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selbst“ im Traume Vieles und Seltsames — erselbst (daran kann er nicht zweifeln) und dochnicht sein ihm und andern wohlbekanntes sicht-bares Ich; denn dieses lag ja wie tot da, allenEindrücken unzugänglich. Es lebt also in ihmein anderes Ich, das im Traum tätig ist. Dafsdie Traumerlebnisse tatsächliche Vorgänge sind,nicht leere Einbildungen, steht auch für Homer noch fest. Nie heilst es da, wie oft bei spätemDichtern, dafs der Träumende dies und jenesZusehen ,, vermeinte“, sondern, was er im Traumwahrnimmt, sind wirkliche Gestalten: wie dasSehen des Träumenden ein realer Vorgang ist,so ist das, was er sieht, ein realer Gegenstand.So ist es denn auch ein Wirkliches, was demTräumenden als Gestalt eines jüngst Verstor-benen erscheint. Und weiter: Kann diese Ge-stalt dem Träumenden sich zeigen, so mufs sieeben auch noch vorhanden sein; sie über-dauert also den Tod, aber freilich nur als luft-artiges Abbild, so, wie wir etwa unser eigenBild im Wasserspiegel sehen; greifen und fest-h alten, wie einst das sichtbare Ich, läfgt sichdieses Luftwesen nicht; darum eben heilst esψυχή, Hauch. — So stellt sich der tote Freund,bzw. seine ·ψνχή zu Häupten des schlafendenAchill und bittet um möglichst schnelle Be-stattung, auf dafs sie durchschreiten könnedie Tore des Hades. Weil unbestattet, liefsensie die übrigen Seelen ([ψνχαί,] είδωλα κκμ,όντων,v. 72, ebenso Od. 11, 476. 24, 14) nicht sichihnen beigesellen über den Strom. Ganz ver-einzelt steht da das Abwehren der Seelen Un-bestatteter seitens der andern Seelen selbst; imübrigen ist zu vergleichen einerseits die Elpenor-episode Od. 11, 51—83, wo die noch nicht be-stattete Seele dieses Odysseusgenossen denOdysseus um Bestattung angeht, anderseits Verg.Aen 6, 325—330, wo gleichfalls davon die Hedeist, dafs die αταψοι nicht über den Acherongelangen; die Zeit, da sie um diese Gestadeflatternd herumirren, ist (wie es scheint, vonVergil ) auf hundert Jahre beschränkt, vgl. dar-über Norden, Verg. Aen. Buch VI S. 10 ff. —Patroklos sagt Achill sein Schicksal voraus,v. 80 f., wie allgemein die Seelen die Zukunftvoraussehen. Patroklos selber hat zur Hand-reichung zu einem letzten Lebewohl aufge-fordert (v. 75 f.); wie aber Achill verlangendnach ihm die Hände ausstreckt, da war ent-wichen die -ψυχή unter die Erde, gleichwie einHauch (ήντε καπνός v. 100), mit leisem Ge-räusch, wie es junge Vögel oder Fledermäuseverursachen; τετριγνϊα heilst es v. 101, zwit-schernd (der gleiche Ausdruck wird 11. 2,314 vonwirklichen Vögeln gebraucht) enteilt die Seelezum Hades; zwitschernd oder schwirrend wie dieFledermäuse, nach homerischer Auffassung dochwohl echte Vögel, folgen die Seelen der Freierdem Hermes, Od. 24, 5 ff., vgl. Aristoph. Vö.1564 (Χαιρεψων ή νυκτερίς), und das Geschreider Toten, die vor dem mit drohend ge-spanntem Bogen einherschreitenden Herakleserschreckt nach allen Seiten flattern, wirddem der Vögel verglichen ( κλαγγή νεκνων ..οΙωνών ως, Od 11, 605. 633); denn Herakles hat die Stymphaliden bekämpft, „eine lokaleGattung gewalttätiger Seelendämonen, die in
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der Ortssage ihre reine Vogelgestalt treiuer be-wahrt haben als selbst die Seirenen 1 “, unddarum fliehen vor ihm die Seelenvögel imHades, vgl. Weicher, Der Seelenvogel 3. 21, derin diesen Stellen Hudimente erkennt ein er vor-homerischen Anschauung, des indogermanischenGlaubens an die Vogelgestalt der Menschen-seele, vgl. schon E. Rie/s , Rhein . Mus. N. F.49, 1894, 189 f. Sam Wide,Ath . Mitt. 26>, 1901,153. Norden, Verg. Aen. Buch VI S. 162, 1,auch Finsler, Homer S. 469. — Weg war dieipv%rj des Patroklos, wie sich auch des Odys-seus Mutter im Hades der Umarmung ihresSohnes entzieht (Od. 11, 204 ff., vgl. Verg.Aen. 6, 700 ff. 2, 792 ff. Dante , Burg. 2, 76 ff.Norden a. O. 297), und es seufzt der alleinzurückbleibende Achill: „Wahrhaftig, so gibtes also wirklich auch im Hades noch spv%rjKal siäaXov, uxu.o qigsvsg ovk tvi mxgnav, einhauchartiges Abbild oder Schattenbild des wirk-lichen Menschen ohne Zwerchfell“, vgl. Ebeling,Lex. Hom. s. tpgrjv (2, 449 a), vgl. auch 2, 481 b.Rohde 1, 7 f.; ähnlich Verg. Georg. 4, 472:umbraeibant tenues s i m ulacra q u e luce caren-tum. Einzig des Teiresias hat noch tpg^veghgitsäoi, was durch vovg und nenvve&ai. verdeut-licht wird, sagen wir also 'ungeschwächtenVerstand’ (Od. 10, 493 ff). Diese rpgHes Ig-nsäoibekunden sich darin, dafs Teiresias denOdysseus ohne weiteres, d. h. ohne vom Blutgetrunken zu haben, erkennt und anredet (Od.11, 91 ff); vgl. Rohde 1, 117 f., 2.
b) Des Teiresias Seele zu befragen (Od. 10,492=565, auch 11, 165. 23, 323), wird Odysseus von Kirke in den Hades geschickt: das ist —wunderbar genug — die Motivierung derganzen Nekyia , der Hadesfahrt des griechischenMärchenhelden; Teiresias soll ihm das Nötigeüber die endliche Heimkehr mitteilen (10,539 ff).Nachdem Odysseus die von Kirke vorgeschrie-benen Opfer dargebracht, sammeln sich, wiegleichfalls Kirke vorausgesagt (10, 529 ff), ausdem Erebos die Seelen der dahingeschiedenenToten (11, 36 ff), Odysseus aberliefs sie (vskvcovagevtjva Kaqr\ya Od. 10, 521. 536. 11, 29. 49,s. u. über die Seele in blofser Kopfgestalt,Weicher a. O. 30 f.) dem Blute nicht nähertreten, bevor er Teiresias befragt (zu 10, 531bis 537 mit dem Auftrag der Kirke vgl. 11,
44—50). Zunächst Gespräch des Odysseus mitElpenor, der um Bestattung fleht (10, 51—83):insl ataq>og. räv äh roiovtav Kal itgo rovmtiv cp&syyovtat, al ipvyai ( Schol. V); dafsimmerhin auch Elpenor Blut zu trinken be-gehrt, läfst sich nicht wohl aus v. 82 ent-nehmen. Wiederum bezeichnend ist, dafs El-penor Zukünftiges kennt, dafs er bestimmtweifs, dafs Odysseus wieder aus dem Hadesan die Oberwelt zurückkehrt (v. 69 ff). Zwei-tens taucht auf die Seele der Antikleia, derMutter des Helden; auch ihr mufs er zunächstnoch wehren (11, 84—89), und still sitzt siejetzt in der Nähe des Blutes, ohne den Sohnzu erkennen (11, 142 ff.). Endlich kommt Teire-sias, der ohne weiteres Odysseus erkennt undanredet (v. 91); immerhin wünscht auch er erstvom Blut zu trinken, zur Stärkung der ;jj, jum dann die Wahrheit zu künden; im fernem
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