abstammten,schlachteten ihm deren 12 zur Sühne, Od. 7,50. 13, 181, Nestor opfert dem Alpheios einenStier, dem P. einen andern, II. 11, 728, aufder Rückfahrt von Troja in Geraistos vieleStiere, Od. 3, 177 vgl. 11, 131; neun ReihenPylier zu je 500 Mann opfern neunmal neunschwarze Stiere am Strande, Od. 3, 5 ff. (vgl.Fd. Meyer, Gesell, d. A. 2, 318 u. Koscher, DieSieben- w. Neunzahl im grieeh. Kultus 62).
Homer kannte bereits einige Liebschaftendes Meergottes. Vom Meer her drang dieserin die Mündung des thessalischen Flusses Eni-peus d. h. des Andrängers (Curtius, Gr. 6 461),um in dessen Gestalt unter dem Dach einerhochgewölbten Woge die Tyro, Salmoneus’Tochter, liebend zu umfangen, Od. 11, 235ffSie gebar ihm Pelias und Neleus (s. d. Bd. 3,Sp. 104. 110). Diese Sage wurde später auf denEnipeus in Elis übertragen (H. D. Müller, Myth.d. grieeh. Stämme 1, 142ff). Einen P. Enipeuskannten auch die Milesier, Tzetz. Lykophr. 722.Die Nymphe Thoosa, des Meergreises PhorkynTochter, gebar dem P. den Kyklopen Polyphem (s. d.), Od. 1, 71, während die Kyklopen offen-bar nach älterer Anschauung bei Hesiod und denSpäteren Söhne des Uranos und der Gaia sind(s. Kyklopen Sp. 1676. 1683;. Polyphem aberist wohl nicht gerade als Personifikation derwüsten Naturgewalt Poseidons aufzufassen,sondern ist erst deshalb zu seinem Sohne ge-macht, um im Zorn des Vaters über die Blendungeinen Grund für die Zertrümmerung der Flottedes Odysseus zu haben ( Müllenhoff', D. Alter-tumsk. 1, 47. Mannhardt, A. W. F. 108).
Schon sind manche Einzelzüge Poseidonsangeführt, die nicht aus dem nordgriechischenVolksglauben kamen, sondern ihm von denionischen Sängern Kleinasiens verliehen wurden.Aber diese verflochten ihn noch viel tiefer undleidenschaftlicher in die Schicksale Troj as undin die für oder wider die Stadt geschlossenenBündnisse der Götter. Seitdem der undank-bare König Laomedon für jenen Mauerbau (s. o.)io die Baumeister Apollon und Poseidon ohneden versprochenen Lohn schimpflich aus demLande gejagt hatte, halste dieser ihn und alleTroer bis auf den Aeneas, den er vor Achilleus rettete, jedoch nur, damit sein Schützling späterstatt der verhafsten Priamiden im Reicheherrsche, II. 20, 202ff 318ff.; vgl. Verg. Aen.5, 803. Als Schutzgott der Griechen, der sichfrüher schon seiner bedrängten Söhne, der Mo-lionen in der Schlacht angenommen hatte, vor20 Troja aber seinen gefallenen Enkel Antimachos,des Kteatos Sohn, rächte und seinen bedrohtenUrenkel Antilochos , den Nestoriden, schützte,II. 11, 750. 13, 206. 554, focht er in seinenReihen und machte sogar im Bewufstseingleicher Würde Miene, wider Zeus ’ Befehl darinzu verharren. Doch fügte er sich ihm nochzu rechter Zeit als Jüngerer, 11. 13, 14. 15, lff.168 ff. Noch willkürlicher erfunden scheint inder Ilias seine Teilnahme an der Theomachie,30 die wie die Parodie einer älteren Titano-machie klingt. Unter furchtbarem Erdbebenstürmt er zum Schlachtfeld der Götter, umsich hier mit einem höchst friedseligen Ge-spräch mit seinem Gegner Apollon zu begnügen,11. 20, 57ff. 21, 435 ff. Mit Recht fand Fseudo-Longimts περί vtpovs 9 die Schilderung Posei-dons II. 13, 18 ff (s. o.) weit besser als dieSchilderung dieses Götterkriegs, ln anderenScenen macht sich mehr und mehr eine theo-40 logische Spekulation geltend. So verschwörtsich Poseidon mit Hera und Athena gegenden Göttervater, als ob Bruder, Gattin undTochter die volle Gleichberechtigung mit diesemdurchsetzen wollten, II. 1, 397. Er tritt hierbereits als Glied eines künstlichen Göttersystemsauf. Er gehört trotz seiner Stellung zu Meerund Wasser stets zu den olympischen Götternund zwar zu den vornehmsten, denen nichtder Volksglaube, sondern erst die homerische50 oder eine andere wohl rdcht viel ältere Speku-lation die fremdländischen Gottheiten Kronos und Rh eia zu Eltern gab ( Nägelsbaeh, Nach-hom. Theol. 101 ) Deren Kinder sind bei HomerZeus, Poseidon, Hades und Hera , II. 14,137, 4, 59 u. s. w., bei Hesiod aufserdem Histiaund Demeter, Theog. 453 ff. Weder die Zahlnoch die Altersfolge steht in der homerisch-hesiodischen Periode fest. Denn in der 11 . 13,354f. 15, 165f. 204 ist Zeus der ältere und60 der weisere Bruder Poseidons , den dieser so-gar ’Ζεν πάτερ’, II. 13, 128, anredet. Da-gegen steht 11 . 20, 13 dem Poseidon in dervon Zeus berufenen Götterversammlung daserste Wort zu, und Od. 13, 142 ehren ihn dieGötter nach Zeus ’ Aussage sogar als den ’πρεο-βντατον καί αριοτον’. Hier ist das vordereEpitheton nicht im übertragenen Sinne ehr-würdig, sondern im eigentlichen Sinne, also