Band 
Dritter Band, zweite Abteilung. Pasikrateia. - Pyxios.
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3209-3210
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3209 Psyche (b. Homer)

als eine Eigenschaft des lebendigen Leibes zubetrachten; dieser hat alle seine Lebenskräfte,nicht nur &νμός, sondern ebenso μένος, νόος,μήτις, βουλή in sich selbst, Leben hat er jedocherst, wenn die ψυχή hinzutritt, die etwas vonall diesen Lebenskräften völlig Verschiedenesist, ein selbständiges Wesen für sich, allein mitdem Namen 'Seele zu benennen. Unter dendem lebendigen Menschen innewohnendenLebenskräften ist wohl der &νμάς die höchste iund allgemeinste, 'die Gesamtheit des innerenMenschen (Finsler S. 319), die ψυχή aber istnach Rohde, wie oben ausgeführt, der seelischeDoppelgänger des sichtbaren Menschen, dernach dem Tod die Gestalt des Lebenden bei-behält nnd im Hades weilt als Abbild desGestorbenen. Die ψυχή entweicht aus demMunde, 11. 9, 408 f. (ερκος όδόντων), oder durchdie klaffende Wunde, II. 14, 518 (κατ ονταμένηνωτειλήν), vgl. dazu II. 16, 504 f., oder sie ent- 2fliegt aus den Gliedern zum Hades, II. 16,856 = 22, 362 (έχρε&έων), vgl. II. 7, 131.Die Seele verläfst das Tageslicht, vgl. Hom,Hymn. auf Aphrod. 273; der Hades ist ihrZiel, II. 1, 3, wozu 11, 55; 5, 654 = 11, 445= 16, 625; II. 7, 330, wozu Od. 10, 560 = 11,65, vgl. Od. 24, 1. 14. Dafs die Seele durchden Mund entweicht, ist heute noch Volks-glaube in Griechenland , vgl. z. B. B. Schmidt,Volksleben der Neugriechen 1, 228. G. Nicole, s(bei Daremberg et Saglio) 744, 9 undist sonatürlich und so weit über die Erde verbreitet,dafs man sich darüber wundern mufs, dafs beiden Griechen von dieser Vorstellung so wenigeZeugnisse erhalten sind; wir finden einen der-artigen Volksglauben bei den Germanen wiebei den Slaven, bei den alten Aigyptern, beiden semitischen Völkern und in den christ-lichen Heiligenlegenden, S. Wide, Ath. Mitt.26, 1901, 153; vgl. auch Manuk Abeghian , 4Der armenische Volksglauben, Diss. Jena 1899,

S. 9f. Die Seele entweicht aus der Wunde,d. h. mit dem entströmenden Blute; denn dasBlut ist der eigentliche Lebenssaft und wiedie eigentliche Seelenspeise (s. o.), so nachweit verbreiteter Anschauung der eigentlicheSitz der Seele; 'die Seele ist im Blute, vgl.Kritias bei Aristot. π. ψυχής 1, 2, 19; Blut,Seele, Leben sind Begriffe, die in frühesterZeit sich decken, vgl. v. Kremer a. O. S. 39 f. 5J. Lippert a. 0. S. 5f. 278. Weicher a. 0. S.2;'Haar, Blut, Penis sind Sitze der Seele, desLebens, Bethe, Rhein . Mus. N. F. 62, 1907,466 A. (463). Ebenso gilt das Herz als Sitz derSeele, und zum Blute tritt auch das Pett derNieren, Lippert a. 0. S. 7. Meitzer, Die Vorst,d. alten Griechen vom Leben nach dem Tode(Virchow-Holtzendorff, Vorträge, N. F. 15, 347),

S. 7. Bethe a. 0. 465 f. A.; auch die Pupille(κόρη) ist als Sitz der Seele zu nennen, Cru- 6sius, Rh. Mus. N. F. 46, 1891, 319. Rohde 1,23, 1 . Meitzer a. 0., ferner das σπέρμα, das'senien virile, Bethe a. 0. 465 ff.

Hadesfahrten, καταβάσεις εις "Αιδου undνέκτιαι, lassen sich von Homer ab weiterhinverfolgen durch Literatur und Kunst, doch fürdie persönlich gefafste ψυχή gewinnen wirdabei nicht viel; es sei dies daher nur kurz

Psyche (spät. Hadesfahrten) 3210

gestreift. Berühmt war das Unterweltsgemäldedes Polygnotos von Thasos in der Lesche derKnidier zu Delphi, und des Pausanias Be-schreibung (10, 2831) hat Veranlassung ge-geben zu zahlreichen Versuchen der Rekon-struktion, vgl. schon Goethe 'Polygnots Gemäldein der Lesche zu Delphi (auf Grund des Wieder-herstellungsversuches der Gebrüder Riepen-hausen), Carl Robert , Die Nekyia des Polygnot(16. Hall. Winchelmannsprogr. 1892), PaulWeizsäcker , Polygnots Gemälde in der Lescheder Knidier zu Delphi (1895), Theodor Schrei-ber, Die Nekyia des Polygnot in Delphi , in der'Festschrift f. Joh. Overbeck (1893), 184 ff. und'Die Wandbilder des Polygnotos in der Halleder Knidier zu Delphi, 1. Teil (Abh. d. Sachs.Ges. d. Wiss. 39 [ philol.-hist. Kl. 17], 1897nr. 6), Bruno Sauer , Uber die delphische Lescheder Knidier und ihren Gemäldeschmuck ( Verh.d. 46. Vers. d. Philol. und Schulm. in Strafsb.1901) S. 93 ff., Waser, Charon, Charun, CharosS. 40 ff. 150. Im vierten Jahrh. hat es auchnoch der Maler Nikias von Athen unternommen,eine 'Necyomantea Homeri zu malen, Plin.35, 132. Zwei Unterweltsbilder haben sich er-halten unter den Odysseelandschaften vom Es-quilin , heute in der vatikanischen Bibliothek,b. Heilig, Führer 2 2, 167 f. Auf literarischemGebiet wäre zu gedenken des verloren ge-gangenen Epos mit dem Titel Mivvag und einerebenfalls verlorenen Dichtung Ogipiag x.ard-ßads stg ' AiSov. Es ist vermutet worden, dafsein und derselbe Dichter Prodikos die Minyasund die genannte v.ardßaoig gedichtet habe;allein bei des Orpheus Katdßaaig slg "Aiäovwird der Unbefangene ohne weiteres annehmen,dafs Orpheus selbst es ist, der hinabsteigt, undanderseits gestattet ein bei Paus. 10, 28, 2mitgeteiltes Bruchstück der Minyas wiederumohne weiteres den Schlufs, dafs es hier Theseus und Peirithoos 'die frevelhaften Stürmer derUnterwelt waren, 'deren Hadesfahrt den Rah-men für die Hadesepisode des Gedichtes ab-gab (Rohde 1, 303 A.); somit fällt der Zu-sammenhang zwischen den beiden Gedichtendahin; vgl. Waser, Charon S. 18 f. In desAristophanes 'Fröschen ist es Dionysos , derzum Hades niedersteigt, nachdem er sich beiHerakles Auskunft geholt.Dafs Vergil diexaraßaoig Alvsiov vor allem in der Absichtgedichtet hat, ein Gegenstück zur xaraßaaigOSvooeiag zu schaffen, bedarf keines Beweises,Norden, Verg.Aeneis Buch VI, S. 3. Eine Aus-malung der Schattenwelt mit ihren Bewohnernbietet ferner die pseudoverg. Dichtung Culex,v. 216375, und auch in des Apuleius Märchenvon Amor und Psyche ist eine Hadesfahrt ein-gelegt (met, 6, 16 ff.). Die mittelalterliche Apo-kalyptik ist merkwürdigerweise durch die ver-gilische Nekyia nicht beeinflufst:Dante istder erste gewesen, der die ihm vorliegendeund nachweislich von ihm stark benutzte mittel-alterliche Apokalyptik mit Motiven der ver-gilischen Nekyia vex'bunden hat, Norden a. 0.S. 8. Seine Hadesfahrt hat auch Lukian ge-schrieben in dem Mivimtog fj vsxvogavtsiabetitelten Dialog, und Imitationen des luki-anischen Dialoges finden wir zahlreich in